Karl Löbl, österreichischer Kulturjournalist und Musikkritiker, war viele Jahre Feuilletonchef und zeitweise Chefredakteur diverser Zeitungen. Ab 1980 arbeitete er als Hauptabteilungsleiter Kultur beim ORF-Fernsehen. Wegen seines unbestechlichen Blicks und seines Wortwitzes wurde er zu einer Kritiker-Legende im traditionellen Musikland Österreich.
Karl Löbl wurde am 24. Mai 1930 in Wien geboren, als Sohn einer katholischen Familie mit jüdischen Wurzeln. Darum freute sich die Familie, als er Mitglied im Deutschen Jungvolk werden konnte und ein Braunhemd tragen durfte, weil auch das half, die jüdische Abstammung der väterlichen Familie zu kaschieren.
Seine Opernbegeisterung entstand im November 1943, als er von einem Stehplatz aus in der Staatsoper den Troubadour hörte. Folglich studierte er nach seiner Matura Musik- und Theaterwissenschaften und belegte ein Seminar für Musikkritik. Ab 1950 arbeitete er als Musikkritiker bei der Tageszeitung Weltpresse, die damals von der britischen Besatzungsmacht herausgegeben wurde. Ab 1952 gestaltete er außerdem Hörfunk-Beiträge für den noch von den Amerikanern geleiteten Sender Rot-Weiß-Rot, der kurz darauf Radio Wien wurde und dann ab 1954 in Österreichischer Rundfunk umbenannt wurde.
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Ab 1954 konzentrierte er sich auf die Print-Medien und arbeitete 26 Jahre lang als Kulturchef bei großen Tageszeitungen wie Bild-Telegraf – später Express – und war zuletzt sogar von 1975 bis 1979 Chefredakteur beim Neuer Kurier. Weithin bekannt wurde Löbl schon 1956 durch ein Interview mit Karl Böhm, der seit 1954 Wiener Staatsoperndirektor war. Den fragte der 25jährige Löbl kess nach seinen weiteren Plänen. Böhm, der gerade von einer Gastspielreise aus den USA zurückgekehrt war, ließ sich zu der Aussage hinreißen, dass er nicht daran denke, seine internationale Karriere der Wiener Staatsoper zu opfern. Ein Statement, das hohe Wellen schlug und zum Direktorenwechsel führte: von Karl Böhm zu Herbert von Karajan.
1980 kehrte Karl Löbl ganz zum öffentlich-rechtlichen ORF zurück, nun als Hauptabteilungsleiter Kultur beim Österreichischen Fernsehen. Dort führte er die aktuelle TV-Nachtkritik ein: „Nach der Premiere“, die 700mal unmittelbar nach der Vorstellung noch aus dem Zuschauerraum gesendet wurde, mit Löbls ► Live-Kommentaren vom Balkon herab, immer ein kritischer Rückblick auf die jeweilige Vorstellung des Abends.
Auch der bereits 1968 von ihm gestarteten sonntäglichen Hörfunksendung „Lieben Sie Klassik“ blieb er als Moderator bis 1996 treu.
Nach seiner Pensionierung als Kulturchef im Jahr 1995 moderierte er bis 2003 den „Klassik-Treffpunkt“ beim ORF-Hörfunksender Österreich 1 und übernahm dann für den verstorbenen Marcel Prawy die Leitung und Moderation der Matineen „Vor der Premiere“ in der Wiener Staatsoper. Und veröffentlichte weiterhin Essays und Kritiken im Kurier, Österreich oder Die Bühne.
2012, nach dem Tod seiner geliebten Frau Hermi, folgte er einer Idee der Verlegerin Maria Seifert, die angeregt hatte, er möge doch als einstiger Star der Kulturmedien einmal Rückschau auf sein Leben und auf seine Arbeit halten. „Ich habe ein Leben lang nicht so viel über mich nachgedacht wie nach dem Tod meiner Frau und während jenes herbstlichen Dialogs, der Basis dieses Buchs ist.“ So entstand sein Buch „Der Balkonlöwe“ – ein Titel, den ihm einst die Zeitschrift Profil in einem Artikel über ihn verpasst hatte.
1976 war Löbl mit dem Dr. Karl Renner Publizistikpreis des Österreichischen Journalisten Clubs ausgezeichnet worden und erhielt 1995 die Nicolai-Medaille der Wiener Philharmoniker in Gold.
Karl Löbl starb am 27. Januar 2014 nach einem schweren Krebsleiden im Alter von 83 Jahren in Wien, wo er auf dem Zentralfriedhof begraben wurde.
(hhb)
Quellen
Renate Wagner: Karl Löbl – Der Balkonlöwe / Merker die internationale Kulturplattform 29.12.2013
Andrea Schurian: Opern- und Theaterkritiker Karl Löbl gestorben / Der Standard 28.1.2014
Bücher
Karl Löbl: Das Wunder Karajan / 1965
Karl Löbl: Der Balkonlöwe – 60 Jahre mit Prominenten aus der Oper, Theater und Fernsehen / Seifert Verlag 2013
Karl Löbl: Nach den Premieren. Mein Leben in und mit der Oper / Seifert Verlag 2013