Karl Korn

Karl Korn wurde am 20. Mai 1908 in Wiesbaden geboren. Er wuchs im Rheingau auf und besuchte in Wiesbaden das humanistische Gymnasium Diltheyschule. Nach dem Abitur studierte er Philologie in Frankfurt, legte dort 1931 das Staatsexamen ab und wurde im Jahr darauf promoviert. Von 1932 bis 1934 wirkte er als Lektor an der Faculté des Lettres im französischen Toulouse.

Zurück in Deutschland arbeitete er ab 1934 beim Berliner Tageblatt und danach bei der Literaturzeitschrift Neue Rundschau. Im Jahr 1940 war er fünf Monate für die populäre Sonntagszeitung Das Reich tätig, die sich mit ihrer journalistischen Qualität vom rüden Stil der übrigen NS-Blätter abhob, aber gleichwohl dem Nationalsozialismus verpflichtet war. Karl Korn musste sich wegen etlicher Texte nach dem Krieg heftige Kritik gefallen lassen, etwa für eine antisemitisch gefärbte Besprechung des Propagandafilms Jud Süß.

1941 wurde Korn zur Wehrmacht einberufen und fand Verwendung in der Berliner Inspektion für Bildung und Heer, wo man sogenannte Tornisterschriften für die Soldaten produzierte. 1945 geriet er in französische Gefangenschaft, aus der er 1946 nach Berlin zurückkehrte, von dort aber 1948 zur Allgemeinen Zeitung nach Mainz wechselte.

 

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Copyright: F.A.Z.-Foto / Wolfgang Haut

Nach Aufhebung des Lizenz-Zwanges gründete er 1949 zusammen mit Hans Baumgarten, Erich Dombrowski, Paul Sethe und Erich Welter die Frankfurter Allgemeine Zeitung und gehörte bis 1973 zum Herausgeberkollegium der FAZ. In der Redaktion war er Leiter des Feuilletons.

Seine angepasste Haltung während des Dritten Reichs wurde ab 1957 von dem österreichischen Publizisten und überzeugten Nationalsozialisten Kurt Ziesel öffentlich gemacht, der damit den angeblichen Verrat einst Gleichgesinnter anprangern wollte. Erst nach mehreren Prozessen konnte Korn die Unterstellung, ein Handlanger des Antisemitismus gewesen zu sein, abwehren. In seiner Autobiographie „Lange Lehrzeit“ vermerkte er dazu: „Wir waren alles andere als Helden. Wir haben gelebt, oft voller Bitterkeit, oft leichtfertig und vergessend, oft gleichgültig und abgestumpft, aber uns doch immer wieder aufraffend.“ Und: „Ich habe mich wie Tausende geduckt und insgeheim gebetet, es möge mich auslassen.“

Karl Korn galt als wertkonservativer, aber für moderne kulturelle wie gesellschaftspolitische Strömungen stets aufgeschlossener Publizist, der den Kulturkonservatismus der 50er Jahre ablehnte und sich engagiert für avantgardistische Künstler und Intellektuelle wie Alfred Andersch, für den jungen Heinrich Böll, für Jürgen Habermas oder Wolfgang Koeppen einsetzte. Und für die anfangs umstrittene Gruppe 47. 1964 verteidigte er Ingmar Bergmans Film Das Schweigen gegen die Kritik allzu prüder Konservativer. Immer wieder setzte er liberale Signale im Feuilleton der als konservativ geltenden FAZ, wie 1952 mit seinem Essay „Zurück zur Kultur?“: „Die faschistische Therapie und auch die Heilungsversuche, die die politischen (!) Konservativen versucht haben, stimmen nicht. Sie haben uns in den Untergang geführt.“ Und kritisiert die „Inflation von Kulturphrasen in einer Welt, deren oberstes Gesetz die Befriedigung von Konsumbedürfnissen ist“.

Besonders engagiert hat er sich für eine Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich eingesetzt.

Karl Korn starb am 10. August 1991 in Bad Homburg/Taunus.

(hhb)

 

Bücher:

Karl Korn: Lange Lehrzeit. Erinnerungen; Societäts-Verlag, 1975