Lothar Loewe wurde am 9. Februar 1929 in Berlin geboren, verbrachte seine Kindheit und Jugend allerdings in Landsberg an der Warthe. Die Schlacht um Berlin erlebte er als Hitlerjunge.
Seine journalistische Laufbahn begann in Westberlin. In Der Abend schrieb er über den Arbeiteraufstand des 17. Juni 1953 in Ost-Berlin. 1956 war er einer der wenigen Reporter, die direkt aus Ungarn über den dortigen Volksaufstand und dessen Niederschlagung berichteten.
Danach wechselte zum Fernsehen und veröffentlichte als ARD-Korrespondent in Washington Einzelheiten über die Kubakrise, die Ermordung von Präsident Kennedy und ab 1961 über Reaktionen der USA zum Mauerbau in Berlin.
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Von 1967 bis 1970 war Loewe der ARD-Korrespondent in Moskau und ab Ende 1974 erster ARD-Fernsehkorrespondent in Ost-Berlin. Dort machte er sich bald unbeliebt, weil er sich weder durch die Journalisten-Verordnung für ausländische Medienvertreter bevormunden noch durch die Stasi einschüchtern ließ. Er sendete stets das, was sich ereignet hatte und was er gesehen oder erlebt hatte. So berichtete er sehr zum Missfallen des Ministeriums für Staatssicherheit im Sommer 1976 über eine Bürgerrechtsbewegung in Riesa. Und im August 1976 wurde die Selbstverbrennung des Pfarrers Oskar Brüsewitz im sachsen-anhaltischen Zeitz durch ihn auch in der DDR bekannt. Im November sorgte sein Interview mit dem Regime-Kritiker Robert Havemann für helle Aufregung im SED-Politbüro. Und als Loewe im 21. Dezember 1976 in der Tagesschau diesen Kommentar sprach - „Hier in der DDR weiß jedes Kind, dass die Grenztruppen den strikten Befehl haben, auf Menschen wie auf Hasen zu schießen“ – musste er die DDR binnen 48 Stunden verlassen, weil die DDR-Führung dies „als grobe Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten“ wertete. Loewe räumte ein, er hätte seinen Hasen-Kommentar wohl geschickter und präziser kommentieren können - aber so war er nun mal mit seiner typisch Berliner Schnauze.
Er kehrte er nach Washington zurück und arbeitete dort als ARD-Sonderkorrespondent für Tagesschau und Weltspiegel.
Zwischen 1983 und 1986 war Loewe dann Intendant beim Sender Freies Berlin (SFB), den er nach eigenen Worten aus seiner öffentlich-rechtlichen Behäbigkeit, von den Verkrustungen und seinen eingeschlafenen Füßen befreien wollte. Mit seinen Temperamentsausbrüchen und Äußerungen wie „Scheißsendung, gequirlte Kacke oder Scheißmoderator“ machte sich der hemdsärmelige Vollblutjournalist bei den Mitarbeitern unbeliebt und angreifbar. Letztendlich behagte ihm auch sein Schreibtischjob in der Chefetage des SFB nicht sonderlich, und so kam er einer Abwahl oder seiner Abberufung durch den Rundfunkrat mit seinem Rücktritt zuvor.
Nach der Wende betreute er ab 1992 den ehemaligen Ost-Berliner Deutschlandsender Kultur, aus dem 1994 das Deutschlandradio wurde. Gelegentlich arbeitete Loewe noch als Kolumnist für die Bildzeitung.
Lothar Loewe – „das journalistische Urgestein Berliner Machart“, so der Tagesspiegel - starb am 23. August 2010 im Alter von 81 Jahren in Berlin an einem Herzinfarkt. Die RBB-Intendantin Dagmar Reim in ihrem Nachruf: „Er war und blieb immer Reporter. Sobald die Aktualität rief, war er da“.
(hhb)
Nachruf in WELT: Lothar Loewe, Chronist des Kalten Krieges
Bundesarchiv: Ein unbequemer Augenzeuge: DDR-Korrespondent Lothar Loewe
rbb: Ausweisung von Wolfgang Biermann und Lothar Loewe