Wilhelm Liebknecht gehörte zu den Gründervätern der Sozialdemokratischen Partei in Deutschland. Er war ein Vorkämpfer in der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung, für die er sich als Revolutionär, aber auch als Journalist und Redakteur eingesetzt hat. 1869 gründete er dann zusammen mit August Bebel die SAP Sozialdemokratische Arbeiterpartei, aus der später die SPD hervorging.
Wilhelm Philipp Martin Christian Ludwig Liebknecht wurde am 29. März 1826 in Gießen geboren. Nach dem frühen Tod seiner Eltern wuchs er zunächst bei seiner Großmutter und später bei Freunden der Familie auf. Er besuchte das Gymnasium in Gießen und studierte zwischen 1843 und 1847 in Gießen, Marburg und Berlin verschiedene Geisteswissenschaften. Neben diesem Studium erlernte er noch zwei Handwerks-Berufe, Zimmermann und Büchsenmacher – gedacht als Vorbereitung auf eine geplante Auswanderung nach Amerika.
Doch in dieser Zeit des Vormärz war er mit der studentischen Bewegung in Verbindung gekommen, die sich für Demokratie und eine nationale Einigung in Deutschland einsetzte sowie gegen die Restaurationspolitik von Metternich eintrat. Dadurch geriet Liebknecht immer wieder in Konflikt mit den Obrigkeiten, vor allem ab 1846 als Studentenführer in Gießen und Marburg.
Ab 1847 arbeitete er kurzzeitig als Lehrer an der Schule des Reformpädagogen Fröbel in Zürich und als Korrespondent der Mannheimer Abendzeitung, für die er unter anderem über einen Kantonalkrieg in der Schweiz berichtete.
1848 war er an den revolutionären Kämpfen in Paris beteiligt und anschließend an der Revolution in Baden, weswegen er für sieben Monate in Haft genommen wurde. Anschließend ging Liebknecht zurück in die Schweiz und engagierte sich in Genf im dortigen Arbeiterverein. Was nun auch dort zur Ausweisung führte und zu seiner Flucht ins Exil nach London. Dort blieb er von 1850 bis 1862 und wurde zu einem engen Vertrauten von ► Karl Marx und Friedrich Engels. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Privatlehrer und Zeitungskorrespondent.
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Nach der Amnestie für Teilnehmer an der 48er-Revolution kehrte Liebknecht 1862 nach Deutschland zurück, wurde Mitglied im ADAV, dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein von Ferdinand Lassalle und ab 1864 Redakteur bei dessen Zentralorgan Der Social-Demokrat. Als er erkannte, dass sich das Blatt zunehmend in den Dienst der Preußischen Regierung stellte, kritisierte er diese Entwicklung scharf und wurde daraufhin aus dem ADAV ausgeschlossen. Auch seine Mitarbeit an der Deutschen Allgemeinen Zeitung stellte er ein, als deutlich wurde, dass die Zeitung ein nationalliberales konservatives Profil entwickelte und zunehmend preußenfreundlicher berichtete. Daraufhin wurde er aus Berlin und dem preußischen Staatsgebiet ausgewiesen. Er ging nach Leipzig, wo er 1866 zu den Gründern der Sächsischen Volkspartei gehörte, einem demokratischen Sammelbecken gegen Bismarcks kleindeutsche Politik. Für sie zog er 1867 als Abgeordneter in den Norddeutschen Reichstag ein. 1868 erschien unter seiner Leitung das Demokratische Wochenblatt, das zur Konsolidierung der Arbeitervereine beitragen sollte.
Folgerichtig gründete er 1869 zusammen mit August Bebel in Eisenach die SDAP Sozialdemokratische Arbeiterpartei und wurde Chefredakteur ihres Zentralorgans Der Volksstaat.
Aber weil sie 1871 einen gerechten Frieden mit der französischen Republik ohne Annexionen gefordert und sich nach der Ausrufung der Pariser Kommune mit dieser solidarisiert hatten, wurden Liebknecht und Bebel im Jahr darauf im „Leipziger Hochverratsprozess“ zu jeweils zwei Jahren Festungshaft verurteilt.
1874 wählte man ihn dann als Abgeordneter der SAP eines sächsischen Wahlkreises in den Deutschen Reichstag.
Im Jahr darauf gehörte er in Gotha zu den Fürsprechern des Zusammenschlusses von SDAP und ADAV zur SAP Sozialistische Arbeiterpartei. So wollte man dem Druck auf die beiden sozialdemokratischen Parteien und auf die gesamte Arbeiterbewegung entgegentreten, einem Druck, der seit der Reichsgründung von 1871 kontinuierlich zugenommen hatte.
Nach diesem Vereinigungsparteitag in Gotha wollte die Sozialdemokratie jetzt nur noch mit einer Stimme sprechen – darum wurden die bisher miteinander konkurrierenden Blätter Der Volksstaat und Neuer Social-Demokrat durch den Vorwärts – Central-Organ der Sozialdemokratie Deutschlands ersetzt, der ab dem 1. Oktober 1876 dreimal pro Woche erschien. Die redaktionelle Leitung übernahm eine Doppelspitze aus Wilhelm Liebknecht und dem Lassalleaner Wilhelm Hasenclever. Liebknecht verstärkte zudem sein Engagement beim weiteren Ausbau eines Systems zur Arbeiterbildung – mit Volksmuseen, Volksbüchereien und Volkstheater. Sein Bildungsappell dafür lautete: „Wissen ist Macht – Macht ist Wissen“ und „Die Sozialdemokratie ist im eminentesten Sinne die Partei der Bildung.“
Doch dann verabschiedete der Reichstag auf Druck von Bismarck 1878 das Sozialistengesetz, das sozialdemokratische und gewerkschaftliche Organisationen sowie deren Versammlungen, Zeitungen und Zeitschriften bis 1890 verbot (siehe Reichs-Gesetzblatt Nr. 34 vom 22. Oktober 1878).
So musste auch der Vorwärts sein Erscheinen ab dem 26. Oktober 1878 einstellen, erschien aber illegal als Der Sozialdemokrat-Internationales Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge weiter in Zürich. Aus verfassungsrechtlichen Gründen durften Sozialdemokraten jedoch weiterhin an den Landtags- und Reichstagswahlen teilnehmen.
Liebknecht blieb Reichstagsabgeordneter und kritisierte dort 1885 zum Beispiel die deutsche Kolonialpolitik: „Einzelne Individuen werden durch die Kolonialpolitik bereichert, aber auf Kosten des Volkes."
Bismarcks Sozialistenverbote hatten den Aufstieg der Sozialdemokratie keinesfalls stoppen können. Nach Aufhebung des Sozialistengesetzes durch Wilhelm II. nannte sich die SAP erneut um und wurde als SPD zu einer Massenorganisation. Und auch der Vorwärts durfte ab Januar 1891 erneut erscheinen, nun als Tageszeitung mit dem Titel Vorwärts – Berliner Volkszeitung. Wilhelm Liebknecht wurde ihr Chefredakteur und blieb das bis zu seinem Tod.
Wilhelm Liebknecht starb am 7. August 1900 in Berlin-Charlottenburg und wurde auf dem auch als Arbeiterfriedhof bezeichneten Armenfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde beigesetzt. 150.000 Menschen gaben ihm das letzte Geleit. Sein zweitgeborener Sohn Karl trat sein politisches Erbe an.
(hhb)
Quellen
Andreas Michaelis: Wilhelm Liebknecht / Deutsches Historisches Museum LEMO
Liebknecht, Wilhelm / Hessische Biographie
Wolfgang Schröder: Wilhelm Liebknecht / Sächsische Biographie
Wilhelm Liebknecht – Aufstieg durch Bildung / Friedrich Ebert Stiftung
Liebknecht, Wilhelm / dasrotewien.at
Sozialdemokratie in Deutschland / Google Arts & Culture
Horst Heimann: Wilhelm Liebknecht – Vordenker der Sozialdemokratie / vorwärts 3.5.2006
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Untrennbarkeit von Sozialismus und Demokratie – Vortrag von 1869