Hugo Portisch war ein österreichischer Journalist und Autor, der vor allem durch die Behandlung zeitgeschichtlicher Themen in seinen Fernsehsendungen und Büchern bekannt geworden ist. Darin hat er die oft komplexen politischen wie wirtschaftlichen Zusammenhänge in einfacher Sprache verständlich erklärt.
Hugo Portisch wurde am 19. Februar 1927 in Preßburg, dem heutigen Bratislava geboren. Seine Eltern waren Österreicher. Sein Vater Emil, auch er Journalist, stammte aus St. Pölten und war der letzte Chefredakteur der seit 1764 erschienenen deutschsprachigen Preßburger Zeitung.
In seiner Geburtsstadt besuchte Hugo das Deutsche Gymnasium und engagierte sich 1944 bei der freiwilligen Feuerwehr, um nicht zur Waffen-SS einberufen zu werden. Denn wegen der ständigen Bombenabwürfe gegen Ende der Kriegszeit herrschte auch bei der Feuerwehr Personalmangel. Seine Eltern waren bereits Anfang 1945 nach St. Pölten zurückgekehrt, er jedoch setzte seinen Schulbesuch in Preßburg zunächst fort. Kurz vor Einmarsch der Roten Armee erhielt er dort Anfang April sein Reifezeugnis und einen Marschbefehl der Wehrmacht nach Wien. Er aber setzte sich auch nach St. Pölten ab.
Copyright: Alfred Pertl - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=103558420
Hugo Portisch studierte Geschichte, Germanistik, Anglistik und Publizistik in Wien und schloss dort seine Studien 1951 ab, mit der Dissertation „Das Zeitungswesen und die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten von Nordamerika vor und während des Bürgerkrieges 1861–1865“.
Schon während des Studiums hatte er als Redaktionseleve in der Wiener Redaktion des St. Pöltner Pressvereins erste Erfahrungen gesammelt. 1948 wechselte er zur Wiener Tageszeitung, deren außenpolitisches Ressort ihm dann 1950 übertragen wurde. In Folge durfte er als Stipendiat der USA einen sechsmonatigen Journalistenkurs der School of Journalism in der University of Missouri absolvieren und parallel dazu als Praktikant für die New York Times und die Washington Post tätig werden.
Portisch blieb in den USA und wurde 1953 stellvertretender Leiter des Österreichischen Informationsdienstes in New York. Im Jahr darauf bot ihm Hans Dichand, Chefredakteur des Neuen Kurier in Gründung, die Mitarbeit an. 1955 begann er dort zunächst als stellvertretender Chefredakteur, wurde ab 1958 Nachfolger von Dichand und blieb das bis 1973.
1961 bekam er einen Lehrauftrag am Wiener Institut für Zeitungswissenschaft und wurde zudem Kommentator für Weltpolitik beim Bayerischen Fernsehen.
1964 war er Initiator eines „Rundfunkvolksbegehrens“, das mit Erfolg für die Unabhängigkeit der ORF eintrat und einer Rundfunkreform den Weg bahnte.
Über seine diversen Auslandsreisen als Journalist – 1963 nach Kuba, 1964 nach China oder 1966 nach Sibirien – verfasste er viel beachtete Bücher, die als Serie in der Buchreihe „So sah ich ...“ in mehreren Ländern erschienen.
1967 begann Portisch darüber hinaus als Chefkommentator beim ORF und wurde „zum Erklärer der Welt“, wie der Kurier lobte. Beim ORF entstanden zudem seine zahlreichen aktuellen TV-Berichte und Dokumentationen. Als Höhepunkt dieser Arbeit gilt seine Dokumentarreihe „Österreich 1 + 2“, mit der er die Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert aufgearbeitet und das Geschichtsbewusstsein mehrerer Generationen geprägt hat. Ganz ähnlich wie eine Dokumentation über den Zweiten Weltkrieg, die er zusammen mit Henry Kissinger produzierte.
Bis zuletzt beobachtete und analysierte Portisch die Entwicklungen in aller Welt. Noch in seinem letzten Buch, das 2017 erschien, warnte er: „Leben mit Trump. Ein Weckruf für Europa“.
Für seine Tätigkeit als TV-Journalist wurde Hugo Portisch zweimal mit der „Goldenen Kamera“ ausgezeichnet (1968 und 1983) und am 1. April 2016 wurde er Ehrenbürger in St. Pölten.
Seit Oktober 2022 sendet der ORF jetzt aus der Hugo-Portisch-Gasse, denn ein Abschnitt der früheren Würzburggasse vor dem ORF-Zentrum wurde nach der Journalistenlegende Portisch benannt.
Hugo Portisch lebte und arbeitete bis zu seinem Tod in Wien, wo er am 1. April 2021 im Alter von 94 Jahren starb.
(hhb)
Quellen:
Hugo Portisch zum 8. Mai 1945: „Es war ein Freiheitsrausch“ / in der österreichischen Wochenzeitung Die Furche
Universität Wien: Hugo Portisch erhält hohe Auszeichnung der Universität Wien /21.6.2017
Hugo Portisch im 95. Lebensjahr verstorben / Der Standard am 1. 4.2021
Philipp Wilhelmer: Hugo Portisch: Österreichs berühmtester Journalist ist tot / Kurier vom 1.4.2021