Rudolf Olden war Jurist und Journalist. Kurt Tucholsky zählte ihn zu den 200 Berlinern, auf die es seiner Meinung nach wirklich ankomme. Als Rechtsanwalt trat Olden engagiert für die Pressefreiheit ein und verteidigte zum Beispiel Carl von Ossietzky, als dieser wegen Tucholskys berühmten Satzes „Soldaten sind Mörder“ in der Weltbühne als deren Herausgeber angeklagt worden war – und erwirkte damals einen Freispruch. Und noch Tage nach Hitlers Machtübernahme leitete er in Berlin den Kongress „Das freie Wort“, auf dem für Pressefreiheit demonstriert wurde. Denn die gehörte für Olden zu den wichtigsten Voraussetzungen fürs Funktionieren der Demokratie.
Rudolf Olden wurde am 14. Januar 1885 als Sohn des Schriftstellers Johann Oppenheim und seiner Ehefrau, der Schauspielerin Rosa Stein, in Stettin geboren. Sein Vater nannte sich ab 1891 Hans Olden.
Nach dem Abitur studierte Rudolf Olden zunächst Jura, strebte dann aber eine Karriere beim Militär an. Was sich nach dem Ersten Weltkrieg sofort änderte, denn seine Kriegserlebnisse hatten bei ihm zu einem politischen Umdenken geführt. So begann er nach Kriegsende als Journalist zu arbeiten, u.a. für die pazifistische Zeitschrift Der Friede in Wien oder für die Zeitung Der Neue Tag. Nachdem Der Neue Tag in Konkurs gehen musste, gründete er zusammen mit dem Schriftsteller Hugo Bettauer das Journal Er und Sie – Wochenschrift für Lebenskultur und Erotik. Darin setzten sich die Herausgeber für Gleichberechtigung, Anerkennung von Homosexualität sowie für das Recht auf Abtreibung ein, was auch damals natürlich für kontroverse Diskussionen sorgte.
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Was allerdings Theodor Wolff nicht daran hinderte, den mittlerweile so bekannten wie geschätzten Journalisten 1926 in die Redaktion des Berliner Tageblatts zu holen, in dem seine Leitartikel zum politischen Tagesgeschehen bald für Aufsehen sorgten.
Schon nach kurzer Zeit wurde er daraufhin als Chefredakteur Stellvertreter von Theodor Wolff. Er schrieb zudem für Magazine wie Die Weltbühne, Das Tage-Buch oder Die Menschenrechte.
1926 hatte Rudolf Olden in Berlin auch seine Zulassung als Rechtsanwalt bekommen und übte diesen Beruf parallel aus. Als Kurt Tucholsky in der Weltbühne vom 4.8.1931 die Sentenz „Soldaten sind Mörder“ verwendete, wurde ihr Chefredakteur Carl von Ossietzky wegen „Beleidigung der Reichswehr“ angeklagt. Olden übernahm seine Verteidigung und erreichte einen Freispruch.
1931 berief die „Liga für Menschenrechte“ Olden in ihren Vorstand. Und nachdem unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung die Versammlungs- und Pressefreiheit eingeschränkt worden waren – zwei Grundrechte in der Weimarer Verfassung, angeblich zum Schutze der deutschen Bevölkerung – gehörte Olden zusammen mit Willi Münzenberg zu den Initiatoren der letzten großen Protestversammlung „Das Freie Wort“ in der Berliner Kroll-Oper. Dort versammelten sich am 19. Februar 1933 etwa 1.500 antinazistisch gesinnte Publizisten, Wissenschaftler und Künstler, um von dort einen letzten Aufruf zum Erhalt der Gedanken-, Presse- und Kunstfreiheit ertönen zu lassen.
Als wenige Tage später der Reichstag brannte, verließ Rudolf Olden Deutschland, um so seiner Verhaftung zu entgehen. Zunächst ging er nach Prag, wo er unter Pseudonym den Essay „Hitler der Eroberer – die Entlarvung einer Legende“ veröffentlichte. Im Jahr darauf wechselte er nach Paris und verfasste dort seine Dokumentation „Schwarzbuch über die Lage der Juden in Deutschland“. Und wurde Chefredakteur der Zeitung Das Reich, die damals in Saarbrücken erschien und gegen den Anschluss des Saarlands an das Dritte Reich eintrat. Außerdem schrieb er für die Exilzeitungen Pariser Tageblatt, Die Sammlung oder Das Neue Tagebuch. Zudem wurde er Sekretär des Deutschen P.E.N.-Clubs im Exil. Als solcher verschaffte er mehreren Kollegen Ausreise-Visa und half ihnen bei ihrer Emigration.
1936 erkannte man ihm die deutsche Staatsbürgerschaft ab – als nun Staatenloser ging er nach England, wo er in Oxford und London weiter Vorlesungen über deutsche Geschichte und Politik hielt und sich für die Verleihung des Friedensnobelpreises an Carl von Ossietzky einsetzte, der mittlerweile von den Nazis inhaftiert worden war.
1940 erhielt er einen Ruf als Dozent von der New School of Social Research in New York. Der britische Passagierdampfer City of Benares wurde auf seiner Fahrt nach Kanada am 18. September 1940 von einem deutschen U-Boot versenkt. 248 Menschen fanden dabei den Tod, darunter das Ehepaar Olden.
(hhb)