Für die Einen war er der „Aufklärer der Nation“, der in den 1960er und 1970er Jahren die sexuelle Revolution begleitete. Für andere war Oswalt Kolle ein „Sittenverderber“ – seine Filme wurden von den Zensoren der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) erst nach tagelangen Diskussionen freigegeben. Eher unbekannt ist, dass Kolle eine lange Karriere als Journalist hatte.
Oswalt Kolle wurde am 2. Oktober 1928 als Sohn eines Psychiaters in Kiel geboren. Gegen den Wunsch seines Vaters, er möge doch auch Mediziner werden, absolvierte er zunächst eine Ausbildung in der Landwirtschaft. Bald aber interessierte sich Kolle für den Journalismus und begann ein Volontariat bei der Frankfurter Neuen Presse. Dort machte er sich schnell einen Namen als Filmjournalist und wurde 1951 Lokalchef der Frankfurter Nachtausgabe. Nebenbei arbeitete er noch für die Filmblätter, einem Fachorgan der Deutschen Filmwirtschaft.
1953 wechselte er zur neugegründeten BILD Zeitung und schrieb Klatschgeschichten. Aber: „BILD, das merkte ich schnell, war eher ein Märchenblatt als eine Zeitung“ – worauf er 1955 kurzzeitig zur Film- und Fernsehzeitschrift Star Revue wechselte, die damals dem Spiegel-Verlag gehörte. Da er sich mit Augstein aber nicht so recht verstand, ging er zur BZ Berlin und leitete dann dort von 1955 bis 1959 das Kulturressort.
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In diesen Jahren hatte er sich bereits einen Namen als schillernder Boulevard-Reporter gemacht, der über Stars wie Brigitte Bardot, Hildegard Knef, Romy Schneider oder Curd Jürgens berichtete und dabei auch deren Intimzonen ausleuchtete. So wurde die Illustrierte Quick auf ihn aufmerksam und holte Kolle in ihr Redaktions-Team. Bei der Quick machte er dann die ersten Schritte weg von Yellow-Press-Geschichten hin zur Enttabuisierung von Sex durch Popularisierung der sexuellen Aufklärung.
Im Vorfeld der sexuellen Revolution waren Mitte der 50er Jahre die etwas spröden aber wissenschaftlich fundierten Kinsey-Reports auch in Deutschland erschienen und hatten großes Aufsehen erregt. Oswalt Kolle hatte schon als junger Mann Teile aus den Originalausgaben für seinen Vater übersetzt und sich so erste wissenschaftlich gesicherte Einblicke in diesen Bereich verschafft. Jetzt, zu Beginn der 60er Jahre, wurde Sex plötzlich zu einem wichtigen öffentlichen Thema. Was Kolle auf die Idee brachte, Aufklärungsserien zunächst für die Quick und später auch für die Neue Revue zu schreiben.
1960 erscheint in der Quick Kolles erste Fortsetzungsreihe „Dein Kind, das unbekannte Wesen“. Daraus wurde 1964 sein erstes Buch und 1970 ein Film, in welchem seine gesamte Familie mitspielte. Es folgten „Deine Frau, das unbekannte Wesen“ und „Dein Mann, das unbekannte Wesen“ – zunächst als Fortsetzungen in den Illustrierten, dann als Bücher und schließlich als Filme.
Sein erster Aufklärungsfilm hieß „Das Wunder der Liebe – Sexualität in der Ehe“ und hatte 1968 Premiere in den Kinos. Weitere Filme folgten Schlag auf Schlag zwischen 1968 und 1970. Weltweit sollen 140 Millionen Zuschauer diese Filme allein im Kino gesehen haben. Und mit seiner „Liebesschule“ schuf er noch eine TV-Serie zur sexuellen Aufklärung.
Oswalt Kolle, der bisexuell und in einer offenen Ehe lebte, zog sich 1969 in die als liberaler geltenden Niederlande zurück und nahm auch deren Staatsbürgerschaft an.
Noch bis in die 1990er Jahre war er häufig Gesprächs- oder Diskussionspartner in Fernseh- und Radiosendungen.
Oswalt Kolle starb am 24. September 2010 kurz vor seinem 82. Geburtstag in seiner Wahlheimat Amsterdam.
(hhb)
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