Otto Pesch wurde zu einer historischen Figur für den deutschen Journalismus, als erster Nachkriegsredakteur ab Januar 1945 – weit vor Kriegsende – bei den Aachener Nachrichten. Später leistete er Pionierarbeit beim Wiederaufbau einer freien Presse, durch seine langjährige Arbeit für die Aachener Volkszeitung/Aachener Zeitung und im Deutschen Journalistenverband DJV.
Otto Pesch, am 21. Februar 1917 in Rheydt geboren, stammte aus einer Drucker- und Verlegerfamilie. Als Soldat im Zweiten Weltkrieg war er verwundet worden und befand sich gegen Kriegsende auf Genesungsurlaub. Zu der Zeit, als die US-Armee schon am 31. Oktober 1944 Aachen als erste deutsche Großstadt befreit hatte.
Der 28jährige Otto Pesch galt als politisch unbelastet und wurde so zum ersten deutschen Nachkriegsredakteur – bei den Aachener Nachrichten, die bereits ab dem 24. Januar 1945 als erste Zeitung der Amerikaner im von ihnen befreiten Gebiet erschien. Der Name von Pesch wurde damals geheim gehalten, weil der Herausgeber, die Psychological Warfare Division PWD, Attentate von Seiten der Nazis gegen angebliche „Vaterlandsverräter“ befürchtete.
Die PWD war als anglo-amerikanische Einheit des SHAEF Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force zur psychologischen Kriegsführung gegründet worden. Gegen die Nazi-Ideologie und die massive Propaganda in der NS-Diktatur hatte die PWD bis dato Radio-Nachrichten und Flugblätter eingesetzt – und nun in Aachen eine erste Zeitung, um wichtige Bekanntmachungen zu veröffentlichen und langsam auch Vertrauen in der Bevölkerung aufzubauen.
Aachen war damals nur eine befreite Insel innerhalb von Nazi-Deutschland – für die Siegermächte zu arbeiten, war mithin lebensgefährlich. Von einer angestrebten Pressefreiheit konnte zudem noch keine Rede sein. „Alles, was wir selbst schrieben, ging erst durch die Militärzensur der Alliierten und dann durch die zivile Zensur der Stadtverwaltung", berichtete Otto Pesch. Eigene Kommentare mit politischen Tendenzen waren verboten.
In den Aachener Nachrichten vom 8. Mai 1945 lautete die von Pesch formulierte Schlagzeile auf der Titelseite dann klar und deutlich: „Der Krieg ist aus!“
Im Juni 1945 gingen die Aachener Nachrichten mit der „License No.1“ in die Hände des Verlegers Heinrich Holland über, einem Drucker und SPD-Mitglied.
Otto Pesch wechselte dann zur Aachener Volkszeitung AVZ (die ab 1996 bis heute Aachener Zeitung heißt). Die AVZ erschien ab Februar 1946 als erste wieder von Deutschen geführte Zeitung im Nachkriegsdeutschland. Dort baute Pesch zunächst die Lokalredaktion „Aachen-Stadt“ auf und dann weitere im gesamten Verbreitungsgebiet, von der Eifel bis Erkelenz. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1981 war Pesch jahrzehntelang Leiter der Bezirksredaktion und Chef vom Dienst der AVZ. Außerdem betreute er die Sonderseiten „Mensch und Natur“ sowie die Aktion „Kavalier der Straße“. Zudem kümmerte er sich um die Volontäre des Blattes. Seine Kollegen beschrieben ihn als eine stets gelassene und liebenswürdige Persönlichkeit voll hintergründigem Humor.
Pesch war zudem Mitbegründer des Rheinisch-Westfälischen Journalistenverbandes, einem Vorläufer des DJV Deutscher Journalisten-Verband. In dessen Bezirksverein „Aachener Presse B.A.P.“, der ältesten regionalen Vereinigung im DJV, war Pesch dann von 1966 bis 1981 der Vorsitzende. Und wurde anschließend zu ihrem ersten Ehrenvorsitzenden ernannt.
Otto Pesch starb am 31. Oktober 2007 im Alter von 90 Jahren in Aachen. Er wurde auf dem Friedhof an der Kirche in Aachen-Laurensberg beigesetzt.
Sein Nachlass befindet sich im Archiv des Internationalen Zeitungsmuseum in Aachen.
(hhb)
Quellen
Otto Pesch ist tot / in Bezirksverein Aachener Presse im DJV Archiv 2006-2010
Vor 60 Jahren erschienen die Aachener Nachrichten als erste Zeitung nach dem Krieg / Berliner Zeitung am 24.1.2005
Bernd Mathieu: Ein aufrechter Pionier der Aachener Presse: Otto Pesch wird 90 / Aachener Zeitung vom 20.2.2007
Ingo Plaschke: 8. Mai 1945: Otto Pesch und die Schlagzeile seines Lebens / NRZ vom 8.5.2020
Jubiläum: Aachener Nachrichten werden 80 Jahre alt / WDR am 24.1.2025