Hans Heigert gehörte zu den profiliertesten politischen Journalisten in Deutschland. Beim Bayerischen Rundfunk wurde er Chefredakteur und moderierte die Fernsehsendung „Report München“. Wegen der immer wieder versuchten parteipolitischen Einflussnahmen dort wechselte er als leitender Redakteur zur Süddeutschen Zeitung. Hier war er 15 Jahre lang Vorsitzender des fünfköpfigen Kollegiums der Redaktionsspitze.
Hans Heigert wurde am 21. März 1925 in Mainz als Sohn eines Ingenieurs geboren. Nach dem Abitur am Gymnasium in Ludwigsburg studierte er nach Kriegsende zunächst Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Hochschule in Stuttgart und danach an der Universität in Heidelberg, wo er sein Studium noch durch die Fächer Soziologie, Jura und Philosophie ergänzte. Soziologie hörte er bei Alfred Weber, Philosophie bei Karl Jaspers und Jura bei Gustav Radbruch.
Nach Abschluss dieser Studien und seiner Promotion zum Dr. phil. arbeitete er auf Empfehlung von Alfred Weber in den Jahren 1950 bis 1956 als politischer Redakteur bei der Deutschen Zeitung und Wirtschaftszeitung in Stuttgart – zuletzt als Korrespondent in Bonn. Bei diesem Blatt hat er, so seine eigenen Worte, das Zeitungmachen gelernt.
Danach wechselte er als Leiter des Jugendfunks zum Bayerischen Rundfunk. Hier suchte er vor allem den direkten Kontakt zu seinen Hörern – darum veranstaltete man Schlager-Konzerte in Turnhallen und Sälen mit Jugendkapellen. Alles wurde live im Jugendfunk übertragen. Außerdem produzierte er Hörbilder und klärte über den Nationalsozialismus auf, was in den Schulen damals nur sehr zögerlich geschah.
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1961 wurde er Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens. Beim breiten Fernsehpublikum wurde er vor allem durch seine Moderation des zeitkritischen ARD-Magazins „Report“ bekannt, worin damals über die Jugendbewegung berichtet wurde, über die aufkommende Kapitalismuskritik bei der Jugend und über deren Atomangst. Heigert wollte informieren und berichtete über das jeweilige Geschehen ohne jede Polemik. Er blieb stets neutral und nahm nie Stellung für die eine oder andere Seite.
Damals war er CSU-Mitglied, was bei seinen Kollegen manchmal auf Misstrauen stieß – die Partei aber sah in ihm sogar einen Verräter, weil Heigert sich stets weigerte, eindeutig im Sinn der CSU zu berichten. Damals war Franz Josef Strauß Verteidigungsminister und setzte sich für eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr ein.
Heigert war ein sozial-liberaler Konservativer, der seine Unabhängigkeit nicht verlieren wollte. Darum ging er im April 1969 zur SZ Süddeutsche Zeitung und wurde dort bis 1984 Vorsitzender ihres Leitungsgremiums. In diesen Jahren hat er das Profil der Süddeutschen Zeitung entscheidend mitgeprägt. Danach war er noch bis 1989 Senior Editor des Münchner Blattes.
Die SZ betrachtete die Bundes- wie Landespolitik stets mit kritischem Blick, besonders auf die CSU und F. J. Strauß. Die Zeitung deckte dabei mehrere Skandale auf, wie 1993 die „Amigo-Affäre“ oder die „Parteispenden-Affäre“ von Helmut Kohl.
Heigerts ständiges Eintreten für publizistische Neutralität in der Berichterstattung wird deutlich beim Lesen seines Kommentars vom 19.9.1977 in der SZ: „Ein Gespenst geht um ...“
1967 war er als Leiter und Moderator von „report münchen“ mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet worden und 1969 erhielt er den Theodor-Heuss-Preis – „als ein sozial-liberaler Konservativer, der die Meinung vertritt, dass man nichts ohne Not ändern solle, sich aber gleichzeitig für einen offenen und energischen Zugang für demokratische Reformen einsetzt.“ 1971/72 wurde er dann mit dem Theodor-Wolff-Preis geehrt.
Nach seiner Pensionierung war er zunächst Präsidiumsmitglied, dann von 1989 bis 1993 Präsident des Goethe-Instituts in München.
Hans Heigert starb am 17. November 2007 im Alter von 82 Jahren in München.
Sebastian Berger, Sprecher des Süddeutschen Verlags, würdigte Heigert als eine herausragende Persönlichkeit bei der SZ: „Er war einer der wichtigsten publizistischen Köpfe in der Geschichte der Zeitung.“
(hhb)
Quellen
Gespräch zwischen Dr. Hans Heigert und Dr. Ernst Emrich am 28.3.2000 im BR
Paul Hoser: Süddeutsche Zeitung / Historisches Lexikon Bayerns
Ehemaliger SZ-Chefredakteur und Report-Moderator Heigert gestorben / Newsroom.de vom 22.11.2007
Hannes Burger: Hans Heigert, ehemaliger Chef der Süddeutschen Zeitung ist tot / DIE WELT am 23.11.2007
Warum Bayern eine Bürgerinitiative Rundfunkfreiheit braucht
Nachruf aus der WELT
Bücher
Hans Heigert: Deutschlands falsche Träume oder Die verführte Nation / Christian Wegner Verlag, 1968