Friedrich Wilhelm Held

Friedrich Wilhelm Held war ein Journalist, Zeitschriftenverleger, Schriftsteller und ein demokratischer Politiker in der Zeit der 1848er Revolution. Zeit seines Lebens trat er engagiert für die Meinungs- und Pressefreiheit ein.

Friedrich Wilhelm Held wurde am 11. August 1813 in Neiße geboren. Neiße, heute Nysa, gehörte damals zum Regierungsbezirk Oppeln in der preußischen Provinz Schlesien. Sein Vater war Offizier in der preußischen Armee. Da die Eltern früh starben, wurde er im königlichen Waisenhaus zu Potsdam aufgenommen und dort erzogen. Folgerichtig ging er zunächst zum Militär und wurde 1831 Offizier beim 36. Infanterieregiment. Bald reichte er jedoch seinen Abschied ein, versuchte sich vorübergehend als Schauspieler und ließ sich schließlich in Erfurt als Schriftsteller nieder. Dort verfasste er einige Bändchen über „Preußens Helden“, die er Prinz Wilhelm von Preußen widmete. Was ihm später – als er die als gemeingefährlich geltenden sozialistischen Ideen und weniger die monarchistischen Ziele vertrat – den Ruf eines Renegaten einbrachte.

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Copyright: Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

1842 verlegte er seinen Wohnsitz nach Leipzig und gab dort die als radikal geltende Wochenzeitung Locomotive - Allgemeine Intelligenz-Zeitung für Deutschland heraus. Das Blatt erreichte schnell eine Auflage von etwa 20.000 Exemplaren und wurde schon deshalb im Frühjahr 1843 verboten – und weil Held darin eine konstitutionelle Monarchie forderte. Also versuchte er die erneute Herausgabe in Halle und Schkeuditz, was ebenfalls verboten wurde. Held wurde verhaftet.

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Im Gefängnis schrieb er das Buch „Censuriana oder Geheimnisse der Censur“. Darin veröffentlichte er mehrere Beispiele von geradezu lächerlichen Zensur-Maßnahmen, denen er ausgesetzt war:

„So wurde mir in dem Satze: ‚die servile Allgem. Preuß. Zeitung‘ das Wort servil gestrichen, weil die hohen Behörden in diese Zeitung ihre Berichtigungen einrücken ließen, diese Zeitung also nicht beleidigt werden dürfe.“

Oder: „In dem Ausdrucke: ‚die selige Rheinische Zeitung‘ wurde das Wort ‚selige‘ gestrichen, weil jene Zeitung wegen böswilliger Tendenzen verboten worden sei, also nicht ‚selig‘ genannt werden dürfe.“

Und: „Ich hatte das Becker’sche Rheinlied eine Lächerlichkeit genannt. Der Censor war privatim ganz meiner Meinung: allein er strich mir den ganzen Satz, weil der König von Preußen dem Becker für das Rheinlied 1000 Thaler geschenkt habe.“

In seiner Schrift „Censuriana“ – gewidmet „Allen Feinden der Censur mit dem Wunsche: Ihre Zahl möge Legion sein!“ – bezeichnete Held die Zensur als pure Willkür und erinnerte daran, die deutschen Fürsten hätten nach den Befreiungskriegen in der „Deutschen Bundesakte“ vom 8. Juni 1815 versprochen, die Zensur abzuschaffen.

Dort heißt es in Artikel XVIII: „Die verbündeten Fürsten und freyen Städte kommen überein, den Unterthanen der deutschen Bundesstaaten folgende Rechte zuzusichern“ – und weiter in Absatz d: „Die Bundesversammlung wird sich bey ihrer ersten Zusammenkunft mit Abfassung gleichförmiger Verfügungen über die Preßfreyheit und die Sicherstellung der Rechte der Schriftsteller und Verleger gegen den Nachdruck beschäftigen.“

Censuriana oder Geheimnisse der Censur

Dieses 1844 erschienene Buch widmete Friedrich Wilhelm Held

Allen Feinden der Censur
Mit dem Wunsche:
Ihre Zahl möge Legion sein!

Hier ein paar Auszüge zum Thema Zensur:

  • Man schnüre sich mit einem Tuche den Hals zu, recht fest, so daß der Athem zurückbleibt und die Brust mit der Angst des Erstickungstodes erfüllt ist. In diesem Zustande erfasse man einen dichterischen Gedanken, verarbeite ihn, bilde ihn aus, bringe ihn zu Papier: So schreibt man unter Censur. – Und nun, wenn die Todesangst ihren Gipfel erreicht, wenn man es nicht mehr aushalten kann: dann immer noch, und noch eine Secunde; - die Sinne schwinden – und noch eine halbe Secunde; - es wird Nacht; - und noch einen Augenblick - - - und dann mit einem Zug das Tuch herab; - der erste, volle freie Athemzug – die Seligkeit empfinde ich jetzt. –

    Leser, ich bitte Dich dringend, mach‘ den Versuch, den ich hier beschrieben; Du bekommst sonst keine Vorstellung von der Qual der Censur, keine von der Wonne der Pressfreiheit.

    Pressfreiheit! - - - - - - - -
     
  • Es giebt nur ein Mittel: Die Pressfreiheit muss von den Regierungen freiwillig gegeben werden. Und dazu giebt es nur einen Weg: Die Presse muss fort und fort an das Ehrgefühl der deutschen Fürsten appeliren. Sie muss nicht allein auf das im Art. XVIII der Bundesacte gegebene Versprechen hinweisen, sondern auch unablässig ausführen, wie es sich mit der Ehre eines Herrschers unmöglich vertragen könne, wenn er sein Interesse durch ein rechtswidriges und unmoralisches Institut wahrnehmen, und seine Macht durch ein so verabscheuungswürdiges Ungeheuer stützen lasse, wie die Censur ist. Und demgemäß muss die Presse den Beweis liefern, daß die Censur ein rechtswidriges und unmoralisches Institut und ein verabscheuungswürdiges Ungeheuer wirklich ist.
     
  • Die Censur ist ein Institut der Willkür. – Entsprungen aus der Willkür, ist Willkür auch die Haupteigenschaft ihrer ganzen Wirksamkeit. - Es giebt keine Censurbestimmung, die der Censor nicht im Stande wäre, nach seinem Willen zu deuten. Die Censur wird ihm niemals ihre Hand versagen, wenn es ihm gilt, irgend ein damit in Verbindung stehendes Privatinteresse zu verfolgen, sei es Erreichung einer Absicht, Erfüllung eines Wunsches oder Befriedigung einer Leidenschaft. – Der Censor findet eine seiner Lieblingsideen angegriffen: er streicht! – er sieht seinen Feind anerkannt: er streicht! – er will seinen Privathass an dem Schriftsteller befriedigen: er zerstreicht ihn! – er will sich einschmeicheln bei den Behörden: er streicht Alles! – er will sich beliebt machen beim Volke: er streicht Nichts! – Wer rettet uns aus diesem Pfuhle der Willkürlichkeiten? Niemand!  Denn es leuchtet kein Licht in die dunkle, unheimliche Werkstatt der Censur, und kein Gesetz zieht den Werkmeister hervor und zur Verantwortung! –

Von dem Buch gibt es einen Nachdruck, herausgegeben von Nikola Roßbach.

 

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Was allerdings in der nachnapoleonischen Zeit der Restauration weitgehend unterblieb und dazu beitrug, dass es zur 1848er Revolution kam. Friedrich Wilhelm Held zog damals nach Berlin und gab dort ab April 1848 das Wochenblatt Locomotive. Zeitung für politische Bildung des Volkes heraus. Schon in der ersten Ausgabe jubelte Held:

„Die große Erhebung des deutschen Volkes hat ihr Ziel gefunden. Die wahre Existenz der freien deutschen Nation ist proclamirt. Die Stadt Berlin hat ihr Haupt mit dem Lorbeer des Ruhmes geschmückt, sie ins Leben gerufen zu haben, und die deutsche Tricolore, welche vom Berliner Königsschlosse herabweht, verkündet es allen Völkern deutscher Zunge: Deutschland ist eins! – Deutschland ist frei! – Deutschland ist ein constitutionelles Reich!

Zudem agitierte er politisch als Redner bei Massenversammlungen auf dem Zeltenplatz im Berliner Tiergarten. Dort setzte er sich für Meinungs- und Oppositionsfreiheit ein und griff den abwägenden großbürgerlichen Liberalismus scharf an. Vorübergehend wurde er so zu einem Volkstribun für die allgemeine demokratische Bewegung, doch verlor er wegen seiner oft polemischen Aussagen und schwankenden Meinungen bald viel Vertrauen im eigenen demokratischen Lager und bei der Bevölkerung. Aber seine Zeitung Locomotive konnte von April 1848 bis Januar 1849 erscheinen, dann wurde sie im Verlauf der Gegenrevolution endgültig verboten.

Um in der folgenden Zeit zunehmender Repressionen zu überleben, inszenierte er Laterna-magica-Vorführungen mit Puppentheater zu tagesaktuellen Themen und Ereignissen. Und ging mit dieser Art eines frühen Kinos auf Wanderschaft.

Zurück in Berlin startete er dort zunächst die Wochenzeitschrift Theatralia. 1863 wurde er Chefredakteur der Staatsbürger-Zeitung, die der Arbeiterbewegung und den kleinen Gewerbetreibenden nahestand. 1871 machte er sich dann als Geschäftsführer einer Genossenschaft mit der Held’schen Staatsbürgerzeitung erneut selbständig.

Friedrich Wilhelm Held starb am 26. März 1872 in Berlin.

(hhb)