Kurt Korff, ein deutsch-amerikanischer Publizist, entwickelte zusammen mit dem Mediengestalter Kurt Szafranski die BIZ Berliner Illustrirte Zeitung zu einem damals neuartigen Zeitungs-Typ voll großformatiger Fotos und mit vielen Bildreportagen. Korff leitete das Blatt von 1905 bis 1933 als Chefredakteur , das zuletzt eine Auflage von fast zwei Millionen Exemplaren pro Woche erreichte. 1933 verlor er seinen Posten und emigrierte 1935 in die USA.
Kurt Karfunkel wurde am 3. Oktober 1876 in Jägersdorf/Schlesien geboren. Seinen Namen änderte er 1918 in Kurt Korff – also nach dem Ersten Weltkrieg, den er als assimilierter Jude wie viele seiner Glaubensbrüder als deutscher Bürger voller Patriotismus begleitet hatte.
Im Ullstein-Verlag hatte Kurt Karfunkel als Botenjunge begonnen, eine Tätigkeit, durch die er in der Stadt herumkam. So wurde er Gehilfe und erfolgreicher Informant für die Sportredaktion der BIZ und bald Redaktionsassistent. Es war dann Leopold Ullsteins jüngster Sohn Hermann, der den Redaktionsassistenten Karfunkel im Jahr 1905 entdeckte und ihn spontan zum Chefredakteur der BIZ ernannte. Sein Kommentar dazu: „Der größte Erfolg meines Lebens begann an dem Tag, da ich ihn zum Chefredakteur der Berliner Illustrirten machte.“
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Karfunkel machte aus der BIZ kein Blatt allein für die Berliner, als Blattmacher richtete er seinen Blick sofort auf die ganze Welt. Die BIZ bot ihren Lesern nun eine Mischung mit Geschichten aus aller Welt, garniert mit etwas Wissenschaft, Gesellschafts-Klatsch und Sport. Dazu ausführliche Reise-Reportagen getreu der Auffassung des Chefredakteurs, dass exotische Vögel im Urwald mehr interessieren als heimische Lerchen. Und alles durchsetzt mit viel Humor; auch Rätselseiten gehörten dazu. Technische Neuigkeiten wurden sofort vorgestellt, etwa die Welt der Luftfahrt, deren Piloten damals als Helden bewundert wurden. Und für die Leserinnen gab es Anregungen für mehr Lebensfreude, Tipps zur Mode und für ihre Schönheit. Fazit: die BIZ wurde zur Wundertüte mit etwas für jeden!
Nur mit der politischen Berichterstattung hielt man sich zurück: Laut einer Inhaltsanalyse über die Jahre 1925 bis 1928 entfielen gerade einmal sechs Prozent des redaktionellen Angebots auf politische Themen.
Ihr wohl berühmtestes Foto hatte jedenfalls einen politischen Skandal ausgelöst: die Titelseite der Berliner Illustrirten vom 24. August 1919. Mit Reichspräsident Friedrich Ebert und seinem Reichswehrminister Gustav Noske in Badehosen, statt dem angemessen züchtigen Einteiler. Besonders die Monarchisten sollen darüber geschäumt haben: „Das hätte es zu Kaisers Zeiten nicht gegeben!“
Und man druckte spannende Fortsetzungsromane, welche die Leser über Wochen an die BIZ banden. So konnte die Auflage kontinuierlich gesteigert werden: Im Jahr 1900, also in der Zeit vor Karfunkel, verkaufte man um die 100.000 Exemplare; 1910 waren es bereits 500.000; 1914 hatte man die Millionengrenze erreicht. Und 1931 wurden trotz der Weltwirtschaftskrise um die zwei Millionen Hefte verkauft.
Im April 1933 musste Korff aus dem Ullstein-Verlag ausscheiden – ab Juli 1933 wurden dann alle Redaktionsmitarbeiter jüdischen Glaubens entlassen. Der Verlag selbst musste im Jahr darauf verkauft werden. Korff emigrierte in die USA. In New York wurde er zusammen mit seinem alten Partner Szafranski und dem Fotografen Munkacsi als Geburtshelfer für die geplante Zeitschrift Life der Time Inc. tätig. Auf der Basis ihrer erprobten Erfahrungen halfen sie nun dem Bildjournalismus bei der Time Inc. auf die Beine.
Kurt Korff starb am 30. Januar 1938 in New York.
(hhb)
Quellen
Die "Illustrierten" in der Weimarer Republik - Die Berliner Illustrierte Zeitung
Die Dame. Illustrierte Mode-Zeitschrift 1911-1943
LIFE: Leben in der Emigration - Deutsche Fotojournalisten in Amerika
C. Zoe Smith: Germany’s Kurt Korff – An emigre’s influence on early LIFE
Peter de Mendelssohn – Zeitungsstadt Berlin / Ullstein AG Berlin
Berliner Morgenpost: Eine große Geschichte