Der österreichische Journalist und Politiker Maximilian Schreier setzte sich früh für eine soziale Besserstellung seines Berufsstandes ein. Er war zudem Herausgeber und Gründer mehrerer Zeitungen. Wegen seiner nazifeindlichen Haltung wurde er nach dem Anschluss Österreichs jahrelang inhaftiert und nahm sich schließlich 1942 das Leben.
Maximilian Schreier wurde am 23. Mai 1877 in Brünn/Mähren geboren, im damaligen Kaiserreich Österreich-Ungarn. Dort besuchte er das Gymnasium. Da er aus finanziellen Gründen nicht studieren konnte, schloss er sich als Mitarbeiter dem Arbeiterbildungsverein Gumpendorf an. Dort knüpfte er erste Kontakte zu Sozialdemokraten.
Gelegentlich verfasste er schon journalistische Beiträge für das Satireblatt Kikeriki und startete dann 1897 die Freie Volksbühne. Von 1898 bis 1901 war er Mitarbeiter von Die Wage, einer politisch-kulturellen Zeitschrift, und wurde danach zunächst Lokalredakteur und später Mitarbeiter im Parlamentsressort der Oesterreichischen Volkszeitung in Wien.
Copyright: Von Autor/-in unbekannt (Monogrammist H. E.) - Der Morgen. Wiener Montagblatt. 3. Februar 1919, 10. Jg., Nr. 5, S. 10( http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dmo&datum=19190203&seite=10&zoom=33 ), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=74144376
Als Mitglied im Presseclub Concordia, einer 1859 gegründeten unabhängigen Journalistenvereinigung, setzte sich Schreier für eine bessere soziale Absicherung ein, für Informations- und Pressefreiheit sowie journalistische Ethik. Dort wurde Schreier Schriftführer, stellvertretender Präsident und Mitglied des Ehrengerichts. 1919 konnte er schließlich die lange umkämpfte Aufnahme für Frauen durchsetzen.
Ende 1909 gründete er zusammen mit Carl Colbert die Wiener Zeitungsgesellschaft und gab ab Januar 1910 die Zeitung Der Morgen –- Wiener Montagsblatt heraus, die wöchentlich am Montag erschien und sich in wenigen Jahren zur größten politischen Montagszeitung in der Ersten Republik Österreichs entwickelte.
Ab 1917 war er dort der alleinige Geschäftsführer, übernahm die angeschlagene Tageszeitung Die Zeit, benannte sie in Der Morgen um und führte sie neben dem wöchentlich erscheinenden Der Morgen – Wiener Montagsblatt als Tageszeitung fort.
Am Ende des Ersten Weltkriegs wurde Schreier von Dezember 1918 bis Mai 1919 Mitglied des Provisorischen Gemeinderats der Stadt Wien und kandidierte 1919 bei der Wahl zur konstituierenden Nationalversammlung für die sozialliberale Demokratische Partei. 1919 hatte er sich zudem an der satirischen Zeitschrift Der Götz von Berlichingen beteiligt – die er später nach längerer Unterbrechung ihres Erscheinens ab 1923 allein herausgab.
1922 hatte Schreier zusammen mit dem Finanzier und Börsenspekulant Siegmund Bosel die linksliberale Zeitung Der Tag gegründet, die aber schon 1925 wegen Fehlspekulationen des Mitinhabers Bosel in Turbulenzen geriet und nur mit Hilfe des Prager Pressekonzerns Orbis gerettet werden konnte. Im Juli 1930 wurde Der Tag in Der Wiener Tag umbenannt. In ihrer Redaktion arbeiteten neben Chefredakteur Maximilian Schreier weitere hervorragende Feuilletonisten und Journalisten wie Hugo Bettauer, Fred Heller, Arnold Höllriegel, Robert Musil,► Alfred Polgar, Walther Rode, Arthur Rundt oder Gustav Stolper – sie alle waren überzeugte Demokraten und Gegner des aufkommenden Faschismus. Schon 1931 wandte sich Schreier auf Seiten der Sozialdemokratie energisch gegen die Politik von Dollfuß und dessen austrofaschistischen Ständestaat, was dazu führte, dass er 1934 politisch verfolgt und gezwungen wurde, nicht mehr als Journalist zu arbeiten.
Schreier wurde sofort nach dem Anschluss Österreichs wegen seiner nazifeindlichen Haltung verhaftet und ins KZ Buchenwald eingeliefert. Er und viele seiner Mitarbeiter wurden zudem wegen ihrer jüdischen Wurzeln ab August 1938 in der Propaganda-Schau „Der ewige Jude“ in der Wiener Nordwestbahnhalle verhöhnt.
Im Juni 1939 wurde Schreier wieder nach Wien zurückgebracht und im Frühjahr 1940 in einem politischen Prozess zu 18 Monaten Kerker verurteilt. Trotz einer Einreisegenehmigung nach Schweden wurde ihm nach Verbüßung dieser Strafe die Ausreise verwehrt. Seine letzten Monate verbrachte er schwerkrank im Wiener Rothschild-Spital, wo er sich offenbar am 15. Juni 1942 das Leben nahm. Er wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.
(hhb)
Quellen
Schreier Maximilian: Österreichisches Biographisches Lexikon / Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1999
Schreier Maximilian / Biographie – Universität Klagenfurt
Maximilian Schreier: Wien Geschichte
Susanne Swantje Falk: NS-Pressepolitik in Österreich ab 1938 am Beispiel eines Wiener Verlagshauses / Zukunft braucht Erinnerung 6.11.2004
Artikel, Essays, Glossen
Maximilian Schreier: Wir jubilieren trotz alledem! / in Der Tag am 11.11.1928