Walter Henkels

Walter Henkels war ein deutscher Journalist und Autor. Für die FAZ arbeitete er 28 Jahre lang als Bonner Korrespondent und machte sich dabei als Historiograph und Chronist der jungen Bundesrepublik einen Namen. In Bonn war er Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied der Bundespressekonferenz. Über diese Zeit in der provisorischen Hauptstadt am Rhein schrieb er zahlreiche Bücher.

Walter Henkels wurde am 9. Februar 1906 in Solingen-Höhscheid als Sohn eines Scherenschleifers und Gewerkschafters geboren. Nach der Schule studierte er acht Semester an der Verwaltungsakademie in Köln und ließ sich dort zum Verwaltungsbeamten ausbilden. Nach seiner Diplomprüfung arbeitete er zunächst im Rathaus seiner Heimatstadt. Von 1936 bis 1939 gehörte er als Redakteur zur Presseabteilung des Landesverkehrsverbandes Rheinland und verfasste zudem Reiseberichte. Im Zweiten Weltkrieg wurde Henkels Offizier der Luftwaffe in Nordeuropa. Als Presseoffizier und Kriegsberichterstatter musste er damals auch Propaganda-Geschichten schreiben, wie er später in seiner Autobiographie bedauernd anmerkte.

 

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Copyright: Barbara Klemm für die FAZ

Nach dem Krieg gehörte Henkels zu den ersten Journalisten, die wieder tätig werden durften. Ab 1946 war er zunächst Reporter für DIE ZEIT und Korrespondent für den SPIEGEL, bis er im November 1949 seine Porträtserie „Bonner Köpfe“ in der FAZ startete. Jede Woche erschien dort seine Kolumne über die mehr oder weniger großen Köpfe aus der Politikszene der Bundeshauptstadt – durch eigene Beobachtung und in persönlichen Gesprächen recherchiert und pointiert beschrieben. Wie zum Beispiel die beiden Kontrastfiguren Konrad Adenauer und Theodor Heuss, über die er im „Lokaltermin Bonn“ spöttelte: „Der erste Bundeskanzler hielt das Feuilleton für eine Krankheit, an der, zum Beispiel, der erste Bundespräsident litt. Die Rede und Schreibe von Theodor Heuss hielt er für ‚Feujetong‘; es war abschätzig gesagt, bei einem Gartentee in Cadenabbia. Dieser Bundeskanzler war in keiner Weise pingelig.“

Henkels wurde im Laufe der Jahre aber zum Adenauer-Fan. Auch Adenauer schätzte ihn. Henkels durfte ihn nicht nur auf vielen Auslandsreisen begleiten, sondern ihn sogar während seiner Ferien in Mürren/Schweiz, in Vence/Frankreich und zuletzt in Cadenabbia am Comer See besuchen. Beim entspannten Plaudern oder gemeinsamen Boccia-Spiel konnte Henkels dem Kanzler so manches Bonmot entlocken und Sottisen über so manchen Zeitgenossen. Aus solchen Adenauer-Sprüchen und Anekdoten entstanden mehrere Bücher – wie 1965 „... gar nicht so pingelig, meine Damen und Herren“ und kurz darauf „Doktor Adenauers gesammelte Schwänke“. Meist verfasst in der für Adenauer typischen Kölschen Dialektfärbung.

Allerdings wurde Henkels keinesfalls von jedermann in Bonns Politikszene geschätzt: Einmal wurde er sogar vor den Kadi zitiert, weil er den Abgeordneten Alfred Loritz als „Volksgaukler“ bezeichnet hatte. Was der Amtsrichter als Formalbeleidigung einstufte. Andere Betroffene wandten sich gleich an den Verlag, um eine Veröffentlichung über sie zu verhindern. Denn Henkels beschrieb seine Zielpersonen so, wie sie gemeinhin auftraten und wie man sie wahrnahm – von ihm gut verpackt in spöttelnde Sprache. Was die Eitelkeit von so manchem Betroffenen verletzte. Henkels Kommentar dazu: Die Bonner Bühne sei eben „mit Hühneraugen gepflastert.“

Die Zeit bezeichnete Walter Henkels als „einen der geistvollsten und witzigsten Beobachter der Bonner Szene“. Zweifellos war er der Bonner „Hofchronist“ in den Regierungszeiten der ersten drei Kanzler von Adenauer, Erhard und Kiesinger.

1969 erhielt er den Theodor-Wolff-Preis. 1977 beendete er seine journalistische Tätigkeit, schrieb aber weiterhin viel gelesene Bücher über die Gründerjahre der Bundesrepublik aus seiner Bonner Sicht.

Dort starb Walter Henkels am 8. Juni 1987 im Alter von 81 Jahren und wurde auf dem Burgfriedhof in Bad Godesberg beigesetzt.

(hhb)

 

Quellen:

Konrad Adenauer: Versuch eines Portraits / FAZ vom 21.11.1949

Denkmal geschändet / Spiegel 47/1967 vom 12.11.1967

Walter Henkels / Austria-Forum

Walter Henkels / Munzinger Biographie

Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus

 

Bücher:

Walter Henkels: Lokaltermin in Bonn / Econ-Verlag 1968

Walter Henkels: Adenauers gesammelte Bosheiten. Econ-Verlag 1983

Walter Henkels: Die Lage war immer ernst – ein Chronist erinnert sich / Econ-Verlag