Moritz Gottlieb Saphir (1795 – 1858) gehörte zu den Feuilletonisten der ersten Stunde und berichtete stets pointiert und oft voller Wortwitz über Literatur und deren Autoren. Oder, oft satirisch zugespitzt, über neue Theaterstücke und die Reaktionen des Publikums darauf. Und er war ein ideenreicher Blattmacher, der mehrere erfolgreiche Journale erdacht und zum Erfolg geführt hat.
Moritz Gottlieb Saphir wurde als Moses Saphir 1795 in eine orthodoxe jüdische Kaufmannsfamilie hinein geboren, zu Lauschbrünn nahe Pest, dem heutigen ungarischen Lovas-Berény. In Pressburg besuchte er zunächst eine Talmudschule und wechselte von dort nach Prag an die dortige rabbinische Schule, weil die Familie wünschte, dass er Rabbiner werde. Darüber zerstritt er sich schon als Elfjähriger und durfte auf eine deutschsprachige Schule wechseln, wo er sich intensiv mit deutscher, englischer und französischer Literatur beschäftigte. 1814 wurde er nach Ungarn zurückbeordert, um ins väterliche Geschäft einzutreten. Was allerdings schiefging, und so durfte er wieder zurück nach Pest, um dort Griechisch und Latein zu studieren.
Da hatte er längst seine Liebe zur Schriftstellerei entdeckt und veröffentlichte seine poetischen Erstlinge in der Zeitschrift Pannonia, wo er damit Aufmerksamkeit erregte. So wurde er 1822 als Hauptmitarbeiter von der damals führenden Wiener Theaterzeitung engagiert. Er schrieb aber auch für andere Blätter, etwa für das Conversationsblatt, den Literarischen Anzeiger oder den Sammler, und arbeitete als Korrespondent für die Feuilletons mehrerer deutscher Zeitungen. Durch seine gnadenlosen Kritiken und bissigen Satiren machte er sich bald derart unbeliebt, dass er 1825 ausgewiesen wurde und nach Berlin zog.
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Dort wirkte er zunächst als Redakteur der Berliner Schnellpost für Litteratur, Theater und Geselligkeit, die unter seiner Leitung großen Aufschwung beim damals skandalsüchtigen Berliner Lesepublikum machte. Was dann zur Gründung eines wirklichen Skandalblattes führte, seinem Berliner Courier. Darin stritt er mit angesehenen Berliner Schriftstellern wie Alexis, Fouqué, Gubitz oder Rellstab und zog dabei die Lacher zumeist auf seine Seite. Der Berliner Courier war durch seine humoristischen Artikel und die oft gezielten Witzeleien bei den Lesern außerordentlich beliebt und bei den durch den Kakao gezogenen natürlich gefürchtet.
1827 hatte Saphir zudem die einflussreiche literarische Gesellschaft „Tunnel über der Spree“ gegründet, die Theodor Fontane später ►„als persönliche Leibwache“ Saphirs verspottete.
Auch in Berlin hatte sich Saphir trotz dieses Sonntagsvereins bald unbeliebt gemacht, wurde zudem kurz wegen Unehrerbietigkeit gegen die preußische Polizei vorübergehend in Festungshaft genommen und ging daraufhin auf Einladung des Stuttgarter Buchhändlers Frankh nach München. Wo er zusammen mit Frankh zwei Journale gründete, den Bazar und den Deutschen Horizont. Darin verspottete er nun Münchner Schauspieler, die dortige Theater-Intendanz und schließlich sogar das bayrische Königshaus. Worauf er wegen Majestätsbeleidigung verurteilt und in die Frohnveste eingesperrt wurde, so lange, bis er vor dem König Abbitte geleistet hatte und München verlassen durfte.
Nächste Station war Paris, wo er sich zurückhaltender verhielt und so 1831 von König Ludwig die Erlaubnis erhielt, nach München zurückzukehren. Dort übernahm er die Redaktion des Bairischen Beobachter und von dessen Conversationsblatt. Und vertrat darin einen gemäßigteren Liberalismus. Wohl darum wurde Saphir vom König zum Intendanzrat der Hofbühne ernannt. Und blieb bis 1834 in München.
Dann kehrte er nach Wien zurück, wo ihm aber die Herausgabe eines eigenen Blattes untersagt wurde. So arbeitete er wieder für die Wiener Theaterzeitung und redigierte ab 1837 die Zeitschrift Der Humorist bis zu seinem Tode im Jahr 1858.
1848, während der Wiener Märzrevolution, entfloh er vorübergehend ins österreichische Baden. In der Zeit danach stumpfte seine satirische Feder merklich ab. Und als er doch einmal wieder in gewohnter Manier seine jungen Kollegen angriff, kam es in Wien zu einem regelrechten Zeitungskrieg zwischen dem gealterten Humoristen und der selbstbewusst agierenden nachgewachsenen Generation um Rudolf Wagner alias Rudolph Valdek. Durch diesen Zeitungskrieg drehte sich die öffentliche Meinung, nicht zuletzt durch einen Aufsatz, den der Schriftsteller Ludwig Julius Semlitsch 1856 im Abendblatt Nr. 55 der Donau veröffentlicht hatte: „Abwicklung der Saphir-Mumie“. Da hatte Moritz Saphir endgültig seinen Nimbus verloren.
Immerhin aber war Saphir in der Zeit des Vormärz einer der meistumjubelten, aber auch meistgehassten, einer der meistgelesenen und meistverehrten Humoristen. Und ein ideen- und erfolgreicher Blattmacher. Einigen galt er als „Hebamme des Revolverjournalismus“, andere wie der Literaturwissenschaftler und Publizist Heinrich Hubert Houben bezeichnete 1909 allein seine Herausgabe der Berliner Schnellpost und des Berliner Couriers als „den eigentlichen Beginn der Berliner Journalistik“. Immerhin hatte er lange Zeit keine Angst vor Obrigkeiten und schleuderte seine Pfeile voller Wortwitz gegen sie, wo und wann immer er das für richtig und wirksam hielt.
Saphir starb am 5. September 1858 in Baden bei Wien.
(hhb)
Quellen:
Moritz Gottlieb Saphir im ►Biographischen Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Band 28 von 1874