Curt Riess

Die Pressebeiträge und Bücher des deutsch-amerikanischen Journalisten, Publizisten und Schriftstellers Curt Riess konzentrierten sich auf zwei thematische Schwerpunkte: im politischen Bereich auf das Verhältnis der Deutschen zum Nationalsozialismus und auf der Kulturseite vor allem auf das Theater und den Film.

Curt Riess wurde am 21. Juni 1902 in Würzburg als Sohn des Textilhändlers und Königlich-Bayerischen Hoflieferanten Bernhard Steinam und seiner Frau Jenny Strauß geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters heiratete seine Mutter Carl Riess, der ihren Sohn adoptierte. Nach seinem Abitur am Werner-Siemens-Realgymnasium in Berlin studierte Curt Riess in Heidelberg, Paris und München Germanistik, Philosophie und Literaturgeschichte.

Während einer Amerika-Reise entschloss er sich, Journalist zu werden und begann in Berlin zunächst als Sportreporter beim 12 Uhr Blatt. Bald darauf wurde er Feuilleton-Redakteur für dieses liberale Boulevard-Blatt sowie für die B.Z. am Mittag. Für beide Zeitungen berichtete er von seinen Reisen quer durch Europa und verfasste Theater- und Filmkritiken. Wegen seiner jüdischen Herkunft setzte er sich 1933 rechtzeitig über Wien und Prag nach Paris ab. Die Zeitung Paris-Soir schickte ihn als Korrespondenten in die USA. Schon kurz darauf berichtete er freiberuflich und – so umtriebig wie er war – für rund 25 europäische und amerikanische Zeitungen aus Paris, London, New York und Hollywood.

 

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Copyright: Brigitte Friedrich/Süddeutsche Zeitung Photo

Nach der Besetzung Frankreichs emigrierte er 1941 endgültig in die USA, deren Staatsbürger er schon im Jahr zuvor geworden war. Von Manhattan aus schrieb er Artikel für The Saturday Evening Post, den American Mercury oder Collier’s Weekly, wo seine zweite Frau als Redakteurin arbeitete. Seine Hauptthemen waren natürlich die Situation in Europa sowie der Nationalsozialismus und das Hitler-Regime in Deutschland. Als die USA im Dezember 1941 nach den Kriegserklärungen von Hitler und Mussolini in den Zweiten Weltkrieg eintreten mussten, wurde Riess von der US-Navy als Deutschland- und Europa-Kenner zunächst zur Feindaufklärung und für Gegenpropaganda sowie schließlich als Kriegsberichterstatter eingesetzt.

Bei Kriegsende befand er sich mit der US-Armee in Berchtesgaden, nahe an Hitlers Sitz am Obersalzberg. Riess berichtete als Korrespondent für mehrere amerikanische Zeitungen von den Nürnberger Prozessen. Anschließend arbeitete er bis Ende 1946 von Berlin aus – auch für die wieder gestartete Weltbühne – bis er dann in die USA zurückkehrte. Aber schon Anfang 1948 war er zurück in Berlin und schrieb über die Berlin-Blockade der Sowjets, unter anderen für France Soir.

1952 übersiedelte er in die Schweiz nach Zürich und heiratete dort seine dritte Frau, die österreichische Schauspielerin Heidemarie Hatheyer. Riess konzentrierte sich von nun an auf seine schriftstellerische Arbeit. Nach einer Biographie über Joseph Goebbels verfasste er weitere über Rolf Liebermann, Wilhelm Furtwängler, Gustaf Gründgens, Charles Chaplin, Jacky Kennedy-Onassis oder Romy Schneider und schrieb historische Sachbücher und Romane, teilweise unter verschiedenen Pseudonymen wie Martin Amstein, Peter Brandes und C.R. Martin.

Aus seinen mehr als 80 Büchern machte er immer wieder Artikel für die Massenmedien, wie zum Beispiel die für den STERN verfasste Serie über die Geschichte der UFA: "Das gab’s nur einmal."

Curt Riess verstarb am 13. Mai 1993 im Alter von 90 Jahren in Scheuren/Schweiz und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Enzenbühl bei Zürich beigesetzt.

(hhb)

 

Quellen:

Würzburg-Wiki: Curt Riess