Herbert Riehl-Heyse

Herbert Riehl-Heyse wurde am 2. Oktober 1940 in Altötting geboren. Zehn Tage vor Kriegsende musste er als Vierjähriger erleben, dass sein Vater am 28. April 1945 mit sechs weiteren Bürgern von einem SS-Kommando erschossen wurde. Sie hatten sich für eine friedliche Übergabe des Wallfahrtsortes an die Amerikaner eingesetzt.

Die drei NS-Funktionäre, die die Todesliste für den "Altöttinger Bürgermord" zusammengestellt hatten, wurden später freigesprochen. Dieses ungesühnte Verbrechen an seinem Vater prägte Herbert Riehl-Heyse. Eine skeptische Lebenshaltung wurde sein Markenzeichen: Distanz durch Ironie. Begleitet von einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit.

Nach Abschluss des Gymnasiums in Burghausen studierte er Jura. Der Jurist mit den beiden Staatsexamen wollte nicht in den Staatsdienst. Stattdessen trieb es ihn in den Journalismus. Er startete 1968 als Landtagsberichterstatter beim "Münchner Merkur". Weil sein Bruder Hans dort das Ressort Innenpolitik leitete, erweiterte er zur besseren Unterscheidung seinen Nachnamen um den Mädchennamen seiner Frau.

 

 

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Copyright: Teutopress / Süddeutsche Zeitung Photo

In dem konservativen Blatt war es für ihn nicht einfach, sein Verständnis für die liberale Sichtweise zu formulieren. Deshalb wechselte er 1971 als Reporter zur Süddeutschen Zeitung, die seiner Überzeugung entsprach und die ihn durch eine innere Pressefreiheit faszinierte. Nach 18 Jahren lockte ihn das Magazin Stern in die Chefredaktion. Bereits vier Monate später kehrte der in seiner bayerischen Heimat fest verwurzelte Riehl-Heyse zur vertrauten SZ zurück.

Er schrieb über 30 Jahre lang nicht nur Reportagen, seine Streiflichter waren legendär, dazu kamen Leitartikel, Essays und Glossen. Mit exakter Recherche, großer Detailfülle, ausführlichen Gesprächen und gründlichem Denken entwickelte er seinen unnachahmlichen, oft ironischen Schreibstil, der ihn zu einem wichtigen Autor der Süddeutschen Zeitung werden ließ. Die Leichtigkeit, Eleganz und Stilsicherheit machten den leitenden Redakteur zu einer "Edelfeder", zu einem journalistischen Vorbild.

Riehl-Heyse brachte seinen Lesern die Politik und deren Protagonisten nahe. Er war ein Journalist, der seine Leser an seinen Zweifeln teilhaben ließ, der seine Meinung nicht zum alleingültigen Maßstab machte. Und dessen Gerechtigkeitssinn über jedes Vorurteil siegte, der couragiert Menschen verteidigte, die Opfer einer Kampagne geworden waren.

Da er es für eine Illusion hielt, dass in den Nachrichten eine reine Objektivität hergestellt werden könne, gelangte er zu der Überzeugung, dass die vorsätzliche Subjektivität des Autors für den Leser hilfreicher und ehrlicher sei. Deshalb machte er sich selbst, "den Reporter", zum Subjekt der Geschichte, und weil er seine Gefühle und Ansichten so klar offenbarte, wirkten seine Texte am Ende oft objektiver als jene, die eine besondere Überparteilichkeit beanspruchten - eine Methode, die in der Medienforschung als "Objektivierung durch Subjektivierung" bezeichnet wird.

Als Journalist, dem Gründlichkeit, Reflexion und sprachliche Prägnanz viel bedeuteten, verurteilte er den Hang seines Berufsstandes zum schnellen, undifferenzierten Urteil ebenso wie die Mentalität der Bedenkenlosigkeit im Mediengeschäft. Auf verschiedenen Workshops und in Universitätshörsälen trat er als Mahner und Experte gegen den Verfall der ethischen Normen im Journalismus auf.

Für sein Wirken hat Herbert Riehl-Heyse zahlreiche journalistische Auszeichnungen erhalten unter anderen den Theodor-Wolff-Preis, den Egon-Erwin-Kisch-Preis und den Medienpreis des Deutschen Bundestages. Er schrieb auch zahlreiche Bücher, darunter "Ach, Du mein Vaterland" (1998) oder "Bestellte Wahrheiten" (Erstausgabe 1989).

Herbert Riehl-Heyse starb am 23. April 2003 in Eichenau. Ihm zu Ehren stiftete der Süddeutsche Verlag 2005 den Herbert-Riehl-Heyse-Preis. (he)

Homepage Herbert-Riehl-Heyse-Preis

Nachruf Süddeutsche Zeitung vom 24. April 2003: Im feinen Ton der Ironie

Rede von Bundespräsident Steinmeier zu 80. Jahre Süddeutsche Zeitung