Robert Eduard Prutz war Schriftsteller, Pressehistoriker und einer der markantesten Publizisten in der Zeit des Vormärz. 1845 erschien seine „Geschichte des deutschen Journalismus“. Seine nachhaltigste Dichtung in der Zeit des Vormärz war die dramatische Satire „Die politische Wochenstube“, die ihm eine Anklage wegen Majestätsbeleidigung einbrachte. Denn stets hatte Prutz die Absicht verfolgt, die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse zu verändern. Zeitungen sollten seiner Meinung nach „nicht nur berichten, sondern auch richten“. Was die Zensur in jener Zeit natürlich nicht zuließ.
Prutz wurde als Sohn eines Kaufmanns am 30. Mai 1816 in Stettin geboren. Dort besuchte er das Marienstiftsgymnasium, damals die führende Schule in der Provinz Pommern. Anschließend studierte er von 1834 bis 1838 klassische Philologie in Berlin, in Breslau und in Halle an der Saale. Seine Versuche sich 1841 zu habilitieren, scheiterten sowohl in Jena wie auch in Halle aus politischen Gründen. Prutz vertrat im Vormärz wie viele oppositionelle Publizisten eine liberale Haltung und musste dafür einen hohen Preis bezahlen: Eine akademische Laufbahn wurde ihm zunächst verweigert.
Copyright: Von Adolf Neumann - http://www.projects.ex.ac.uk/gutzkow/Gutzneu/gesamtausgabe/Archiv/Bilder/ZeiGutz/Prutz1g.jpg;Die Gartenlaube. Leipzig 1870, S. 229, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12057948
Darum versuchte er sich als freier Journalist. Schon seit 1838 hatte er Aufsätze und Rezensionen für Arnold Ruges Hallische Jahrbücher verfasst, nun schrieb er auch für die Rheinische Zeitung für Politik, Handel und Gewerbe, bis die im März 1943 von den preußischen Behörden verboten wurde.
Von 1843 bis 1848 gab er das von ihm gegründete Literarhistorische Taschenbuch heraus und verfasste satirische Zeitgedichte, wie 1845 sein Spottgedicht „Pereant die Liberalen“ – also ‚nieder mit den Liberalen‘, die ihn offensichtlich enttäuscht hatten:
Pereant die Liberalen,
Die nur reden, die nur prahlen,
Nur mit Worten stets bezahlen,
Aber arm an Taten sind:
Die bald hier-, bald dorthin sehen,
Bald nach rechts, nach links sich drehen
Wie die Fahne vor dem Wind.
Pereant die Liberalen,
Jene blassen, jene fahlen,
Die in Zeitung und Journalen
Philosophisch sich ergehn:
Aber bei des Bettlers Schmerzen
Weisheitsvoll, mit kaltem Herzen
Ungerührt vorübergehn.
Pereant die Liberalen,
Die bei schwelgerischen Mahlen
Bei gefüllten Festpokalen
Turm der Freiheit sich genannt
Und die doch um einen Titel
Zensor werden oder Büttel
Oder gar ein Denunziant.
1845 erscheint auch seine „Geschichte des deutschen Journalismus“. Und weil er sich während der Märzrevolution wohl zurückgehalten hatte, wurde er 1849 doch noch in Halle zum außerordentlichen Professor für Literaturgeschichte an die Universität berufen. Da er dort aber recht bedrückende Rahmenbedingungen vorfand, verstärkte er wieder seine publizistischen Arbeiten und bat die Universität 1858, nach erneuten politischen Anfeindungen, endgültig um Entlassung.
Schon 1851 hatte er zusammen mit Wilhelm Wolfsohn in Leipzig die Wochenschrift Das Deutsche Museum gegründet, eine Zeitschrift für Literatur, Kunst und öffentliches Leben, die er bis 1867 redigierte. Darüber hinaus begann Prutz auch wieder Romane zu schreiben.
Seine letzten Lebensjahre verbrachte Robert Eduard Prutz in seiner Geburtsstadt Stettin, wo er am 21. Juni 1872 starb.
(hhb)
Quellen:
►Biografie Prutz aus OPUS - Publikationsserver der Universität Augsburg