Franca Magnani war eine italienische Journalistin, die als erste Auslandskorrespondentin der ARD ab 1964 regelmäßig aus dem Studio Rom berichtete. Sie hatte einen Riecher für gute Geschichten über die Gesellschaft, die Politik und den Tourismus in Italien, über die Musik, die Modetrends, den Wein oder die Küche. Magnani war eine selbstbewusste Frau, immer unbestechlich und voller Kampfgeist, vor allem wenn es um ihre persönliche Freiheit und die ihrer Berichterstattung ging.
Franca Schiavetti wurde am 1. Juli 1925 als Tochter des Chefredakteurs der antifaschistischen Zeitung La Voce Repubblicana in Rom geboren. 1926 musste die Familie wegen der oppositionellen Haltung des Vaters gegen Mussolini Italien verlassen und ging nach Marseille. Franca, damals noch zu jung für die gewagte Flucht, blieb in der Obhut ihrer Großeltern in Todi, einer kleinen Stadt in Umbrien. Erst 1928 wurde sie zu ihren Eltern nach Frankreich gebracht.
Dort wurde sie eingeschult und begann Französisch zu lernen. Aber schon 1931 emigrierte die Familie in die Schweiz nach Zürich, wo der Vater, der sich in Frankreich als Drucker und Lastwagenfahrer durchgeschlagen hatte, eine Anstellung als Schulleiter der Freien Italienischen Schule bekam. Die dann auch Franca zusätzlich zur Grund- und Sekundärschule besuchte.
Franca Magnani, italienische Journalistin und Schriftstellerin, Deutschland 1980
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Der Unterricht an der Freien Italienischen Schule orientierte sich an antifaschistischen Idealen und erzog ihre Schüler zu Friedensdienst, zu sozialer Gerechtigkeit und internationaler Brüderlichkeit. Darum wurde Franca in der Zeit des Zweiten Weltkrieges bewusst Mitglied des Schweizerischen Landdienstes für junge Freiwillige.
1944 im Alter von 19 Jahren heiratete Franca den Schweizer Journalisten Arnold Künzli. Mit ihm kehrte sie für kurze Zeit nach Rom zurück, ging aber schon bald erst nach Bonn und dann nach London, wo ihrem Mann die Stelle eines Auslandskorrespondenten der Basler National-Zeitung angeboten wurde.
1947 lernte sie ihren zweiten Mann Valdo Magnani kennen, ein Mitglied der italienischen PCI Partito Communista Italiano, der während des Krieges im jugoslawischen Widerstand gegen Nazi-Deutschland gekämpft hatte. Valdo Magnani wurde zu ihrer großen Liebe – beide heirateten nach Francas einvernehmlichen Trennung von Künzli.
Ihr Lebenslauf macht deutlich, wie Franca Magnani geradezu in den Beruf einer Journalistin hineingeboren worden war. Schon in London hatte sie zu schreiben und zu berichten begonnen, unter Anleitung der Journalistin und Historikerin Elizabeth Meta Wiskemann. Sie berichtete aus und über London – ihre Artikel wurden von ihrem Vater in Bologna veröffentlicht, der dort mittlerweile wieder Chefredakteur war.
Ab 1951 wurde sie feste Mitarbeiterin der Schweizer Frauenzeitschrift Annabelle und freie Mitarbeiterin der Weltwoche. Vor und nach der Geburt ihrer beiden Kinder nahm sie eine Auszeit, begann dann ab 1954 wieder zu schreiben, für das Schweizer Wochenblatt Die Tat und das SPD-Organ Vorwärts.
Ab 1964 arbeitete sie als erste Auslandskorrespondentin des deutschen Fernsehens im ARD-Studio Rom. Von dort lieferte sie jährlich um die 100 TV-Berichte und wurde mit ihrer kehligen Stimme und dem rollenden R zur „Voce Italiana“ im deutschen Fernsehen. Denn ihre Reportagen und Features fanden große Beachtung beim deutschen Fernsehpublikum, weil sie detailgenaue Einblicke in eine so ganz andere Welt mit anderen Vorlieben und Mentalitäten zeigten. Ihr Mann hatte sich wegen der inzwischen aufgedeckten Stalin-Gräuel von der PCI getrennt und sympathisierte nun eher wie seine Frau mit dem aufkommenden Euro-Kommunismus in Italien. Und Franca Magnani hegte dazu Sympathie für die aufkommende Emanzipationsbewegung der Frauen.
Vielleicht Gründe dafür, dass die Zahl ihrer Beiträge ab 1977 deutlich zurückging, nachdem der CSU-nahe Wolf Feller die Studioleitung in Rom übernommen hatte. Feller ließ die progressive Franca Magnani immer weniger zu Wort kommen. Kein Wunder, dass sich Magnani diskriminiert und zurückgesetzt fühlte. Aber sich einfach unterbuttern zu lassen kam für sie nicht in Frage – darum machte sie aus ihrem Herzen auch keine Mördergrube. Insider berichteten über Zusammenstöße zwischen Feller und ihr: Feller habe sich einmal vor ihr aufgebaut und geschrien: „Sie werden noch auf den Knien vor mir liegen!“ Magnani hätte ihm cool geantwortet: „Ich werde, außer vor Gott, niemals vor irgend jemandem auf den Knien liegen".
So kam es schließlich 1987 wegen des zerrütteten Vertrauensverhältnisses und angeblich notwendiger Einsparungen zu ihrer fristlosen Kündigung.
Zu einem Zeitpunkt, an dem sie bereits seit 23 Jahren für das Bayerische Fernsehen tätig gewesen war. Darum zog sie vor Gericht und bekam schließlich 1991 Recht.
1983, anlässlich der Verleihung des Fritz-Sänger-Preises, kam Heinrich Böll in seiner Laudatio noch einmal auf die 70er Jahre zu sprechen: „Was uns bevorstehen könnte sind Einschüchterungsversuche, wie wir sie am massivsten im Jahr 1977 erlebt haben, in eben jenem Jahr, in dem man anfing, Sie, Franca Magnani, aus der Berichterstattung zurückzuziehen, und ich halte das nicht für einen Zufall. Sie haben getan, was für uns jetzt wichtig sein könnte: auf unserem Recht bestehen, von unserer Freiheit Gebrauch zu machen. Das ist nicht leicht, wie sich an ihrem Prozess zeigt. Es gehören Ausdauer und Mut dazu.“ Und beides hatte Franca Magnani.
In dieser Zwischenzeit berichtete sie regelmäßig für den WDR, für Monitor und die Auslandssendung Weltweit. Dort war sie vor allem geschätzt wegen ihrer Unbestechlichkeit und für ihren Kampfgeist. Darum wurde sie auch gern als Talkshowgast eingeladen, vom SFB oder SWF. Zudem moderierte sie mehrere Talkshows für den NDR.
Franca Magnani starb am 28. Oktober 1996 in Rom an einem Krebsleiden.
(hhb)
Quellen:
SPIEGEL 44/1987: Buona Fortuna – wie sich das Bayerische Fernsehen seiner langjährigen Romkorrespondentin entledigte
alpha-retro: Die Familien der Gastarbeiter (1966), Bericht von Franca Magnani
Kiepenheuer & Witsch: Franca Magnani Eine italienische Familie, übersetzt von Peter O. Chotjewitz
Franca Magnani erzählt die Geschichte ihrer Familie. Es ist dies weder eine politische noch eine historische Analyse, sondern erlebte Geschichte. Das faschistische und antifaschistische Italien, die Menschen im Exil, das Italien der Nachkriegszeit erscheinen im Schicksal dieser Familie wie in einem Brennglas.