Theodor Heuss hatte, bevor er 1949 von der Bundesversammlung zum ersten Bundespräsidenten gewählt wurde, bis dahin fast ein halbes Jahrhundert als Publizist und Journalist gearbeitet – als Kunstkritiker, Redakteur, Leitartikler, Chefredakteur und Buchautor.
Theodor Heuss kam am 31. Januar 1884 als jüngster Sohn eines Regierungsbaumeisters in der württembergischen Weinbaugemeinde Brackenheim zur Welt. Als sein Vater 1890 Leiter des Tiefbauamtes in Heilbronn wurde, zog die Familie dorthin. Theodor Heuss besuchte nach der Volksschule das humanistische Heilbronner Karlsgymnasium, das inzwischen auf seinen Namen umgetauft wurde.
Nach dem Abitur im Jahr 1902 studierte er Nationalökonomie, Literatur, Geschichte, Philosophie, Kunstgeschichte und Staatswissenschaften in München und Berlin. Im Verlauf dieser Studien konzentrierte er sich zunehmend auf die Nationalökonomie und wurde 1905 mit seiner agrargeschichtlichen Studie über „Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn am Neckar“ promoviert, mit der Note cum laude.
Nach seinem Studium begann Theodor Heuss als Journalist zu arbeiten. Schon in seiner Schulzeit hatte er vor allem Betrachtungen über Kunst in den beiden Heilbronner Zeitungen veröffentlicht, etwa seine Ansichten über Wilhelm Busch und dessen Weltanschauung. Auch als Student verdiente er sich Geld hinzu, durch Berichte über Theater, Kunstausstellungen oder Kongresse in München – in seinen „Münchner Briefen“ – oder dann aus Berlin in den „Berliner Briefen“.
Bundespräsident Theodor Heuss (l. mit Zigarre) im Gespräch mit Kurt Sieveking, Erster Bürgermeister von Hamburg, 9. Dezember 1953, Fotograf Rolf Unterberg
Copyright: Bundesarchiv, B 145 Bild-F001194-0003
1905 holte ihn sein Mentor, der liberale Politiker Friedrich Naumann, als Feuilleton-Redakteur zu seiner Berliner Wochenschrift Die Hilfe. Parallel dazu begann Heuss auch für den Kunstwart von Ferdinand Avenarius im Bruckmann-Verlag zu schreiben. 1907 übernahm er zusätzlich das politische Ressort bei Die Hilfe.
1912 kehrte Heuss nach Heilbronn zurück und wurde Chefredakteur der liberalen Neckar-Zeitung. Im Jahr darauf übernahm er zudem die Redaktionsleitung der Halbmonatsschrift März, einer Zeitschrift für deutsche Politik und Kultur, als freiheitliches und positives Gegenstück zum Simplicissimus von Ludwig Thoma und Hermann Hesse im Albert-Langen Verlag herausgegeben. Schon in dieser Zeit des Ersten Weltkriegs musste er sich immer wieder mit Zensurbehörden auseinandersetzen.
1918 zog Heuss zurück nach Berlin und übernahm dort bis 1922 die Redaktionsleitung der Wochenzeitschrift für Welt- und Kulturpolitik Deutsche Politik. Im Jahr darauf begann er auch für die Vossische Zeitung und die Frankfurter Zeitung zu arbeiten und publizierte dort rund 900 Artikel. Nachdem Deutsche Politik aus wirtschaftlichen Gründen ihr Erscheinen einstellen musste, übernahm er 1923 die Redaktionsleitung von Die Deutsche Nation. In seiner Publikation „Hitlers Weg“, die acht Auflagen bekam, kritisierte er 1932 den Nationalsozialismus scharf – natürlich wurde das Buch 1933 verbrannt.
Von 1933 bis 1936 war er wieder Herausgeber der Zeitschrift Die Hilfe, gab dann aber deren Leitung ab, nach mehreren Verwarnungen aus dem Propagandaministerium. Von da an verfasste er mehrere Biographien und durfte die auch veröffentlichen: 1937 über Friedrich Naumann, 1939 über den Architekten Hans Pölzig, 1940 über den Zoologen Anton Dohrn und 1942 über den Chemiker Justus von Liebig.
1940 und 1941 schrieb er für die NS-Wochenzeitung Das Reich acht unpolitische Artikel für deren Kulturteil und wurde fester Mitarbeiter der Frankfurter Zeitung, für die er historische und kulturpolitische Essays verfasste. Außerdem schrieb er hin und wieder für das Berliner Tageblatt, die Potsdamer Tageszeitung und das Stuttgarter Neue Tageblatt. Bis dann den deutschen Zeitungen 1942 endgültig verboten wurde, Artikel von Heuss zu drucken. Dennoch konnte er für die Frankfurter Zeitung unter dem Pseudonym Thomas Brackheim noch gelegentlich schreiben.
Im September 1945 erhielt er zusammen mit zwei anderen – einem Kommunisten und einem Sozialdemokraten – die Herausgeberlizenz für die Rhein-Neckar-Zeitung, die nach Kriegsende als erste deutsche Zeitung in Württemberg und Baden erschien. Im Herausgebergremium vertrat er die liberale Tradition und veröffentlichte mehr als 80 Leitartikel.
In all diesen Jahren war Theodor Heuss natürlich auch politisch engagiert und Mitglied in verschiedenen liberalen demokratischen Parteien. 1918 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der DDP Deutsche Demokratische Partei und war von 1924 bis 1928 und von 1930 bis 1933 Abgeordneter im Deutschen Reichstag. Bis 1933 war er Dozent an der Deutschen Hochschule für Politik und dort auch Vorstandsmitglied. Dieses Amt verlor er nach deren Verstaatlichung im Jahr 1933, genau wie seinen Abgeordnetensitz im Parlament.
Nach dem Krieg wurde Theodor Heuss am 12. Dezember 1948 zum Vorsitzenden der FDP gewählt, nachdem sich die zerstrittenen liberalen Landesverbände der Westzonen endlich auf eine gemeinsame Partei geeinigt hatten. Den weiteren Berufsweg von Heuss dominierte nun die Politik – er gehörte zu den Verfassungsvätern und wurde dann am 12. September 1949 im zweiten Wahlgang gegen Kurt Schumacher zum ersten deutschen Bundespräsidenten gewählt.
Von dort förderte er das Demokratieverständnis der Deutschen und verstand sich als Hüter des Grundgesetzes. Seine Amtszeit endete am 12. September 1959.
Heuss zog sich nach Stuttgart zurück und starb dort am 12. Dezember 1963 im Alter von 79 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof in Stuttgart.
(hhb)
Quellen
Theodor Heuss – tabellarischer Lebenslauf / in LeMO
Bundespräsident Theodor Heuss 1949 – 1959 / Bundespräsidialamt
Sabine Hock: Theodor Heuss / Frankfurter Personenlexikon 2.8.1989
Ernst Wolfgang Becker: Theodor Heuss / Stadtlexikon Stuttgart 19.4.2018
Walter Henkels: Zeitgenossen – Fünfzig Bonner Köpfe / Rowohlt Verlag 1953