Rudolf Kalmar junior

Der österreichische Journalist und Schriftsteller Rudolf Kalmar vertrat vor dem Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland einen klaren österreichischen Kurs und lehnte den Nationalsozialismus ab. Darum wurde er ins KZ Dachau eingeliefert. Nach dem Krieg verfasste er sein viel beachtetes Buch über das Leben im KZ „Zeit ohne Gnade“. Er war Chefredakteur des Neuen Österreich und bedeutender Mitarbeiter des Österreichischen Rundfunks.

Rudolf Kalmar wurde am 18. September 1900 als Sohn des gleichnamigen Journalisten in Wien geboren. Er besuchte das neusprachliche Stiftsgymnasium Seitenstetten und studierte anschließend Rechts- und Staatswissenschaften an der Wiener Universität, wo er 1927 zum Dr. rer. pol. promoviert wurde. Schon während seines Studiums schrieb er Lokalberichte und Kunstbeiträge für das Deutsche Volksblatt, das sein Vater als Chefredakteur leitete.

Nachdem der Wiener Tag 1922 gegründet worden war, begann Kalmar zunächst für den Lokalteil dieses Blattes zu arbeiten. Ab 1934 wurde er neben Vinzenz Ludwig Ostry, dem politischen Chefredakteur des Wiener Tags, Chefredakteur für die nicht politischen Ressorts – und das auch für das Montagsblatt Der Morgen und das ihm angegliederte Zehngroschenblatt am Montag. Alle diese Blätter vertraten einen österreichischen Kurs und lehnten den Nationalsozialismus entschieden ab. Kalmar schrieb seine wöchentliche Kolumne „Sozialpolitik des Tages“ und setzte sich darin besonders für die Rechte des „kleinen Mannes“ ein.

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Was dazu führte, dass auch Kalmar bald nach dem Anschluss am 17. März 1938 festgenommen wurde, zunächst wohl ins KZ Flossenbürg kam und später ins KZ Dachau überstellt wurde. Dort wurde er Mitglied einer Widerstandsgruppe, in der er zur Unterhaltung der Inhaftierten eine vordergründige Ritterposse verfasste. „Die Blutnacht auf dem Schreckenstein“ – eine allerdings gut getarnte ► Persiflage auf Adolf Hitler.

Sie hatte dort am 13. Juni 1943 auf dem Appellplatz des KZ Premiere vor KZ-Häftlingen und ihren SS-Wachen und wurde sechsmal wiederholt. Regisseur und Star dieser immerhin sechs Aufführungen auf dem kleinen Appellplatz des KZ war der ebenfalls einsitzende Schauspieler und Kabarettist Erwin Geschonneck, der sich am Ausbau kultureller Aktivitäten im Lager beteiligte.

Im November 1944 wurde Rudolf Kalmar entlassen und zu einer Strafeinheit der Wehrmacht an die russische Front versetzt. Eigentlich ein Todeskommando, das er aber überlebte und von sowjetischen Truppen gefangen genommen wurde.

Nachdem er im September 1945 aus der Gefangenschaft zurückgekehrt war, verarbeitete er seine KZ-Erfahrungen zu dem ersten Bericht eines KZ-Überlebenden in Österreich. Dieser erschien 1946 unter dem Titel „Zeit ohne Gnade“ und hatte große Resonanz, auch in vielen Medien wie in Der Aufbau oder in der Austro-American Tribune.

1949 schrieb er – gegen das Vergessen und Verdrängen der NS-Gräuel in jener „Zeit ohne Gnade“ gerade in Österreich – in der Zeitung Neues Österreich diesen Aufruf:

„Um die Erinnerung an das ungeheuerliche Geschehen von Mauthausen wachzuhalten, damit sie als warnendes Licht über der österreichischen Zukunft stehe, schlagen wir vor: Grabt einen aus, irgendeinen von den Hunderttausenden, die durch die Tötungsmühlen gingen, und bestattet ihn feierlich hier, inmitten der Stadt. Auf dem Stephansplatz, vor der Karlskirche, vor St. Peter am Graben. Zündet über seinen gemarterten Gebeinen das ewige Feuer an und verkündet denen, die vorübergehen werden, weil sie vorübergehen müssen, dass hier eines der Opfer der Sünde gegen den Geist der Freiheit liegt.“

Kalmar war da in die Redaktion des Neuen Österreichs eingetreten und wurde von 1947 bis 1956 deren Lokalchef und Chefredakteur. Daneben verfasste er als Mitarbeiter des Österreichischen Rundfunks Manuskripte für seine Hörfunkreihe „Eine Woche Österreich“ oder den „Kulturbericht“ sowie für die Fernsehreihe „Der Fenstergucker“. Von 1957 bis 1960 arbeitete Kalmar dann für Die Presse und wurde ab 1960 Leiter des Literarischen Büros der Bundestheaterverwaltung.

Wegen seiner Verdienste um den Journalismus war er 1958 zum Präsidenten des Österreichischen Presseclubs Concordia gewählt worden, dessen Vizepräsident er schon in den Jahren vor 1938 war. Er wurde mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet, erhielt den Preis für Publizistik der Stadt Wien und das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Rudolf Kalmar jun. starb am 18. Januar 1974 im Alter von 73 Jahren in Wien und wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben.

(hhb)

 

Quellen

Rudolf Kalmar junior / Wien Geschichte wiki

Kalmar, Rudolf – Biographie / Universität Klagenfurt

Gespenst vom Dach – im KZ Dachau haben Häftlinge eine Satire auf Adolf Hitler aufgeführt / SPIEGEL 24/1985 vom 9.6.1985

 

Bücher

Rudolf Kalmar: Die Blutnacht auf dem Schreckenstein oder Ritter Adolars Brautfahrt und ihr grausiges Ende oder Die wahre Liebe ist das nicht. Ein komisch-schauriges Ritterstück in drei Aufzügen / Manuskript Dachau 1943

Rudolf Kalmar: Zeit ohne Gnade / Schönbrunn-Verlag Wien 1946 – Neuauflage 2009