Günter Prinz

Günter Prinz wurde am 30. Juli 1929 in Schlesien als ältester Sohn eines Papierfabrikanten geboren. Anfang der 30er Jahre, nach dem frühen Tod des Vaters, zog die Familie nach Berlin. Dort besuchte Günter Prinz zunächst das Hohenzollern-Gymnasium in Schöneberg und machte später auf der Robert-Blum-Oberschule sein Abitur.

Wie damals üblich musste Günter schon als 16-Jähriger nach dem Krieg dabei helfen, die Familie durch diese schwere Zeit zu bringen. Er machte Botendienste und verhielt sich ansonsten so wie viele seiner Altersgenossen: er war auf dem Schwarzmarkt aktiv, klaute Kartoffeln und organisierte Heizmaterial. Für den Kölner Kardinal Frings waren das in Notzeiten lässliche Sünden; der Volksmund nannte das ‚fringsen‘. Und als Abiturient schrieb er schon für den Berliner Tagesspiegel.

Zu Beginn der 50er Jahre ging er zum Ullstein-Verlag, wo er Mitte der 50er als Polizeireporter für die Berliner Morgenpost und das Boulevardblatts B.Z. eingesetzt wurde. Bei der B.Z. traf er seinen späteren ‚Medienpartner‘ Karl-Heinz Hagen.

Noch bevor Axel Springer 1959 den Ullstein-Verlag ganz übernahm, hatte Prinz diese Wirkungsstätte verlassen und war zusammen mit Karl-Heinz Hagen zur Illustrierten Quick im Th. Martens-Verlag nach München gewechselt. Dort steigerte das Duo die Auflage der zuvor etwas behäbigen Quick auf wöchentlich bis zu 1,7 Mio. Exemplare - Hagen als Chefredakteur, Prinz zunächst als Autor, dann als Chef der Bild-Redaktion und schließlich als Hagens Vize. Sie überrundeten Burdas Bunte und die Neue Illustrierte vom Hamburger Heinrich Bauer Verlag. Und sogar dem Marktführer Stern kamen sie sehr nahe.

Als Mitte 1966 die Titel des Verlags Th. Martens – Quick, Revue, Kicker und Twen – an den Heinrich Bauer Verlag verkauft wurden und Heinz van Nouhuys neuer Quick-Chefredakteur wurde, akzeptierte Günter Prinz das Angebot des Springer-Verlags, zusammen mit Hagen in der Münchner Dependance K&S neue Zeitschriftenformate zu entwickeln. Damals entstand zunächst das Magazin Eltern und im Jahr 1968 Jasmin – Die Zeitschrift für das Leben zu zweit. Gerade Jasmin profitierte damals von der sexuellen Befreiung, besonders popularisiert durch den Sex-Aufklärer Oswalt Kolle, der seine Aufklärungsserien in der Quick publiziert hatte. Auch Jasmin erreichte gleich zu Beginn Auflagen von mehr als 1,5 Mio. pro Heft.

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Doch bereits wenige Monate nach diesem fulminanten Jasmin-Start trennte sich Axel Springer von mehreren seiner Zeitschriftentitel, „aus Angst vor Kartelljuristen und Medienpolitikern“, wie der Spiegel damals anmerkte. Springers Münchner  Zeitschriftenverlag Kindler & Schiermeyer mit den Titeln Bravo, Eltern, Jasmin und dem von Bauer erworbenen Twen veräußerte Springer im Juli 1968 an den Drucker Hans Weitpert, der dafür 75 Mio. DM auf den Tisch legen musste.

Weitpert hatte sich durch den früheren Springer-Zeitschriftenvorstand Ernst Naumann verstärkt, der K& S bald zu Gruner + Jahr lotste. Dort herrschte eine deutlich andere Kultur – auch darum machte Günter Prinz 1971 einen weiteren und den für ihn wohl wichtigsten Karrieresprung, auf den journalistischen Chefsessel der BILD-Zeitung.

Amtsübergabe 1971: Axel Springer, Günter Prinz und Horst Fust (v.l.n.r.)

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Copyright: Axel Springer SE

Dort konnte er seine Leidenschaft als Boulevard-Journalist 10 Jahre lang - von 1971 bis 1981 - mit großem Erfolg ausleben, als der Mann, der sein Blatt zu immer neuen Höhenrekorden pushte. In dieser Zeit durchbrach er mit BILD die Schallmauer von 5 Millionen. So wurde Günter Prinz zu einem der einflussreichsten Journalisten in Deutschland. Sicher nicht immer unumstritten, denn seine früher selbstkritische Standardansage – „der deutsche Journalist bringt oft, was er glaubt – er sollte aber bringen, was er wirklich sieht“ – war bei einem so großen und überregionalen Boulevardblatt wie BILD nicht immer einzuhalten. Um erfolgreich zu bleiben musste man dort auch die Emotionen der Leser bedienen. Sein Credo: Die Sprache muss sinnlich sein. Die Leser müssen fühlen, frieren, lachen, betroffen oder ergriffen sein von dem, was sie in BILD lesen!“  Man folgte oft und gern der eher amerikanischen Maxime, die da lautet: „Only a bad news is a good news“.  Gut zumindest für die Erfolge am Kiosk.

Bereits im August 1971 startete Prinz die Aktion „BILD kämpft für Sie!“- zwecks Hilfe im Alltag und mit Behörden.

In schweres Fahrwasser geriet BILD, als Günter Wallraff 1977 getarnt als ‚Hans Esser‘ dreieinhalb Monate in der Lokalredaktion Hannover arbeitete und anschließend in seinem Buch „Der Aufmacher“ rüde Recherche-Methoden und manipulierte Berichterstattung anprangerte.

Aber Prinz wusste natürlich um die Wichtigkeit von Imagepflege. 1978 hatte der Verleger die Idee zu einer Kampagne für mehr Verkehrssicherheit für Kinder. Diese wurde als „Ein Herz für Kinder“ sofort in BILD und anderen Springer-Titeln gestartet.

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Copyright: Axel Springer SE

Im Springer-Verlag blieb Prinz der kreative und geniale Blattmacher: so erweiterte er die BILD-Familie durch Bild der Frau oder Auto-Bild und agierte von 1981 bis 1987 als Redaktionsdirektor für die gesamte BILD-Gruppe: BILD, Bild am Sonntag, Bild der Frau und Auto-Bild. Und sicherlich als visionärer Geburtshelfer für später noch folgende ‚Line-Extensions‘.

1983 wurde Günter Prinz ‚Medienmann des Jahres‘. Kein Glück hatte er mit der 1987 als ‚Zeitschriften-Innovation des Jahres‘ gepriesenen Zeitungs-Illustrierten Ja. Das Blatt wurde nach nur 16 Ausgaben eingestellt.

Im selben Jahr sein überraschender Verlagswechsel, als Herausgeber zur Illustrierten Bunte vom Burda-Verlag. Wo er auch an der Entwicklung der Superillu für die neuen Bundesländer mitgearbeitet hat, die Burda bald nach der Wende in Kooperation mit dem Nürnberger Sebaldus-Verlag herausgab. Auch das ein Riesenerfolg, weil dieses Blatt die Fragen, Interessen und Probleme der ehemaligen DDR-Bürger behandelte.

Doch schon im Juli 1991 kehrte Prinz zur Axel Springer Verlag AG zurück, nun als deren stellvertretender Vorstandschef.

v.l.n.r.: Büroleiter Claus Dieter Nagel, Axel Springer, Horst Fust, Alleinvorstand Peter Tamm, unbekannt, Günter Prinz

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1994, im Alter von 65 Jahren, begann er seinen Unruhestand. Nach wie vor voller Ideen und Aktivitäten, als institutioneller Berater oder persönlicher Ratgeber. Endlich aber auch als entspannter Privatmann, mit mehr Zeit für seine Familie. Er kümmerte sich um Haus und Garten, traf sich aber auch gern mit früheren Weggenossen. Gern in seinem Lieblingsrestaurant 'Casse Croute', gelegentlich auch in der Hamburger Milchstraße, etwa auf der Terrasse der 'Osteria Francesco'.

Günter Prinz ist am Abend des 14. Novembers 2020 im Alter von 91 Jahren in seinem geliebten Garten gestorben.

(hhb)