Der Journalist Dr. Hans Emil Hirschfeld war Zeit seines Lebens mit der Sozialdemokratie verbunden und arbeitete darum lange Zeit für deren Parteiorgane und Pressedienste. Den Zweiten Weltkrieg überlebte er im Exil, kehrte aber nach Kriegsende zurück nach Deutschland und übernahm auf Wunsch seines alten Freundes Ernst Reuter das Presse- und Informationsamt des Berliner Senats.
Hans Emil Hirschfeld wurde am 26. November 1894 als zweiter Sohn einer assimilierten jüdischen Familie geboren. Sein Vater war der Arzt Emil Hirschfeld, der 1892 zur Bekämpfung des damaligen Cholera-Ausbruchs ins preußische Harburg beordert worden war. Später wurde er dort Senator und Leiter des Arbeiter Samariter Bunds. Sein Sohn Hans Emil besuchte bis 1913 das dortige Realgymnasium und wurde im gleichen Jahr SPD-Mitglied.
In Berlin begann er ein Studium der neueren Literaturgeschichte, Geschichte und Philosophie, meldete sich aber bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs sofort freiwillig zum Militär. Dort diente er bis 1918 als Offizier und setzte dann sein unterbrochenes Studium in Göttingen fort. 1920 wurde er mit seiner Dissertation „Politische Zeitdichtung in Georg Herweghs Gedichten eines Liebenden“ zum Dr. phil. promoviert.
Fünfter Jahrestag der Übergabe der Freiheitsglocke an Berlin; Flughafen (Tempelhof) / links: Dr. Hans Emil Hirschfeld (Senatsdirektor) begrüßt Mitglieder des " Crusade for Free-dom", 23.10.1955
Copyright: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290 Nr. 0043621 und F Rep. 290 (04) Nr. 0037362 / beide Fotograf Gert Schütz
Danach arbeitete er als Journalist für die Fränkische Tagespost und für den Sozialdemokratischen Pressedienst, damals Sprachrohr des SPD-Vorstands.
Von 1924 bis 1932 wurde Hirschfeld persönlicher Referent des preußischen Innenministers Carl Severing und außerdem bis 1933 Pressereferent im Preußischen Innenministerium. Dort war er 1926 maßgeblich an der Organisation der „Großen Polizei-Ausstellung „beteiligt.
Unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten floh er im März 1933 mit seiner Familie in die Schweiz. Aus Zürich wurde er wegen antinazistischer Tätigkeiten bald ausgewiesen und nach Frankreich abgeschoben. Dort arbeitete er wieder als Journalist für die Emigrantenzeitung Deutsche Freiheit und für die Deutschen Informationen. 1936 wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt.
1940 emigrierte er in die Vereinigten Staaten und arbeitete bis 1949 als Research Assistant für das OWI United States Office of War Information, das ab 1942 den Auslandssender Voice of America betrieb und darüber Hörfunkprogramme in mehreren Sprachen im von Deutschland besetzten Europa und Nordafrika verbreitete. In den USA gehörte Hirschfeld auch der German Labour Delegation an, die Kontakte zu anderen Arbeiterbewegungen unterhielt und einigen hundert gefährdeten Sozialdemokraten ihre Ausreise aus Frankreich ermöglichte. Außerdem gab sie Die Neue Volkszeitung heraus.
1949 kehrte Hans Emil Hirschfeld auf Bitten von Ernst Reuter nach Berlin zurück und übernahm dort von 1950 bis 1960, in der schwierigen Zeit des Kalten Kriegs, die Leitung des Presse- und Informationsamtes. Von 1957 bis 1959 war Hirschfeld zudem Leiter der West-Berliner Senatskanzlei, bis er 1960 in den Ruhestand ging.
Hirschfeld aber blieb weiterhin aktiv: von 1960 bis 1970 als Vorsitzender des Berliner Presseclubs und im SFB-Rundfunkrat. Außerdem engagierte er sich für das Deutsche Rundfunkmuseum im ehemaligen Senderhaus am Berliner Funkturm.
Hans Emil Hirschfeld starb am 10. April 1971 in der Schweiz, in Muri/Kanton Bern.
(hhb)
Quellen:
Artikel zu Hirschfeld in ►Transatlantischer Blick