Louise Otto-Peters

Louise Otto-Peters war eine sozial engagierte Schriftstellerin und Journalistin, die sich auch als Frauenaktivistin im Vormärz und nach der 1848er Revolution für mehr Demokratie, Frauenrechte und Freiheiten einsetzte. Gegen alle Vorurteile der damaligen Zeit konnte sie sich als Journalistin durchsetzen, selbst wenn sie dafür ihre Artikel manchmal unter einem männlichen Pseudonym veröffentlichen musste.

Louise Otto stammte aus einer wohlhabenden bürgerlichen Familie in Meißen. Ihr Vater war dort Gerichtsdirektor und zeitweise Senator. Sie wurde am 26. März 1819 als jüngste seiner vier Töchter geboren, musste als Mädchen die schulische Ausbildung aber bereits 1834 unmittelbar nach ihrer Konfirmation beenden. Eine höhere Bildung wurde ihr verwehrt – so war das damals.

 

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Im Jahr darauf starben ihre Eltern an einer Lungenentzündung. Zusammen mit ihren Schwestern wurde sie zunächst von einer Tante betreut und konnte, mündig geworden, ihren Lebensunterhalt teilweise aus ihrer Erbschaft bestreiten. Ab 1840 lebte sie in Oederan, einem Städtchen in Mittelsachsen. Dort gewann sie tiefe Einblicke in die Heimarbeit von Frauen und Kindern für die Textilbranche. Darüber veröffentlichte sie das Gedicht „Die Klöpplerinnen“ im Oederaner Stadtanzeiger, ein Gedicht voller Anklagen, das sofort Empörung auslöste. 1843 vermerkte sie in ihrem Tagebuch: Ich habe jetzt ein Ziel, einen Lebenszweck: die literarische Laufbahn. Ich strebe nicht nach Ruhm und Ehre, aber nach Einfluß aufs Ganze.“

Als Robert Blum, damals Herausgeber der Sächsischen Vaterlandsblätter – später linksliberaler Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung, der im November 1848 wegen seiner Anwesenheit beim Wiener Oktoberaufstand standrechtlich erschossen wurde – als dieser Blum 1842 in seiner Zeitung fragte, „ob Frauen das Recht hätten, sich an Politik zu beteiligen“, da antwortete Louise Otto ihm in einem Leserbrief: „Die Teilnahme der Frauen an den Interessen des Staates ist nicht allein ein Recht, sie ist eine Pflicht der Frauen.“

Zwischen 1842 und 1846 erschienen von ihr drei Romane. In Leipzig hatte sie erlebt, wie ein Arbeiteraufstand blutig niedergeschlagen worden war. Dies Ereignis verarbeitete sie in ihrem sozialkritischen Roman „Schloss und Fabrik“ aus dem Jahr 1846. Sie beschrieb die bittere Not der Textilarbeiter in der aufkommenden Industrialisierung, im Konflikt zwischen dem früher gut bezahlten Handwerk und der zunehmenden Fabrikarbeit jetzt zu Billiglöhnen. Das Elend der Arbeiter und ihrer Frauen hatte zu dem Aufstand geführt. Natürlich musste sie sich wegen ihrer Schilderung mit der Zensurbehörde herumschlagen, die das Buch erst nach einer Überarbeitung freigab.

Für Robert Blums „Vorwärts. Volkstaschenbuch für das Jahr 1847“ hatte sie einen viel beachteten Beitrag „Über die Theilnahme der Frauen am Staatsleben“ geschrieben, mit konkreten Forderungen nach Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie für einen unbeschränkten Bildungszugang für Frauen und Mädchen. Und Louise Otto intensivierte ihr sozialkritisches Engagement. Sie veröffentlichte nun zahlreiche gesellschaftskritische Artikel, zumeist unter dem Pseudonym „Otto Stern“, weil politische Aktivitäten von Frauen noch nicht gern in der Presse veröffentlicht wurden.

In dieser Zeit des Vormärz veröffentlichte sie zudem emanzipatorische Gedanken u.a. in Constitutionelle Staatsbürger-Zeitung, Der Komet, Der Leuchtturm, Der Wandelstern, Neue Zeitschrift für Musik, Nord und Süd oder Unser Planet.

1849 gründete sie eine eigene Frauen-Zeitung und geriet dadurch noch schärfer in den Fokus der sächsischen Zensurbehörde. Es folgten Hausdurchsuchungen und Verhöre. 1850 wurde ihre Frauen-Zeitung durch Änderung des sächsischen Pressegesetzes verboten – Lex Otto. Darum wich sie nach Gera aus, bis dann auch im Fürstentum Reuß jüngere Linie 1853 ein endgültiges Erscheinungsverbot erlassen wurde.

Mit dem Schriftsteller August Peters, einem gemäßigten Demokraten, der allerdings 1849 mit Freischärlern am Dresdner Maiaufstand teilgenommen hatte und deshalb nach Baden fliehen musste, verlobte sie sich im Bruchsaler Gefängnis. Dort sollte er sechs Jahre Kerkerhaft verbüßen. Louise Otto hatte Peters in Meißen kennengelernt, wo er das Wochenblatt Die Barrikade herausgegeben hatte. In Baden wurde er zwar 1852 begnadigt, aber nach Sachsen ausgeliefert und dort erneut inhaftiert. Nach seiner endgültigen Begnadigung im Jahr 1856 heirateten die beiden zwei Jahre später im Dom zu Meißen. Von da an nannte sie sich Louise Otto-Peters.

Ab 1859 lebte das Paar in Leipzig und gab die Mitteldeutsche Volks-Zeitung heraus, sie als Leiterin des Feuilletons. Bis August Peters Jahr 1864 starb. Louise Otto-Peters arbeitete dann in Bibliotheken, schrieb weiterhin Artikel, Kritiken und rund 60 Bücher, etwa die Hälfte davon Romane, aber auch Novellen, Gedichte, Streitschriften sowie das Opern-Libretto für die Oper „Theodor Körner“.

1865 gründete sie zusammen mit anderen Frauen den Leipziger Frauenbildungsverein und wurde, nach einer ersten gesamtdeutschen Frauenkonferenz in Leipzig, Mitbegründerin des ADF Allgemeiner Deutscher Frauenverein. Den leitete sie in den kommenden Jahren bis 1892 als ehrenamtliche Vorsitzende und setzte sich engagiert für das Recht der Frauen auf Bildung, auf Erwerbsarbeit und Zugang zu Universitätslehrgängen ein. Natürlich war sie Mitglied in der Redaktion der Vereinszeitung Neue Bahnen und half, daraus die erste überregionale feministische Zeitschrift Frauenanwalt zu entwickeln.

Louise Otto-Peters starb am 13. März 1895 in Leipzig und wurde dort auf dem Neuen Johannisfriedhof beigesetzt.

Seit 2015 zeichnet Leipzig mit dem „Louise-Otto-Peters-Preis“ Personen und Organisationen aus, die sich für die Gleichstellung von Frauen und Männern in besonderem Maße eingesetzt haben.

(hhb)

 

Artikel zu Louise Otto-Peters im Archiv der deutschen Frauenbewegung (AddF)

Louise Otto-Peters auf fembio.org

Louise Otto-Peters im Digitalen Deutschen Frauenarchiv

Artikel zu Louise Otto-Peters in "Aus Politik und Zeitgeschichte" 9/2019 der Bundeszentrale für politische Bildung

Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e.V.

 

Briefmarke aus der Serie Bedeutende deutsche Frauen (II), Louise Otto-Peters (1819-1895), 1974

Programm des 9. allgemeinen deutschen Frauentags (aus dem Deutschen Reichsanzeiger) 22.09.1876

Artikel aus Die Gartenlaube 1871

Probe-Nummer der Frauen-Zeitung vom 21. April 1849 Programm der Frauen-Zeitung Louise Otto-Peters, 1849 Die Geschichte aller Zeiten, und die heutige ganz besonders, lehrt: daß diejenigen auch vergessen wurden, welche an sich selbst zu denken vergaßen! – Das schrieb ich im Mai des Jahres 1848 hinaus in die Welt, als ich zunächst meine Worte an die Männer richtete, die sich in Sachsen mit der Frage der Arbeit beschäftigten – ich mahnte sie damit an die armen Arbeiterinnen, indem ich für meine Schwestern das Wort ergriff, auf daß sie nicht vergessen wurden! Dieser selbe Erfahrungssatz ist es, welcher mich zur Herausgabe einer Frauen-Zeitung veranlaßt. Mitten in den großen Umwälzungen, in denen wir uns Alle befinden, werden sich die Frauen vergessen sehen, wenn sie selbst an sich zu denken vergessen! Wohl auf denn, meine Schwestern, vereinigt Euch mit mir, damit wir nicht zurückbleiben, wo Alle und Alles um uns und neben uns vorwärts drängt und kämpft. Wir wollen auch unser Theil fordern und verdienen an der großen Welt-Erlösung, welche der ganzen Menschheit, deren eine Hälfte wir sind, endlich werden muß. Wir wollen unser Theil fordern: das Recht, das Rein-Menschliche in uns in freier Entwickelung aller unserer Kräfte auszubilden, und das Recht der Mündigkeit und Selbstständigkeit im Staat. Wir wollen unser Theil fordern: das Recht, das Rein-Menschliche in uns in freier Entwickelung aller unserer Kräfte auszubilden, und das Recht der Mündigkeit und Selbstständigkeit im Staat. Wir wollen unser Theil verdienen: wir wollen unsere Kräfte aufbieten, das Werk der Welt-Erlösung zu fördern, zunächst dadurch, daß wir den großen Gedanken der Zukunft: Freiheit und Humanität (was im Grunde zwei gleichbedeutende Worte sind) auszubreiten suchen in allen Kreisen, welche uns zugänglich sind, in den weiteren des größeren Lebens durch die Presse, in der engeren der Familie durch Beispiel, Belehrung und Erziehung. Wir wollen unser Theil aber auch dadurch verdienen, daß wir nicht vereinzelt streben nur Jede für sich, sondern vielmehr Jede für Alle, und daß wir vor Allem Derer zumeist uns annehmen, welche in Armut, Elend und Unwissenheit vergessen und vernachlässigt schmachten. Wohl auf, meine Schwestern, helft mir zu diesem Werke! Helft mir für die hier angedeuteten Ideen zunächst durch diese Zeitung zu wirken! Textauszug aus: Otto, Louise (1849): Programm. – In: Frauen-Zeitung : ein Organ für die höheren weiblichen Interessen, Nr. 1