Erich Helmensdorfer

Erich Helmensdorfer, ein deutscher Journalist und Fernsehmoderator, arbeitete anfangs als Journalist für Nachrichtenagenturen und später sowohl für Qualitätszeitungen wie auch für Boulevardblätter. Weithin bekannt wurde er als Moderator verschiedener Fernseh-Quizsendungen der ARD und als Sprecher der heute-Nachrichten im ZDF.

Erich Helmensdorfer wurde am 28. Mai 1920 in Nürnberg geboren. Unmittelbar nach dem Abitur musste er zunächst Arbeitsdienst leisten und anschließend Kriegsdienst bei der Luftwaffe. 1946 begann er in Erlangen ein Jurastudium, brach es aber schon im Jahr darauf ab und fing an, für die von der amerikanischen Besatzungsmacht gegründete Presseagentur DENA in Bad Nauheim zu arbeiten. Die DENA war eine der Vorläufer-Agenturen der dpa Deutsche Presse-Agentur, in der sie dann im August 1949 aufging. Von 1949 bis 1956 war Helmensdorfer für die dpa in Bonn, Berlin, München und anschließend bis 1960 als Auslandskorrespondent in Ägypten tätig.

1961 wurde er Chef vom Dienst bei der Wiener Zeitung Die Presse. Von 1963 bis 1968 arbeitete er freiberuflich neben anderen vor allem für die FAZ und die Augsburger Allgemeine. Für seine Auslandsreportage ►„An der Seite der aufständischen Kurden“, von der FAZ in ihrer Beilage „Bilder und Zeiten“ veröffentlicht, wurde er mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet.

 

article picture

article picture

Matthias Walden mit Erich Helmensdorfer (r.)

Copyright: ullstein bild - Heinz Köster

Erich Helmensdorfer, Gast im Erzählcafé des ISG Frankfurt, 28.03.1998

Copyright: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main (ISG FFM), S7FR Nr. 16490, Georg Kumpfmüller

Auf Grund seiner so erworbenen Bekanntheit berief ihn die Mediengruppe des Münchner Merkur 1968 zum Gründungs-Chefredakteur ihres Boulevardablegers tz, der als preiswerter Konkurrent zur Abendzeitung des Süddeutschen Verlags sowie zur BILD München auf den Markt gebracht werden sollte.

1972 war er wieder zurück beim Fernsehen und moderierte für die ARD/NDR eine neue Serie, das 45-minütige Polit-Quiz „Ente gut – alles gut“. Darin mussten sechs Gäste – Redakteure, Zeitungsleser und/oder Promis – beurteilen, ob die darin vorgestellten Nachrichten der Wahrheit entsprachen oder sog. „Enten“ waren. Die Reihe wurde einmal monatlich ausgestrahlt, lief aber nur zwanzigmal.

Für das ZDF gehörte Helmensdorfer auch zu den Moderatoren der heute-Nachrichten, die er insgesamt 998mal präsentierte. Seine Fernsehzeit war ein Intermezzo, das er später in seinem Buch „Meine Anstaltsjahre“ sehr kritisch sah.

1973 kehrte er erneut zur FAZ zurück, zunächst als ständiger freier Mitarbeiter und Auslandskorrespondent in Ägypten. Danach, von 1976 bis Juni 1986, war er Ressortleiter für den Lokalteil. Zehn Jahre lang lang blieb er damit „Chefredakteur“ der für die Leserschaft vor Ort so wichtigen Zeitung für Frankfurt, des auch als Stadtblatt bezeichneten Lokalteils. Auch das Rhein-Main-Blatt für die Umgebung Frankfurts wurde von Helmensdorfer geleitet. Aus seiner Sicht musste gerade ein Lokalressort besonders detailgenau recherchieren und berichten, schon wegen der Überprüfbarkeit durch seine Leser.

Frankfurt am Main galt damals als unregierbare Stadt, mit hoher Kriminalität, Drogenhandel und Prostitution. Doch begann auch der Wiederaufbau der Alten Oper und der Fachwerkfassaden am Römerberg, von vielen als Disneyland geschmäht. Helmensdorfer analysierte solche Vorurteile, hat sich aber niemals mit ihnen gemein gemacht. Zu Recht schrieb die FAZ im Mai 2010, anlässlich seines 90. Geburtstags, „Helmensdorfer habe den Lokalteil nie gegen die Stadt gemacht“.

Zudem kümmerte er sich bei der FAZ um die Ausbildung des journalistischen Nachwuchses.

Nach seiner Pensionierung engagierte er sich in der Historisch-Archäologischen Gesellschaft und hielt immer wieder Vorträge an der Volkshochschule, etwa über die Medienpolitik der Alliierten in Frankfurt: „Von der Propaganda zur Nachricht“.

Erich Helmensdorfer starb am 28. April 2017 im Alter von 96 Jahren in seiner Wahlheimat Wien, wo er zuletzt in einer Seniorenresidenz in Wien-Oberlaa lebte. Noch immer las er dort seine geliebte FAZ und lobte seine Nach- und Nachnachfolger: „Hätte ich euch gar nicht zugetraut.“

 

(hhb)

 

Quellen:

Frankfurter Personenlexikon: Erich Helmensdorfer

Peter Lückemeier: Den Lokalteil nie gegen die Stadt gemacht / in FAZ vom 27.5.2010

Trauer um Erich Helmesdorfer / Süddeutsche Zeitung vom 1. Mai 2017

Nachruf Erich Helmensdorfer: Weltläufiger Lokaljournalist / FAZ 30.04.2017

 

Bücher:

Erich Helmensdorfer: Traumberuf Journalist. Dokumentation, Erinnerungen, Kommentare / Keysersche Verlagsbuchhandlung, 2011

Erich Helmensdorfer: Meine Anstaltsjahre – Freud und Leid im Fernsehen / Schulz Verlag, 1979

Erich Helmensdorfer: Journalismus / Albert Müller Verlag, 1971