Niklaus Meienberg wurde am 11. Mai 1940 in St. Gallen geboren. Nach dem Besuch der Grundschule und fünf Schuljahren im Internat der „Benediktiner Klosterschule Disentis“ ging er als 20-Jähriger erst einmal jobben in die USA und nach Kanada. In die Schweiz zurückgekehrt begann er 1960 an der „Universität in Fribourg“ ein Studium der Geschichte, das er an der „Eidgenössischen Technischen Hochschule“ in Zürich und anschließend mit einem Stipendium in Paris fortsetzte. Den Abschluss mit Lizenziat machte er wieder in Fribourg.
Ab 1966 war er fünf Jahre lang Pariser Korrespondent für die Weltwoche. Ab 1971 lieferte er dem Schweizer Fernsehen Beiträge für dessen Kulturmagazin Perspektiven und arbeitete auch für das Schweizer Radio DRS. Parallel dazu war er Mitarbeiter des Zürcher Tages-Anzeiger und beim Magazin des Tages-Anzeigers. Als er im besagten Magazin 1976 eine bissige Story über Fürst Franz Josef II. von Liechtenstein veröffentlichte, verordnete ihm der Verleger Otto Coninx gegen den Willen der Redaktion Schreibverbot. Der Grund: Coninx‘ in Vaduz lebende Schwester wurde nach Erscheinen dieses Artikels nicht mehr zum Tee bei Fürstens eingeladen.
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Im Jahr darauf stand er vor Gericht, wegen einiger Passagen seines Films Die Erschießung des Landesverräters Ernst S. im Zweiten Weltkrieg und wegen eines von ihm geplanten Theaterstücks über den Oberbefehlshaber der Schweizer Armee im Ersten Weltkrieg, über den deutschfreundlichen Ulrich Wille. Beides bis dato Tabu-Themen in der Schweiz. In beiden Fällen wurde Meienberg freigesprochen.
Von 1982 bis 1983 war er Leiter des Stern-Büros in Paris und anschließend freier Mitarbeiter der Zürcher WOZ Wochenzeitung. 1980 begann er zudem endgültig als Schriftsteller zu arbeiten und brachte unter anderem seine sozialkritischen und satirischen Reportagen in Buchform heraus. Da galt Meienberg in der Schweiz bereits als Enfant terrible, als ein Journalist, der gern polemisierte und provozierte und die so entstandenen Konflikte in aller Öffentlichkeit ausbreitete. Der lustvoll in deftiger Sprache scheinbar alltägliche Situationen beschrieb: in Appenzell, St. Gallen, Zürich oder Paris, auf Campingplätzen, in Berghütten oder Redaktionsstuben. Und der ganz nebenbei genüsslich spöttelnd aufdeckte, dass die in Fribourg benötigte Verstärkeranlage beim Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1984 für 38.000 Franken ausgerechnet bei der Scientology-Sekte angemietet worden war.
Immer wieder setzte sich Meienberger kritisch mit den Problemen der inneren Redaktionsfreiheit auseinander. Genüsslich parodiert er die schweizerischen Old-Boys-Connections, das Offizierskorps, Rotary oder Lions, und beschreibt deren Einflussnahme auf so manche Berichterstattung. Berichtet freimütig über den „clüblichen Druck“, den solche Netzwerke und ihre Netzwerker ausüben (können), selbst auf einen publizistischen Mythos wie die NZZ Neue Zürcher Zeitung.
„Ein Historiker von ganz eigener Aufklärungsbesessenheit, ein Journalist von hohen literarischen Graden, schrieb Meienberg Reportagen, die das Bild von Gesellschaft, Politik und Geschichte in der Schweiz gründlich auffrischten. Noch immer lebt der Furor für die Wahrheit in diesen Texten, die mit leisem Spott gepfeffert den unnachahmlichen Meienberg-Ton wach halten. Was Aufsehen erregend und für viele empörend war, ist - nicht zum Schaden - längst öffentliches Bewusstsein geworden. Die zweibändige Sammlung dieser Reportagen hält mehr als nur die Erinnerung an einen (nützlichen) Störenfried und sein wichtiges Werk wach: Sie sind Zeitgeschichte." So die Neue Luzerner Zeitung über seine beiden Reportage-Bände. Und Max Frisch urteilte kurz und bündig: „Es stimmt halt, was er geschrieben hat.“
1988 erhielt er den Werkpreis der Max-Frisch-Stiftung, 1989 den Zürcher Journalistenpreis und im Jahr darauf den Kulturpreis der Stadt St. Gallen.
Meienberg litt von Jugend an unter manischen und depressiven Phasen, die mit zunehmendem Alter wieder zunahmen. Im September 1992 wurde er von zwei Nordafrikanern zusammengeschlagen und hatte im Jahr darauf in Frankreich einen schweren Motorradunfall. Dazu kamen persönliche Probleme - der Tod der Mutter, Trennung von der Lebensgefährtin und harsche öffentliche Kritik an seinem Werk. Am 22. September 1993 nahm sich Nikolaus Meienberg in Zürich das Leben.
SRF-Redakteur Christoph Keller in einem Nachruf: „Niklaus Meienberg, Historiker, Journalist, Lyriker - ein wortgewaltiger Autor, der die Verhältnisse immer messerscharf und schonungslos auseinandernahm. Manchmal auch bis zur Schmerzgrenze, für sich und für andere, manchmal auch bis zur Verausgabung. Und das ist dort spürbar, wo Niklaus Meienberg sich wortreich einmischte: am Radio.“
(hhb)
Robin Schwarzenbach: Niklaus Meienberg knöpft sich General Wille vor – und gerät selbst unter Beschuss in NZZonline vom 18.2.2018
Ein Aufklärer, den nichts kalt liess in WOZ vom 15.8.2013
Bücher:
Niklaus Meienberg: Reportagen 1 + 2; Limmat Verlag Zürich, 2000
Niklaus Meienberg: Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.; Neuauflage im Limmat Verlag, 2013
Niklaus Meienberg im Limmat-Verlag