Nikolaus Piper, der große Erklärer unter den deutschen Wirtschaftsjournalisten, verstand es, selbst komplexe volkswirtschaftliche Zusammenhänge für seine Leser verständlich zu machen. Piper arbeitete für den Vorwärts, als Deutschland-Korrespondent für Associated Press, für die Wochenzeitung DIE ZEIT und zuletzt für die Süddeutsche Zeitung – als Ressortleiter in München und zeitweise als ihr Korrespondent in New York.
Nikolaus Piper wurde am 17. Juni 1952 in Hamburg geboren. Nach seinem Abitur volontierte er zunächst von 1971 bis 1973 bei der Badischen Zeitung in Freiburg/Breisgau, eigentlich in der Absicht, Theaterkritiker zu werden. Aber während seines Volontariats begann er sich für Wirtschaftsthemen zu interessieren und entschied sich daraufhin, lieber Wirtschaftswissenschaften zu studieren. 1978 schloss er sein Studium an der Freiburger Universität als Diplom-Volkswirt ab.
Danach begann er als Lokalredakteur in Lörrach, wechselte aber bald als Wirtschaftsredakteur zur SPD-Wochenzeitung Vorwärts nach Bonn. Seine nächste Station war die des Wirtschaftskorrespondenten für Associated Press am gleichen Ort.
Copyright: Andreas Heddergott/Süddeutsche Zeitung Photo
1987 kehrte er in seine Heimatstadt zurück, zur Wochenzeitung DIE ZEIT. Dort galt sein ► Augenmerk vor allem dem ökonomischen Zusammenbruch in der Sowjetunion und dem marktwirtschaftlichen Neuaufbau in Osteuropa, in den Mitgliedstaaten des früheren Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe RGW.
Ab Oktober 1997 arbeitete er für die SZ Süddeutsche Zeitung in München. Mitte 1999 wurde er Leiter des Wirtschaftsressorts. 2007 ging er für sieben Jahre als SZ-Korrespondent nach New York und kehrte dann als leitender Redakteur zur SZ zurück.
Von 2015 an schrieb er regelmäßig seine Wirtschaftskolumne „Pipers Welt“, die freitags im Wechsel mit einem Artikel von Thomas Fricke erschien.
Ab 2018 arbeitete Piper als freier Journalist, auch weiter für die SZ. Seine letzten Essays und Kolumnen sind dort auf seiner ► Autorenseite abrufbar:
Seine Essays wurden nun auch im Magazin Internationale Politik veröffentlicht, etwa der ► Artikel über die schweren Fehler von Donald Trump am Ende seiner Amtszeit:
Oder im Schweizer Monat, wo er sich zum Beispiel über „Das missverstandene Erbe der Sozialen Marktwirtschaft“ nach den Wahlen von 2005 äußerte.
Denn Nikolaus Piper war und blieb ein streitbarer Anhänger der Marktwirtschaft – ein überzeugter Ordoliberaler, so wie er es im Studium in der von Walter Eucken entwickelten Freiburger Schule der Nationalökonomie gelernt hatte. Aber er kritisierte nun auch die Verwerfungen in dieser Marktwirtschaft scharf, die etwa den Finanzcrash von 2008 ausgelöst und anschließend kräftig dazu beigetragen hatten, dass die Welt vielerorts deutlich nach rechts rückte.
Nikolaus Piper starb am 15. September 2024 im Alter von 72 Jahren in München.
(hhb)
Quellen
Ulrich Schäfer: Nik und das liebe Geld – zum Tod von Nikolaus Piper / Süddeutsche Zeitung vom 10.9.2024
Nikolaus Piper ist tot / Wirtschafts-Journalist:in vom 17.9.2024
Nikolaus Piper als Autor der ZEIT von 1988 bis 1999
Nikolaus Piper als Autor in der Süddeutschen Zeitung / neueste Artikel
Bücher
Nikolaus Piper: Felix und das liebe Geld / Beltz & Gelberg 1999
Nikolaus Piper: Geschichte der Wirtschaft – erzählt für Kinder ab 12 Jahren / Beltz & Gelberg 2002
Nikolaus Piper: Willkommen in der Wirklichkeit. Wie Deutschland den Abstieg vermeiden kann / dtv München 2004
Nikolaus Piper: Die große Rezession – Amerika und die Zukunft der Weltwirtschaft / Carl Hanser Verlag 2009
Nikolaus Piper: Wir Untertanen – wie wir unsere Freiheit aufgeben, ohne es zu merken / rowohlt Verlag 2019