Winfried Scharlau arbeitete fürs Fernsehen als Asien-Korrespondent, als Kriegsberichterstatter, als Chefredakteur beim NDR oder als Studioleiter der ARD in Washington. Weithin bekannt wurde er als das Gesicht des „Weltspiegels“, den er insgesamt 16 Jahre lang moderierte – und zeitweise als Redaktionsleiter und Moderator von „Panorama“. Zudem war er Regisseur eines Fernsehfilms und zuletzt Direktor des Hamburger Landesfunkhauses.
Winfried Bernhard Scharlau wurde am 12. Juni 1934 in Duisburg als Sohn eines Arztes geboren. Er besuchte das Gymnasium in Duisburg-Meiderich und machte dort 1954 sein Abitur. Danach studierte er Germanistik, Geschichte, Philosophie, Jura und Slawistik an den Universitäten in Münster und Innsbruck. 1960 promovierte ihn die Universität Münster zum Dr. phil. Durch ein Stipendium des DAAD Deutschen Akademischen Austauschdienstes konnte er einen Postgraduierten-Aufenthalt am St. Antony’s College in Oxford absolvieren und dort 1963 zusätzlich den Ph.D.-Titel erwerben (Doctor of Philosophy).
Ab 1964 wurde Scharlau redaktioneller Mitarbeiter beim NDR. 1967/68 erlebte er als Asien-Korrespondent den damaligen Dschungelkrieg und die Tet-Offensive auf Südvietnam.
Nach seiner Rückkehr wechselte er kurzzeitig zum SPIEGEL, kehrte aber schon 1969 zum NDR zurück, wo er von da an bis 1973 den „Weltspiegel“ moderierte. 1970 hatte er zudem das Drehbuch des TV-Films „Der Held von Tannenberg“ über Paul von Hindenburg verfasst und bei der Verfilmung dann Regie geführt.
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Aber seine von ihm selber als „Asien-Bazillus“ diagnostizierte Unruhe trieb ihn zurück an die dortigen Orte des Geschehens. So berichtete er von 1974 bis 1978 als ARD-Korrespondent von Hongkong aus über das Geschehen in Südost-Asien – nun über die Endphase des Vietnamkriegs. Wieder mittendrin – 1975 verließ er als einer der letzten Journalisten das bereits von Nordvietnamesischen Truppen eingeschlossene Saigon.
Von 1978 bis 1981 war Scharlau Chefredakteur des NDR Fernsehens in Hamburg. Doch der Bürosessel war nichts für ihn – er sah sich als Reporter, der über selbst Erlebtes anschaulich berichten wollte. So kehrte er erneut nach Asien zurück, jetzt mit Sitz in Singapur. Und informierte weiter über aktuelle Ereignisse in Vietnam oder über den spektakulären Machtwechsel auf den Philippinen. Außerdem produzierte er zahlreiche Reportagen über das Leben der Menschen in Fernost. „Diese Menschen beeindrucken mich immer wieder durch ihre Leistungs- und Leidensbereitschaft. Ich bewundere ihre sozialen Tugenden, die sie im Zusammenleben auf engstem Raum entfalten", so äußerte er sich dazu in einem Interview.
1991 wurde er dann ARD-Studioleiter in Washington und arbeitete zeitweise mit Wolf von Lojewski zusammen. 1993 kehrte er endgültig zurück nach Hamburg, als NDR-Direktor des Landesfunkhauses Hamburg. Nun übernahm er erneut die Moderation der „Weltspiegel-Sendungen“ bis zum Jahr 2000, also selbst noch während seines Ruhestands. 2003 führte er noch zusammen mit dem chinesisch-deutschen Journalisten Ming Shi Regie in der zweiteiligen Dokumentation über Maos Kulturrevolution „Maos letzte Schlacht“.
Winfried Scharlau starb am 7. Dezember 2004 im Alter von 71 Jahren in Hamburg und wurde auf dem Nienstedtener Friedhof beigesetzt.
Der NDR-Intendant Jobst Plog würdigte ihn mit diesen Worten: „Scharlau war einer der profilierten ARD-Journalisten, der immer Fairness und Sachlichkeit verkörperte. Er stand für die Unabhängigkeit und Qualität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Für junge Kolleginnen und Kollegen im NDR und der ARD wurde Winfried Scharlau zum großen Vorbild. Er war ein Markenzeichen der ARD - ein unabhängiger Journalist aus Leidenschaft.“
(hhb)
Quellen
Silke Mertins: Alltag im Kugelhagel / taz-Serie Grenzgänger
Winfried Scharlau im Gespräch mit Peter Mezger / BRonline 20.4.2004
TV-Journalist Winfried Scharlau gestorben / SPIEGEL Kultur 8.12.2004
ARD trauert um NDR-Journalisten Winfried Scharlau / Presseportal 8.12.2004
Der NDR trauert um Winfried Scharlau / DIE WELT 9.12.2004
Bücher
Winfried Scharlau: Vier Drachen am Mekong – Asien im Umbruch / DVA 1989
Winfried Scharlau: Der General und der Kaiser. Die amerikanische Besatzung Japans 1945-1952 / H.M. Hauschild Verlag Bremen 2003