Ulrich Kienzle

Ulrich Kienzle war Fernsehjournalist und Moderator mehrerer TV-Magazine. Kienzle galt als Nahost-Experte und hat über die arabischen Länder und ihre Konflikte mit Israel und untereinander detailliert berichtet. Legendär waren seine Interviews mit Muammar al-Gaddafi oder Saddam Hussein.

Ulrich Kienzle wurde am 9. Mai 1936 in Neckargröningen bei Ludwigsburg geboren. Nach dem Abitur studierte er zunächst in München und später in Tübingen Politikwissenschaft, dazu Germanistik und Kunstgeschichte.

1963 begann er seine journalistische Karriere beim SDR Süddeutscher Rundfunk, als Fernsehredakteur der dortigen „Abendschau“. 1967 wechselte er kurzzeitig zum WDR, wo er für die tägliche Magazinsendung „Zum Tage“ arbeitete. Doch schon nach einem knappen Jahr holte ihn der SDR zurück, nun als Chef der „Abendschau Baden-Württemberg“. Beim SDR packte Kienzle auch immer wieder heiße Eisen an, etwa wenn er über giftige Abwässer im Bodensee oder das Fischsterben im Neckar berichtete.

 

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Zusammen mit Dagobert Lindlau/Bayerischer Rundfunk verantwortete er von 1972 bis 1974 das von beiden Sendern gemeinsam ausgestrahlte Auslandsmagazin „Kompass“, für das er 1973 von Kairo aus über den Arabisch-Israelitischen Krieg berichtete.

Von 1974 bis 1980 wurde er als Nachfolger von Gerhard Konzelmann ARD-Auslandskorrespondent für die arabische Welt und berichtete zunächst aus Beirut über den libanesischen Bürgerkrieg. Dann ab 1976 auch aus Kairo. Damals weigerte er sich entschieden, neben seiner journalistischen Tätigkeit auch für den Bundesnachrichtendienst tätig zu werden, der über die Ausbildung von RAF-Terroristen im Libanon genaueres erfahren wollte.  Für Kienzle war eine Vermischung von Journalismus und Geheimdienstarbeit inakzeptabel.

Als ihn die ARD dann nach Pretoria versetzte, weil er die geheime Unterstützung Israels für die Maroniten im Südlibanon enthüllt hatte – was der Bonner Botschafter Israels dem ARD-Intendanten gegenüber als Lüge bezeichnete – erfolgte diese Versetzung ohne weitere Prüfung dieses Vorwurfs. Menachem Begin, damals Regierungschef in Israel, musste ein halbes Jahr später Kienzles Recherchen bestätigen.

Von 1980 bis 1990 war Kienzle Fernseh-Chefredakteur bei Radio Bremen. Dort entwickelte er das Regionalmagazin „buten un binnen“.

Dann wechselte er zum ZDF, als Leiter der Hauptredaktion Außenpolitik und Moderator des „Auslandsjournals“. Ab 1993 übernahm er zusammen mit Bodo Hauser Redaktionsleitung und Moderation des Polit-Magazins „Frontal“. Das Duo interpretierte seine Nachrichten und Informationen aus unterschiedlicher Perspektive: aus CDU-Sicht Bodo Hauser – ein mehr links-liberaler Blick bei Ulrich Kienzle. Die beiden lieferten sich dabei so engagierte wie humorvolle Meinungsduelle: „Noch Fragen, Kienzle?“ und haben mit diesem Magazinformat Fernsehgeschichte geschrieben. Und weil sie zudem die seltsamsten Ticker-Meldungen der Woche im Verlauf ihrer Sendung mit pointierten Anmerkungen einem Reißwolf überantworteten.

Schon 1977 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 1996 erhielt er einen „Bambi“ und im Jahr darauf zusammen mit Bodo Hauser den „Kitzinger Schlappmaulorden“.

Am 16. April 2020 starb Ulrich Kienzle im Alter von 83 Jahren in Wiesbaden.

(hhb)