Dirk Sager

Der Fernsehreporter Dirk Sager berichtete mehr als 35 Jahre für das ZDF – davon allein 17 Jahre direkt aus Moskau. Als langjähriger Korrespondent und Leiter des Studios Moskau wurde er zu einem intimen Kenner des Landes – und informierte sowohl zu Zeiten des Kalten Kriegs, dann über die beginnende Ost-West-Entspannung und schließlich über die deutsch-deutsche Wiedervereinigung und die Zeit danach.

Dirk Sager wurde am 13. August 1940 in Hamburg geboren. Er wuchs in Neumünster auf, besuchte dort die Grundschule und das Holsten-Gymnasium. Später wurde er Schüler des reformpädagogischen Internatsgymnasium Marienau in Dahlem, Landkreis Lüneburg. Bevor er dort 1961 sein Abitur machte, war er im Schuljahr 1958/59 als Austauschschüler an der ebenfalls reformpädagogischen Stockbridge School in Massachusetts/USA.

An der Freien Universität Berlin (FU) studierte er von 1962 bis 1968 Amerikanistik, Politische Wissenschaft und Publizistik und begann bereits parallel dazu seine journalistische Laufbahn. Er absolvierte mehrere Volontariate und arbeitete freiberuflich für Radio Bremen und die Westfälische Rundschau, bis er 1966 als Redakteur im Bildungsprogramm von RIAS Berlin tätig wurde.

1968 wurde er Redakteur beim ZDF, zunächst im Studio Berlin, wo er für die Sendung „drüben“ arbeitete. Von 1974 bis 1978 war er als Korrespondent im Ost-Berliner ZDF-Studio und ging anschließend bis 1980 in gleicher Position nach Washington. Von 1980 bis 1984 war er dann zum ersten Mal als Korrespondent in der Sowjetunion.

Danach kehrte er zurück und leitete bis 1990 die Redaktion des Polit-Magazins „Kennzeichen D“. Nach dem Besuch Honeckers 1987 in der Bundesrepublik durfte Sager eine Live-Sendung direkt aus dem Ost-Berliner Palast der Republik moderieren, in der er ein Interview mit Egon Bahr führte, der bekanntlich den Leitgedanken „Wandel durch Annäherung“ geprägt hatte.

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Kennzeichen D, politische Fernsehsendung vom ZDF, Berichte über die BRD und DDR, 1989

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1990 kehrte er wieder nach Moskau zurück, nun als Leiter des dortigen ZDF-Studios und blieb dort bis 2004.

Nach all seinen Jahren Korrespondentendienst in Moskau fasste er in einem SPIEGEL-Interview das Verhältnis zwischen der russischen Regierung und Reportern so zusammen: Wenn wir nicht nützlich sind, dann sind wir ärgerlich. Das möchte man abstellen.“ Als er dann 2002 mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnet wurde, merkte der DDR-Kritiker Wolf Biermann in seiner Laudatio an: „Sager hat immer wieder zwei Worte gewagt, um die wir uns am Ende nicht drücken können: Nein! und Ja!“ Und ergänzte: „Sager habe immer ein möglichst wahres und zudem klares Bild der Realitäten von der unsichtbaren, der östlichen Rückseite des politischen Mondes geliefert.“

Nach seinem Abschied aus dem ZDF-Studio Moskau wurde er in der ZDF-Chefredaktion Korrespondent mit besonderen Aufgaben. Als solcher produzierte er noch mehrere große Reportagen in Sibirien und Kaliningrad. In diesen Dokumentationen schilderte er die Schönheit dieses riesigen Landes und die Lebensweisen wie Probleme der Bewohner in den sehr unterschiedlich entwickelten Regionen.

Und schließlich produzierte er noch eine letzte Fernsehserie: „Berlin – Saigon“. Ein Reise-Abenteuer über mehr als 16.000 Kilometer in Dutzenden Zügen abseits von etablierten Touristenrouten – von Berlin durch weite Teile Asiens bis nach Vietnam. Danach setzte er sich zur Ruhe, schrieb aber noch einige sehr lesenswerte Bücher.

Bleibt noch zu erwähnen, dass Dirk Sager Mitglied des deutschen PEN-Zentrums war und sich als langjähriges Mitglied von Reporter ohne Grenzen weit über seinen Ruhestand hinaus für Pressefreiheit engagierte.

Dirk Sager starb am 2. Januar 2014 im Alter von 73 Jahren in Potsdam.

(hhb)

 

Quellen

Dirk Sager Kurzbiographie / Hanns Joachim Friedrichs Preis

ZDF trauert um Reporter Dirk Sager / ZDF heute.de am 2.1.2014

ZDF-Reporter Dirk Sager gestorben / SPIEGELkultur am 2.1.2014

Michael Hanfeld: Die kluge Stimme aus Moskau / FAZ vom 2.1.2014

Ein Kenner und Versöhner – TV-Journalist Dirk Sager verstorben / t-online 2.1.2014

Arne Dedert: Früherer ZDF-Korrespondent Dirt Sager gestorben / Braunschweiger Zeitung 2.1.2014

Trauer um Dirk Sager / Reporter ohne Grenzen am 3.1.2014

Lothar Heinke: Dirk Sager – er nahm nicht nur seine Zuschauer im Westen ernst / Tagesspiegel am 10.1.2014

 

Bücher

Dirk Sager:  Russland hoher Norden: Eine Reise von St. Petersburg bis zum Polarmeer / Rowohlt 2005 und rororo 2006

Dirk Sager:  Berlin–Saigon - Eine Reise in die andere Hälfte der Welt / rororo 2008

Dirk Sager:  Pulverfass Russland - Wohin steuert die Großmacht? / rororo 2009

 

Film-Dokumentationen

Momentaufnahmen – Fernsehserie 1976-1981 - Regie

Russlands Ströme – Russlands Schicksal / Fernsehserie 2001 - Regie und Drehbuch

Sibiriens Schicksalstrom – Der Jenissei / Fernsehserie 2005 - Regie

Königsberg – Ferne, fremde Heimat. Hoffnung am Haff / Fernsehfilm 2005 - Regie und Drehbuch

Königsberg – Ferne, fremde Heimat. Ostpreußen und das Erbe Stalins /   Fernsehfilm 2005 - Regie und Drehbuch

Berlin-Saigon / Fernsehserie 2007 - Regie und Drehbuch