Robert Platow

Der deutsche Wirtschaftsjournalist Robert Platow gab nach dem Zweiten Weltkrieg die „Platow-Briefe“ heraus und machte sie zum größten Dienst mit Hintergrundinformationen für die Wirtschaft, den Kapitalmarkt und die Politik.

Robert Platow wurde am 7. Mai 1900 in Hamburg geboren und besuchte die Oberrealschule in Hamburg-Eppendorf. Nach dem Abitur studierte er Volkswirtschaft in Hamburg und Kiel. In Kiel arbeitete er noch kurze Zeit als Assistent im Institut für Weltwirtschaft und wurde dort mit seiner sozialökonomischen Studie „Die wirtschaftlichen Nachrichten in ihrem Wesen und in ihrer Bedeutung“ promoviert.

1926 begann er als Volontär bei der Kieler Zeitung. Dort wurde der Verlagsdirektor Karl Andreas Voss auf Platow aufmerksam und holte ihn im Jahr darauf in die Handelsredaktion bei der Magdeburgischen Zeitung. Von 1934 bis 1944 war Platow deren Handelskorrespondent in Berlin, arbeitete aber auch für andere führende Blätter wie das Berliner Tageblatt, die Vossische Zeitung, die Frankfurter Zeitung, die Kölnische Zeitung oder den deutschsprachigen Pester Lloyd.

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Copyright: PLATOW Verlag GmbH

Außerdem gab er noch den eigenen Informationsdienst Wirtschaftliche Privat-Informationen heraus, der von führenden Wirtschaftsvertretern und vermögenden Privatanlegern abonniert wurde. Bei Kriegsausbruch 1939 wurden solche Privatinformationen aus Gründen der Geheimhaltung vom NS-Regime verboten. Doch unter dem Titel Wirtschaftlicher Sonderdienst konnte Platow seine Infos auch während des Krieges weiter verbreiten.

Da in der Nachkriegszeit vertrauliche Informationsbriefe nicht einer Lizensierung durch die britische Besatzung unterlagen, konnte Platow unmittelbar nach dem Zusammenbruch seinen exklusiven Informationsdienst wiederaufleben lassen, nun unter dem Namen Platow Brief. Er nutzte seine nach wie vor guten persönlichen Kontakte zu Wirtschaft, Banken und hohen Beamten in den Bonner Ministerien, um seine Leser wie früher schnell und detailliert zu informieren. 1951 kosteten diese Infos rund 300 DM pro Monat. Mit etwa 2.000 Abonnements machte Platow in jenem Jahr, unterstützt von zwölf Mitarbeitern und nach Abzug aller Recherche-, Druck- und Versandkosten 212.000 DM Reingewinn.

Im Jahr 1951 kam es zu der sogenannten „Platow-Affäre“. Platow hatte in seinem Dienst den Referentenentwurf für ein geplantes Kartellgesetz veröffentlicht. Daraufhin wurden seine Büros durchsucht, Akten und Honorar-Quittungen beschlagnahmt und er selber kam für 44 Tage in Untersuchungshaft. Man verdächtigte ihn und einen Mitarbeiter der aktiven Bestechung und des Geheimnisverrats. Worauf es zu lebhafter Kritik in der Öffentlichkeit kam, zumal als sich herausstellte, dass der angewandte § 353c StGB (Geheimnisverrat) noch aus der NS-Zeit stammte. Die Affäre schwelte längere Zeit und löste auch einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss aus, zur „Prüfung von Missständen in der Bundesverwaltung“. Aktive Beamtenbestechung konnte man Platow nicht nachweisen – in Bonn gab es damals genügend Politiker und Beamte, die sich gern mit ihrem Wissen wichtig machen wollten. Selbst Konrad Adenauer soll wiederholt gestöhnt haben: „Wenn hier drei sich unterhalten, steht's morgen in der Zeitung.“

Am Ende wurde die Weitergabe dienstlicher Angelegenheiten 1953 mittels einer Amnestie vorübergehend bis Ende 1951 straffrei gestellt.

1967 verkaufte Robert Platow sein Unternehmen an den Bertelsmann-Konzern und zog sich in die Schweiz nach Chur zurück.

Dort starb er am 3. Dezember 1982.

(hhb)

 

Quellen:

Platow, Robert Kurt Albert / Deutsche Biographie

Eine Reise durch 75 Jahre PLATOW

Platow – Der Staat / SPIEGEL 36/1951 vom 4.9.51