Jürgen Roland

Jürgen Roland war ein bekannter Rundfunk- und Fernsehreporter. Berühmt wurde er als Pionier des deutschen Fernsehkrimis. Dafür stehen Krimi-Serien wie „Stahlnetz“, „Dem Täter auf der Spur“, „Tatort“ oder „Großstadtrevier“. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte er sich frühzeitig auf dieses neue Medium ausgerichtet, in Hamburg beim NWDR.

Jürgen Roland Schellack wurde am 25. Dezember 1925 als Sohn eines Kaufmanns in Hamburg geboren. Hier besuchte er das Gymnasium, machte 1943 das Notabitur, wurde zum Arbeitsdienst und danach zur Wehrmacht einberufen. Dort wurde er noch als Kriegsberichterstatter an der Ostfront eingesetzt.

Nach Kriegsende begann er als Rundfunkreporter bei Radio Hamburg, damals ein Sender der britischen Militärbehörde, bei dem ein kritischer Journalismus nach dem Vorbild der BBC eingeübt wurde. Am Jahresbeginn 1948 wurde Radio Hamburg dann als erste öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt in Nachkriegsdeutschland lizensiert - zum NWDR.

1948 wurde Jürgen Roland Regie-Assistent bei Fritz Kirchhoffs Pontusfilm. So begann auch seine frühe Mitarbeit im Versuchsbereich Fernsehen des NWDR. 1950 besuchte er die BBC-Fernsehschule in London. Wieder zurück im Jahr 1951, arbeitete er als Reporter für das Radioprogramm des NWDR – als ein Mann für alle Fälle, für Sport, Tagesgeschehen und Film-News. Doch die ganze Zeit behielt er dort auch die Entwicklung des Fernsehens im Auge.

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Jürgen Roland (rechts) vor Fotos des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Schlosses, 16. Februar 1977

Copyright: Bildnachlass Friedrich Magnussen (1914-1987), Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte 68.810

Mit Erfolg, denn am 4. April 1952 startete, noch im Rahmen eines TV-Versuchsprogramms, die Sendereihe „Was ist los in Hamburg?“, an der er mitgearbeitet hatte. Und im Jahr darauf begann Jürgen Roland seine spätere jahrelange Zusammenarbeit mit Wolfgang Menge, mit der Fernsehserie „Der Polizeibericht meldet ...“. Darin wurden aktuelle Kriminalfälle milieugerecht nachgestellt und journalistisch aufgearbeitet.

Kriminalfälle hatten Roland schon als Schüler fasziniert – da hatte er Krimistücke verfasst und sie mit Freunden in Szene gesetzt, am liebsten mit ihm als Meisterdetektiv. Als Rundfunkreporter berichtete er am liebsten aus St. Pauli und knüpfte dort Verbindungen zur Polizei. Solche Kontakte und seine Einblicke in Hamburger Polizei-Akten halfen ihm, das neue Unterhaltungsgenre TV-Krimi wirklichkeitsnah und spannend zu inszenieren.

Von 1958 bis 1968 liefen 25 Folgen von „Stahlnetz“, die stets auf realen Begebenheiten basierten und von ihm akribisch recherchiert worden waren. Denn in seinen Fernseh-Filmen wollte er immer „ein guter Reporter mit der Kamera sein“. Genau darum erreichten sie Rekord-Einschaltquoten, wie auf Anhieb die von ihm ab 1967 moderierte Krimi-Quiz-Reihe „Dem Täter auf der Spur“. Bei ihrer Erstsendung waren bereits 64 Prozent aller Bildschirme darauf eingeschaltet.

Ab Ende der 50er Jahre drehte Jürgen Roland auch Kinofilme: Berühmt geworden sind seine Edgar-Wallace-Verfilmungen, aber auch der Film „Polizeirevier Davidswache“.

In den 70er Jahren drehte er zehn „Tatort“-Episoden und ab 1986 die Vorabendserie „Großstadtrevier“ für die ARD. Deren Publikumserfolg erklärte Jürgen Roland mit einem Zitat von Billy Wilder: „Um einen erfolgreichen Film zu drehen, braucht man drei Dinge ... ein gutes Buch, ein gutes Buch, ein gutes Buch!"

2005 wurde Roland dafür mit der „Goldenen Kamera“ ausgezeichnet für die beste deutsche Kultserie – einem Dauerbrenner, für den er 47mal Drehbücher verfasst und Regie geführt hatte. Und in denen er wie sein Vorbild Alfred Hitchcock gelegentlich auch selbst als Statist auftrat.

Jürgen Roland starb nach langer Krankheit im Alter von 81 Jahren am 21. September 2007 in Hamburg.

NDR-Intendant Jobst Plog über den langjährigen Mitarbeiter: „Jürgen Roland gehörte zur Riege junger Radioreporter, die nach dem Krieg zum legendären Ruf des damaligen NWDR beitrugen. Schon früh entdeckte er das Thema, das ihn nie wieder losließ: das Abenteuer Wirklichkeit. Im Kiez-Milieu und im Hamburger Hafen fand er die Stoffe, die er später filmisch umsetzte. Jürgen Rolands Produktionen fesselten Millionen. Er zählt zu den ganz großen Pionieren des deutschen Fernsehens; er hat dieses Medium geprägt wie nur wenige andere.“

(hhb)

 

Quellen:

Cut! – Jürgen Roland, ein Pionier des Krimis / NDR Kultur am 20.9.2017

Jürgen Roland / Film- und Fernsehmuseum in Hamburg

Biographie Jürgen Roland / Prisma

Jürgen Roland / filmportal.de

Habe genug für die Unsterblichkeit getan / Süddeutsche Zeitung am 17.5.2010

Jürgen Roland ist tot / TV Today

Der Meister des Kriminalfilms ist tot / STERN am 23.9.2007

Der Vater des Großstadtreviers ist tot / DIE WELT 23.9.2007

Mr. Stahlnetz ist tot / SPIEGEL kultur am 23.9.2007