Der Journalist und Publizist Helmut Herles ist vor allem durch seine Berichte aus Bonn für die FAZ und später als Chefredakteur des Bonner Generalanzeigers bekannt geworden. Gelegentlich veröffentlichte er seine scharfsinnigen Kommentare unter dem Pseudonym Hieronymus.
Helmut Herles wurde am 9. Mai 1940 in Komotau/Nordböhmen geboren, im damaligen Reichsgau Sudetenland. Er studierte Germanistik, Russisch und Volkskunde an den Universitäten in Frankfurt am Main, in Bonn und Wien. 1969 wurde er in Frankfurt zum Dr. phil. promoviert, mit einer Dissertation über Nestroys Komödie „Der Talisman“.
Nach dem Studium begann Herles zunächst als Auslandskorrespondent zu arbeiten und berichtete für die katholische Wochenzeitung Publik aus Rom, danach für die Süddeutsche Zeitung als Korrespondent aus Frankfurt am Main.
Von 1975 bis 1991 war er dann für die FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung in Bonn tätig und blieb dort auch nach der Wiedervereinigung, dann allerdings ab Mai 1991 als Chefredakteur des Bonner Generalanzeigers bis 1999. In seiner fast ein Vierteljahrhundert andauernden Präsenz in der damaligen Bundeshauptstadt entwickelte er sich zu einem profunden Kenner der dortigen Politszene und schrieb zudem zahlreiche Bücher über diese Jahre des Politikbetriebs in der Bonner Republik: über das Innenleben der Fraktionen, der Parteien und der jeweiligen Regierungen. Seine Berichte und Essays waren wurden gern gelesen, weil sie feuilletonistisch angereichert und mit viel Humor geschrieben waren. Was man in seinen Büchern etwa über die Zeit von Willy Brandt und Helmut Schmidt bis hin zu Helmut Kohl nachlesen kann.
Für seine journalistische Arbeit wurde er schon 1986 mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Um nach seiner Zeit als Chefredakteur weiter regierungsnah zu berichten, wechselte er als Chef-Korrespondent des Blattes in die neue Hauptstadt Berlin. Dort blieb er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2005.
Danach arbeitete er weiter als freier Journalist, als Publizist und Autor. Immer wieder wurde er als Kommentator sowie als Interviewpartner zu aktuellen Entwicklungen in der deutschen und internationalen Politik vom Fernsehen eingeladen. Essays schrieb er nun für die Süddeutsche oder den Berliner Tagesspiegel.
Auch in Königswinter-Ittenbach, wo er nun als Rentner lebte, blieb er weiter präsent – sogar als Kabarettist im „Weinhaus Alter Zoll“, was der Bonner General-Anzeiger am 14. August 2016 so beschrieb: „Von fieser Fistelstimme bis zur Raute“.
Helmut Herles starb am 11. Januar 2026 im Alter von 85 Jahren – dort in der Region des Siebengebirges, die ihm zur Heimat geworden war.
(hhb)
Quellen
Hauptstadtbeschluss - Interview mit Helmut Herles / in phoenix am 21.6.2016
Thilo Adam: Ein Anruf bei Helmut Herles – über das Nichtzustandekommen der Jamaika-Koalition / Südd. Zeitung am 21.11.2017
Interview mit Helmut Herles zur Lage der SPD / phoenix 20.2.2018
Helge Matthiesen: Er prägte den GA in den Jahren des Umbruchs / Bonner General Anzeiger am 15.1.2026
Bücher + Schriften
Helmut Herles: Machtverlust oder Das Ende der Ära Brandt / Busse-Seewald Verlag 1983
Helmut Herles: Fürchtet euch nicht. Von Kanzlern und Komödianten, von Parlamentariern und Vaganten, von Menschen und Leuten im Staatstheater Bonn / Verlag Günther Neske 1985
Helmut Herles: Der Deutsche Bundestag, Porträt eines Parlaments. Zehn Wahlperioden / Verlag Günther Neske 1985
Helmut Herles: Deutschland – Ein Bundesstaat / Ellert & Richter 1999
Helmut Herles: Mir ist nicht bang um Deutschlands Einheit / edition q 2001
Helmut Herles: Die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft / be.bra Verlag 2013