Erich Kuttner

Erich Kuttner war ein deutscher Journalist, Autor, Politiker und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er war SPD-Mitglied und Redakteur bei mehreren der Partei nahestehenden Zeitungen und Zeitschriften. Als engagierter NS-Gegner musste er im Mai 1933 emigrieren, arbeitete dann aber vom Ausland aus weiter als politischer Journalist. 1942 wurde er in Holland von der Gestapo verhaftet und im KZ Mauthausen ermordet.

Kuttner wurde am 27. Mai 1887 in Berlin als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. Ab 1905, gleich nach seinem Abitur am Königlichen Wilhelm-Gymnasium in Berlin Tiergarten, studierte er bis 1909 in Berlin und München Jura. Durch seine Beschäftigung mit den Schriften von Ferdinand Lassalle und Karl Marx entwickelte er sich in diesen Jahren zu einem sozial engagierten Akademiker und schloss sich der linksliberalen Demokratischen Vereinigung von Theodor Barth, Rudolf Breitscheid und Hermann Lüdemann an. Zudem begann er, für mehrere linksorientierte Medien zu schreiben.

Von 1909 bis 1910 war er Rechtsreferendar am Berliner Kammergericht, fand aber zunehmend Gefallen an seiner journalistischen Nebentätigkeit. Darum entschied er sich 1910 – nachdem er bereits mehrmals wegen seiner kritischen Artikel über die Klassenjustiz oder das Vorgehen der Berliner Polizei abgemahnt worden war – das Referendariat zu beenden und hauptberuflich als Journalist zu arbeiten. Zunächst für die sozialdemokratischen Zeitungen Freies Volk und ab 1913 als Leiter des Lokalressorts der Chemnitzer Volksstimme. In Chemnitz heiratete er seine nichtjüdische Frau Frieda.

 

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Copyright: Handbuch für den Preußischen Landtag, Mai 1933; über Museum Lichtenberg im Stadthaus

1915 meldete er sich freiwillig zum Militär und wurde im April 1916 vor Verdun schwer am linken Arm verwundet. Nach mehreren Monaten im Lazarett wurde er aus der Armee entlassen und begann als Redakteur beim Vorwärts. 1917 gründete er den Bund der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten und wurde dessen erster Vorsitzender. Während der Spartakus-Unruhen organisierte Kuttner zum Schutz der Regierung Ebert-Scheidemann das „Regiment Reichstag“ und half so, diesen Aufstand niederzuschlagen. In Notwehr, wie gerichtlich festgestellt wurde, erschoss er dabei einen Spartakuskämpfer – was dazu führte, dass er später von seinen Gegnern immer wieder als „Arbeitermörder“ denunziert wurde.

Von 1921 bis zu dessen Auflösung im Jahr 1933 war Kuttner für den Berliner Wahlkreis 2 Abgeordneter im Preußischen Landtag und gehörte dort zu den besten Rednern der SPD-Fraktion. Zudem galt er als verlässliche Stütze der preußischen Regierung Braun-Severing. Im Landtag gehörte Kuttner ab 1924 dem Untersuchungsausschuss Politische Morde an, der die Ermordung von mehreren Politikern durch rechtsradikale Gruppen aufklären sollte – durch die „Organisation Consul“ und ähnliche konspirative Terrorgruppen.

In den Landtagsdebatten griff er häufig in geschliffener Rede die Abgeordneten der NSDAP und besonders Joseph Goebbels an. Er selber wurde daraufhin „als Judenjunge hemmungslosester Art“ beschimpft, was dazu führte, dass er sich dem Judentum wieder bewusst näherte. Zwar war er bereits im Mai 1911 aus der Jüdischen Gemeinde in Berlin ausgetreten, nun aber unterstützte er als Mitglied im Kreis jüdischer und ehemals jüdischer Sozialdemokraten und jüdischer Frontsoldaten deren Kampf gegen den Antisemitismus.

Parallel zu seiner parlamentarischen Arbeit veröffentlichte Kuttner gelegentlich Beiträge in der Zeitschrift für Literatur und Politik Die Glocke und war von 1924 bis 1927 zudem Chefredakteur des Satireblatts Lachen Links.

Nach der Machtübernahme und der verfassungswidrigen Auflösung des Landtags nahm Kuttner als SPD-Kandidat an den Neuwahlen am 5. März teil und wurde daraufhin kurzzeitig inhaftiert. Am 10. Mai 1933 setzte er sich via Prag in die Niederlande ab, wohin ihm seine Frau kurze Zeit später folgte. Dort arbeitete Kuttner wieder als Journalist und konnte auch seine Propagandatätigkeit gegen das NS-Regime fortsetzen. In Amsterdam gehörte er zu den Gründern einer einflussreichen Oppositionsgruppe innerhalb der SPD – zur RSD Revolutionäre Sozialisten Deutschlands – und trat für eine begrenzte Zusammenarbeit mit der KPD ein. Das war sein Versuch, eine Art Volksfront gegen Hitler aufzubauen – was allerdings zu seiner Enttäuschung von der Exil-SPD abgelehnt wurde.

1936 berichtete Kuttner als Korrespondent aus Spanien für den Radiosender Deutscher Freiheitssender 29,8 über den Bürgerkrieg und wurde dabei als Kriegsreporter im Juli 1937 während der Schlacht von Brunete erneut verwundet. Worauf er nach Amsterdam zurückkehrte und erfuhr, dass man ihn aus Deutschland ausgebürgert hatte.

Nach der Besetzung der Niederlande im Mai 1940 durch die deutschen Truppen versuchte das Ehepaar erfolglos zu fliehen und unternahm einen Suizidversuch, der scheiterte. Also zog man sich zurück und beendete die journalistische Arbeit.

Am 10. April 1942 wurde Erich Kuttner in seiner Amsterdamer Wohnung von der Gestapo verhaftet und zunächst ins Durchgangslager Amersfoort gebracht. Dann Ende September/Anfang Oktober ins KZ Mauthausen überstellt, wo er bereits am 6. Oktober 1942 angeblich „auf der Flucht erschossen“ wurde. Seine Frau starb am 1. Januar 1948 völlig verarmt in den Niederlanden.

(hhb)

Quellen:

Stolpersteine in Berlin

Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Museum Lichtenberg im Stadthaus