Arthur Holitscher war ein in Ungarn geborener deutschsprachiger Publizist. Als Essayist beschrieb er anschaulich die politischen Entwicklungen von der Zeit der Monarchien hin zu republikanischen Staaten und schlussendlich deren Pervertierung in die autoritäre Diktatur. Und als Reisereporter schuf er einen völlig neuen Typus der kulturpolitischen Reportage und öffnete damit den Blick seiner Leser auf die unterschiedlichen Verhaltensweisen anderer Völker, die er darin eingehend beschreibt.
Holitscher stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie und wurde am 22. August 1869 in Pest geboren. Seine Familie bekannte sich in Österreich-Ungarn zum Deutschtum; folglich erhielt er eine deutsche Erziehung und besuchte zuletzt das evangelische Gymnasium in Budapest. Nach der Schule zwang ihn sein Vater zunächst zu einer Banklehre – diese und die Zeit danach als Bankkaufmann bezeichnete er als seine sechs verlorenen Jahre.
1890 aber hatte er schon zu schreiben begonnen, kleine Erzählungen, und Kontakt zur Sozialdemokratie aufgenommen. 1894 in Paris machte er Bekanntschaft mit literarischen Anarchisten und begann als freier Schriftsteller. 1897 war er in München einen Sommer lang Redakteur beim Simplicissimus. Danach reiste er durch halb Europa und hörte in Brüssel und Heidelberg Vorlesungen über Philosophie und Kunstgeschichte.
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Von 1900 bis 1905 lebte er ganz in München, gehörte dort zur Bohème und hatte enge Kontakte zu Wedekind oder Wassermann. Auch Thomas Mann lernte er dort näher kennen, der ihn als Vorbild des Detlev Spinell in seiner Tristan-Novelle darstellte.
1907 ging er nach Berlin und wurde Lektor im Verlag von Bruno Cassirer. 1911 unternahm er eine ausgedehnte Reise nach Kanada und in die USA. Das Ergebnis war sein erster großer Reisebericht „Amerika heute und morgen“. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war er in London, wurde aus England abgeschoben und wird Mitarbeiter des Berliner Tageblatts und der Aktion. Gegen Kriegsende wurde er Korrespondent der Wiener Neuen Freien Presse und nahm in dieser Funktion am Weltkongress der II. Internationale in Stockholm teil. Durch den Krieg und die Oktoberevolution in Russland wurde er zum Pazifisten und engagierte sich in deren Verbünden.
Während der deutschen Novemberrevolution wird er Beauftragter des Arbeiter- und Soldatenrats in Berlin und gründet zwei Jahre später, im Jahr 1919, zusammen mit Piscator und anderen das „Proletarische Theater“. Und agitiert für die junge Sowjetrepublik, weil die seine sozialistischen Hoffnungen stützt. Das ändert sich, als er ab 1920 Russland im Auftrag des United Telegraph bereist. 1922 veröffentlicht er seine nächste große Reportage „Stromab die Hungerwolga“, in der er die dort vom Hunger bedrohte Bevölkerung beschreibt.
In diesen Jahren bleibt er zwar Sympathisant der Sowjetunion, behält aber immer seinen offenen Blick für die sozialen Realitäten dort und wird nie KPD-Mitglied. Dieser klare Blick zeichnet auch sein Reisereportagen in den folgenden Jahren aus: 1921 nach Palästina; in den folgenden Jahren nach Frankreich und England; 1926 nach Indien, China und Japan; 1927 durch Südwesteuropa und 1929 zum zweiten Mal nach Amerika.
Politisch bleibt er Pazifist und den sozialistischen Ideen verbunden, auch in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Schon darum muss er nach Hitlers Machtergreifung Deutschland verlassen; die meisten seiner Bücher wurden verboten. Er emigriert in die Schweiz und arbeitet von dort publizistisch für die Emigrantenpresse. Aber seine letzten Lebensjahre in Ascona sind voll bedrückender Armut. Arthur Holitscher starb am 14. Oktober 1941 einsam in einem Haus der Heilsarmee in Genf. Die Rede an seinem Grab hielt Robert Musil.
(hhb)