Georg Herwegh

Georg Herwegh war ein deutscher Dichter und radikaler Demokrat, der zur Zeit des Vormärz sowie während und nach der 48er Revolution seine Überzeugungen von Demokratie und Freiheit vor allem durch Aufrufe und als Gedichte in zahlreichen Publikationen veröffentlichte. Darum musste er immer wieder vor der Obrigkeit ins Exil fliehen – in die Schweiz oder nach Frankreich, wo er Heinrich Heine in Paris traf, der Herwegh in einem seiner Gedichte ironisch als „eiserne Lerche“ bezeichnete.

Georg Friedrich Rudolf Theodor Andreas Herwegh wurde am 31. Mai 1817 als Sohn eines Gastwirts in Stuttgart geboren. In Balingen besuchte er zunächst die Lateinschule und danach von 1831 bis 1835 das evangelische Gymnasium in Kloster Maulbrunn. Als Stipendiat studierte er anschließend für kurze Zeit Theologie und Jura in Tübingen, brach dies Studium aber bald ab, um von 1836 an als freier Schriftsteller und ab 1837 als Feuilletonist zu arbeiten: für Lewalds Zeitschrift Europa und Gutzkows Telegraph für Deutschland, die viermal wöchentlich vom Hamburger Verlag Hoffmann & Campe herausgegeben wurde.

article picture

Copyright: Kupferstich von Carl Arnold Gonzenbach (1806–1885), Zürich 1843 / gemeinfrei

1839, nach seiner Flucht vor einer Zwangsrekrutierung in die Schweiz, redigierte er in Zürich die von Wirth herausgegebene Zeitschrift Deutsche Volkshalle, die bis März 1841 als Beiblatt der Stuttgarter Allgemeinen Zeitung erschien. Im Sommer jenes Jahres kam in der Schweiz auch der erste Teil seiner polemischen „Gedichte eines Lebendigen“ heraus – darunter ein „Wiegenlied“, das die politischen Zustände in Deutschland in der Zeit der Restauration nach Napoleon I. als typisch deutsches Schlaflied parodierte:

Deutschland – auf weichem Pfühle
Mach’ dir den Kopf nicht schwer
Im irdischen Gewühle!
Schlafe, was willst du mehr?

Laß’ jede Freiheit dir rauben,
Setze dich nicht zur Wehr,
Du behältst ja den christlichen Glauben;
Schlafe, was willst du mehr?

Und ob man dir alles verböte,
Doch gräme dich nicht zu sehr,
Du hast ja Schiller und Göthe:
Schlafe, was willst du mehr?

Dein König beschützt die Kameele
Und macht sie pensionär,
Dreihundert Thaler die Seele:
Schlafe, was willst du mehr?

Es fechten dreihundert Blätter
Im Schatten, ein Sparterheer;
Und täglich erfährst du das Wetter:
Schlafe, was willst du mehr?

Kein Kind läuft ohne Höschen
Am Rhein, dem freien, umher:
Mein Deutschland, mein Dornröschen,
Schlafe, was willst du mehr?

Was genau wollte Herwegh darin anprangern? Nach den Freiheitskämpfen das erneut christlich begründete Gottesgnadentum eines Preußenkönigs wie Friedrich Wilhelm IV. und die von ihm früh pensionierten liberalen Minister. Nicht zu vergessen die vielen Zeitungen, die ihre Berichterstattung auf Banalitäten und das Wetter reduzierten.

Trotz vieler Verbote für Herweghs Arbeiten wurden in den ersten Jahren etwa 16.000 Exemplare dieser Gedichte verkauft.

1842 verfasste er bissige Kommentare in der Augsburger Allgemeinen Zeitung und schrieb auch für die Rheinische Zeitung von Karl Marx.

In der Schweiz erhielt er das Bürgerrecht im Kanton Basel-Landschaft und heiratete die Tochter eines vermögenden Berliner Bankiers. Dort schrieb er für die Schweizer liberale Presse und anonym für das deutsche Satireblatt Kladderadatsch.

1863 wurde er Vorsitzender des ADAV Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein für die Schweiz. 1886 dichtete Herwegh für den Arbeiterverein ein Bundeslied für ihre Arbeitskämpfe:

Mann der Arbeit, aufgewacht!

Und erkenne deine Macht!
Alle Räder stehen still,

Wenn dein starker Arm es will.

In jenem Jahr kehrte er nach Deutschland zurück und trat dann 1869 der SDAP Sozialdemokratische Arbeiterpartei bei, die aus dem ADAV hervorgegangen war. Von da an schrieb Herwegh regelmäßig für deren Organ Der Volksstaat. Darin geißelte er den preußischen Militarismus und verurteilte nach 1870/71 das Deutsche Kaiserreich unter den Hohenzollern sowie den wieder erwachten Nationalismus.

Am 7. April 1875 starb er in Lichtental bei Baden-Baden. Beigesetzt wurde er in der Schweit, in Liestal im Kanton Basel-Landschaft.

 

(hhb)