Hellmuth Karasek

Hellmuth Karasek war ein großer Feuilletonredakteur, ein geistvoller Autor und Kritiker sowie ein amüsanter Erzähler – ein Publizist, der sich in allen Medien zuhause fühlte.

Hellmuth Karasek wurde am 4. Januar 1934 im mährischen Brünn geboren und wuchs in Schlesien auf, wo er kurzzeitig eine Napola Nationalpolitische Erziehungsanstalt besuchen musste. Vor der Roten Armee floh seine Familie 1944 aus Schlesien nach Sachsen-Anhalt, nach Bernburg an der Saale – dort besuchte er ab 1948 die Oberschule und machte 1952 sein Abitur als bester Schüler. Das war zur Zeit des auch in der DDR aufgekommenen Stalinismus mit all seinen Einschränkungen für die Bewohner, was schließlich dazu führte, dass Karasek in die Bundesrepublik „rübermachte“, wie das damals hieß.

In Tübingen studierte er Germanistik, Geschichtswissenschaft und Anglistik und wurde dort auch promoviert. Diese Zeit beschrieb Karasek später in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa so: „Ich habe in zwei Diktaturen gelebt. Die erste habe ich gemocht und erst später gemerkt, dass das ein Schweineregime war. Die zweite habe ich von Anfang an gehasst.“

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Nach dem Studium war Karasek kurzzeitig Eleve bei der Süddeutschen Zeitung und arbeitete dann ab 1959 neun Monate als Junglehrer in Ebersberg, wo er Deutsch unterrichtete. Am 1. Oktober 1959 startete Karasek dann seine Journalistenlaufbahn im Feuilleton der Stuttgarter Zeitung. Zwischendurch arbeitete er ein Jahr als Chefdramaturg am Württembergischen Staatstheater in Stuttgart.

1967 zog er nach Hamburg und wurde dort Literatur- und Theaterkritiker bei der ZEIT. Anschließend leitete er länger als zwanzig Jahre, von 1974 bis 1996, das Kulturressort des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL. Beim SPIEGEL setzte er die Nennung der Autorennamen unter ihren jeweiligen Beiträgen durch – das war bis dato allein ► Rudolf Augstein vorbehalten. Zum Weggang kam es 1997, als seine Kritik über den Film „Rossini“ nicht gedruckt wurde. Über seine Erfahrungen beim SPIEGEL schrieb er 1998 den Schlüsselroman „Das Magazin“.

Von 1988 bis 2001 war Karasek zusammen mit ► Marcel Reich-Ranicki in 77 Folgen fester Bestandteil beim „Literarischen Quartett“ des ZDF, wo die beiden mit weiteren Gästen 375 neu erschienene Bücher besprachen und darüber so genüsslich wie leidenschaftlich miteinander diskutierten.

Von 1997 bis 2004 war er Mitherausgeber beim Berliner Tagesspiegel, verließ das Blatt aber zusammen mit dem Chefredakteur und seinem Herausgeberkollegen Giovanni di Lorenzo, der damals zur ZEIT nach Hamburg wechselte. Karasek dagegen begann ab Oktober 2004 für DIE WELT, die Berliner Morgenpost, das Hamburger Abendblatt und die Welt am Sonntag beim Axel Springer Verlag zu arbeiten.

Er hatte auch keine Probleme, bei der von Günther Jauch moderierten „Die 5-Millionen-SKL-Show“ in RTL aufzutreten, eine Rate-Show, die von der SKL Süddeutsche Klassenlotterie gesponsert wurde. Dort sollte er als prominenter Gast und Joker Fragen beantworten – worauf er nun von Kollegen plötzlich als „Pop-Journalist“ und Mitglied der Unterhaltungskultur angesehen wurde. Sein Kommentar dazu: „Ich kann an solchen Fernsehauftritten nichts Ehrenrühriges finden. Das Fernsehen hat mein Leben am meisten verändert." Und er hatte auch keine Probleme mit dem Internet: Sein letzter Auftritt war eine Buchbesprechung auf YouTube, wo er den IKEA-Katalog in einem Werbevideo gewohnt humorvoll besprach: „Das sei ein möblierter Roman mit zu vielen Bildern“, fand er, „aber ein Buch, das einen anremple.“

Unter dem Pseudonym Daniel Doppler verfasste Karasek drei Komödien: „Die Wachtel“, die 1985 in Osnabrück uraufgeführt wurde; dann „Hitchcock – eine Komödie“ (1988 in Konstanz) und „Innere Sicherheit“ (1990 wieder in Osnabrück).

1974 erhielt Hellmuth Karasek den Theodor-Wolff-Preis, 1991 den Bayerischen Fernsehpreis und 1994 das Große Bundesverdienstkreuz.

1992 wurde Hellmuth Karasek Honorarprofessor am theaterwissenschaftlichen Institut der Universität Hamburg.

Am 29. September 2015 starb Hellmuth Karasek in Hamburg-Harvestehude im Alter von 81 Jahren und wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt.

(hhb)

 

Quellen

Thomas Lückerath: Hellmuth Karasek wechselt zu Springer / Tagesspiegel vom 10.8.2004

Karasek feiert 80. Geburtstag / Deutsche Welle am 3.1.2014

Peter von Becker: Hellmuth Karasek zum 80. – Deutschlands erster Pop-Journalist / Tagesspiegel vom 4.1.2014

David Hugendick: Hellmuth Karasek – Der große Schwärmer / ZEITonline 30.9.2015

Literaturkritiker Hellmuth Karasek ist tot / focus.de am 30.9.2015

Manuel Karasek: Mirabels Entscheidung – ein autobiographischer Roman über die Familie Karasek

 

Bücher und Schriften

Hellmuth Karasek: Bertolt Brecht – Der jüngste Fall eines Theaterklassikers / Kindler 1978

Hellmuth Karasek: Billy Wilder - eine Nahaufnahme / Hoffmann und Campe 1992

Hellmuth Karasek: Go West (über die 50er Jahre) / Hoffmann und Campe 1996

Hellmuth Karasek: Das Magazin (ein Schlüsselroman über den SPIEGEL) / Rowohlt Verlag1998

Hellmuth Karasek: Auf der Flucht – Erinnerungen / Ullstein 2004

Hellmuth Karasek: Süßer Vogel Jugend oder der Abstand wirft längere Schatten / Hoffmann und Campe 2006

Hellmuth Karasek: Soll das ein Witz sein? Humor ist, wenn man trotzdem lacht / Quadriga 2011

Hellmuth Karasek: Auf Reisen. Wie ich mir Deutschland erlesen habe / Hoffmann und Campe 2013

Hellmuth Karasek: Nach dem Krieg – Wie wir Amerikaner wurden / Heyne 2018

 

Komödien

Daniel Doppler: Die Wachtel

Daniel Doppler: Hitchcock – eine Komödie

Daniel Doppler: Innere Sicherheit