Rosa Luxemburg wurde nach eigener Angabe am 5. März 1871 als Rozalia Luksenburg in Zamosc geboren. Also im Königreich Polen, in dem Teil, der damals unter russischer Kontrolle stand und als „Weichselland“ bezeichnet wurde. Sie war das jüngste Kind eines jüdischen Holzhändlers und der aus der Rabbiner-Familie Löwenstein stammenden Mutter. Ihre gebildeten Eltern gehörten jedoch keiner Religionsgemeinschaft oder politischen Partei an.
Tochter Rosa erhielt eine umfassende humanistische Bildung und beherrschte neben Polnisch, Deutsch und Russisch auch Latein und Griechisch. Später lernte sie noch Französisch und Englisch sowie ein wenig Italienisch.
1873 war die Familie nach Warschau gezogen – dort wurde Rosa wegen angeblicher Tuberkulose falsch behandelt. Dadurch wurde ihre Hüfte deformiert mit der Folge, dass sie lebenslang leicht hinken musste. Ab 1884 besuchte Rosa das „Zweite Frauengymnasium“ in Warschau, in dem nur Russisch gesprochen werden durfte. Darum trat sie einem illegalen Fortbildungskreis bei und kam so in Kontakt mit anti-zaristischen und marxistisch eingestellten Personen. Ihr Abitur bestand sie mit der Bestnote „ausgezeichnet“ – die ihr zustehende Goldmedaille aber wurde ihr nicht überreicht, wegen „oppositioneller Haltung gegenüber Behörden“. Im Dezember 1888 floh sie vor der Zarenpolizei in die Schweiz.
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Dort studierte sie an der Universität Zürich zunächst Philosophie, Mathematik, Zoologie und Botanik, wechselte aber bald in die juristische Fakultät und belegte zudem Staatswissenschaften, Volkswirtschaft und Geschichtswissenschaften. In Zürich lebten seinerzeit viele verfolgte Sozialisten und Emigranten, die aus dem Exil am Sturz ihrer Heimatregierungen arbeiteten. So bekam sie Kontakt zur SPD und lernte den Marxisten Leo Jogiches kennen, mit dem sie eine lebenslange Freundschaft verband. Beide gehörten zu den Gründern der Pariser Exilzeitung „Sprawa Robotnicza“ (Arbeitersache) und warben darin für ein Zusammengehen der polnischen, russischen, deutschen und österreichischen Arbeiterschaft. Ihr Credo: Nur gemeinsam könne man den Zarismus und die Monarchien im übrigen Europa stürzen.
Rosa Luxemburg arbeitete als Zeitungsredakteurin für die „Arbeitersache“ bis zu deren Einstellung in 1896 und wandte sich in zahlreichen Artikeln gegen den Nationalismus, den sie für „eine Ausflucht des Bürgertums“ hielt. Sie forderte mehr internationale Zusammenarbeit des Proletariats und vertrat diese Haltung auch in sozialdemokratischen Blättern wie „Vorwärts“ oder „Neue Zeit“. Und schrieb nach 1896 regelmäßig für die „Sächsische Arbeiterzeitung“. 1897 promovierte sie über das Thema „Polens industrielle Entwicklung“ mit dem Prädikat magna cum laude.
1898 zog sie nach Berlin, erwarb durch Heirat die deutsche Staatsbürgerschaft und wurde SPD-Mitglied. Für kurze Zeit übernahm sie die Chefredaktion der „Sächsischen Arbeiterzeitung“ in Dresden und mischte sich von dort in parteiinterne Diskussionen ein, aus Sicht des linken Parteiflügels. Daraus entstandene Streitigkeiten über die Rechte einer Chefredakteurin führten bald zu ihrem Rücktritt. Daraufhin schrieb sie von Berlin aus regelmäßig für sozialdemokratische Zeitungen wie der „Leipziger Volkszeitung“ Artikel über die wirtschaftliche Lage in aller Welt. Und freundete sich mit Clara Zetkin an, die in der SPD die Frauenbewegung vertrat.
1904 wurde sie zum ersten Mal wegen Majestätsbeleidigung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Sie hatte es gewagt, Wilhelm II. in einer Wahlkampfrede zu widersprechen: „Der Mann, der von der guten und gesicherten Existenz der deutschen Arbeiter spricht, hat keine Ahnung von den Tatsachen.“ 1906 folgte eine Verurteilung wegen „Anreizung zum Klassenhass“ und als sie 1914 dazu aufrief, den Kriegsdienst zu verweigern, wurde sie wegen „öffentlichen Ungehorsams“ angeklagt und für ein Jahr eingebuchtet. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde sie wegen ihrer antimilitaristischen Positionen, die sie innerhalb der SPD vertrat, erneut für mehrere Jahre unter Strafe bzw. in Schutzhaft gestellt. Konnte aber immer wieder Zeitungsartikel aus dem Gefängnis schmuggeln. Im November 1918, zu Beginn der Novemberrevolution, kam sie aus dem Gefängnis frei. Sie gründete mit Karl Liebknecht den Spartakusbund und schrieb sofort für die Zeitung „Rote Fahne“.
Vor und während des Ersten Weltkriegs galt sie besonders für die Kriegstreiber als scharfzüngige Gegnerin. Zu Beginn der Weimarer Republik trennte sie sich endgültig von den Sozialdemokraten wegen deren Pakt mit den Mächten von gestern, etwa der Reichswehr, und gründete mit Karl Liebknecht den Spartakusbund, einen Vorläufer der KPD.
Durch den Spartakusaufstand im Januar 1919 wurde sie endgültig zum Regierungsfeind – obwohl sie sich daran gar nicht beteiligt hatte. Zusammen mit Karl Liebknecht wurde sie am 15. Januar 1919 ermordet. Die Tote warf man in den Berliner Landwehr-Kanal. Der Leichnam wurde erst nach vier Monaten gefunden und auf dem Friedhof in Friedrichsfelde unter großer Anteilnahme beerdigt.
Doch selbst nach ihrem Tode blieb Rosa Luxemburg eine umstrittene, weil lange Zeit unverstandene Politikerin. Sogar für die SED-Parteiführung der DDR war Rosa Luxemburg umstritten, ja galt als gefährlich. Denn für sie sollte der Sozialismus aus gemeinsamem Handeln der arbeitenden Massen entstehen und nicht durch Richtlinien von wenigen Parteioberen. In der Sowjetunion waren unter der Herrschaft Stalins alle selbständig Denkenden ausgeschaltet. Rosa Luxemburg hatte schon in ihrem Essay über die „Russische Revolution“ gegen Lenins und Trotzkis Terrorpraxis geschrieben:
„Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit.
Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.
Nicht wegen des Fanatismus der »Gerechtigkeit«, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die »Freiheit« zum Privilegium wird.“
Sie war keine ideologisch verblendete Marxistin, sondern eher die Vordenkerin für einen von den Massen demokratisch getragenen Sozialismus. Den es aber in der DDR mit der von der SED gelenkten „Diktatur des Proletariats“ zu keiner Zeit gab. Darum durfte obiger Text über die „Russische Revolution“ dort auch erst 1971 erscheinen.
Und in der Bundesrepublik legte man sie einfach in der Schublade „Kommunismus/Bolschewismus“ ab. Das Mordkommando von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht unter Führung des damaligen Hauptmanns Waldemar Pabst wurde in der Bundesrepublik entlastet. In einem offiziellen Regierungs-Bulletin vom 8. Februar 1962 wurden die Morde als „standesrechtliche Erschießungen“ bezeichnet. Die Täter konnten so hier ungestört leben (siehe auch SPIEGEL Nr. 16 vom 18.4.1962).
Erst neuerdings beginnt man, die Visionen dieser Frau zu begreifen: Ihr durchaus liberales Eintreten für individuelle Freiheiten und Selbstbestimmung; den Pazifismus und ihre Einstellung als Internationalistin gegen Nationalismus jeder Art - und gegen einen „Raubtierkapitalismus“, wie er inzwischen wieder um sich greift. Für diese Ziele hatte sie sich eingesetzt und als Publizistin engagiert argumentiert.
(hhb)
Quellen:
„Im Asyl“ von Rosa Luxemburg in "Die Gleichheit" vom 1. Januar 1912
„Was will der Spartakusbund?“ von Rosa Luxemburg in "Rote Fahne" Nr. 29 vom 14.12.1918
„Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht“ von Clara Zetkin in "Leipziger Volkszeitung" vom 3. Februar 1919
„Ich lies Rosa Luxemburg richten“ in "Der Spiegel" 16/1962 vom 18.4.1962
„Die freie Radikale“ in "Sächsische Zeitung" vom 18.1.2019