Rolf Seelmann-Eggebert

Journalistisch wurde Rolf Seelmann-Eggebert vor allem als Adelsexperte bekannt, weil er für die ARD mehr als 40 Jahre lang über alle europäischen Königs- und viele Fürstenhäuser berichtete. Man sollte aber nicht vergessen, dass er schon seit 1956 freiberuflich für den NDR gearbeitet hat – später als Leiter der Reportage-Abteilung und als Korrespondent in Afrika oder London.

Werner Erhard Rolf Seelmann-Eggebert wurde am 5. Februar 1937 in Berlin als jüngster Sohn eines Rechtsanwalts und Notars geboren. Sein Vater verfasste Testamente und erledigte Treuhandangelegenheiten für viele Angehörige des hohen Adels – darunter auch das Testament des abgedankten Kaisers Wilhelm II. während dessen Exilzeit in Doorn. Sicher mit ein Grund dafür, dass Georg Moritz von Sachsen-Altenburg einer von Rolfs Paten wurde.

Nach seinem Abitur am Kaiser-Wilhelm-Gymnasium in Hannover studierte er ab 1956 Soziologie, Völkerrecht und Ethnologie in Bristol, München, Hamburg, Hannover und Göttingen. Er beendete dies breit angelegte Studium als M.A. Magister Artium.

Schon während dieser Ausbildungszeit war er zunächst Volontär und später freier Mitarbeiter bei Pressemedien und dem damaligen NWDR Nordwestdeutscher Rundfunk. So berichtete er 1962 etwa über die schwere Sturmflut in Norddeutschland. Nach der Teilung des Senders in NDR und WDR blieb er beim NDR als freier Mitarbeiter für Hörfunk und Fernsehen. Ab 1964 leitete er dann dessen Reportage-Abteilung in Hannover.

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Bei der Festveranstaltung im Opernhaus in Hannover anlässlich der Eröffnung der Niedersächsischen Landesausstellung 2014

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Von 1968 bis 1971 informierte er als ARD-Hörfunk-Korrespondent von der Elfenbeinküste in Westafrika – ab 1972 bis 1976 dann als Fernsehkorrespondent aus Nairobi. 1977 war er kurzzeitig Sonderkorrespondent in Hamburg, bis er im Jahr darauf als Fernsehkorrespondent und ARD-Studioleiter nach London ging.

Dort hatte er sein Debüt als Adelsexperte, als er 1978 über den 30. Geburtstag von Charles III., damals noch Prince of Wales, berichtete. Aus London sendete er dann regelmäßig das TV-Magazin "Rund um Big Ben" – mit Neuigkeiten aus dem Vereinigten Königsreich. Keineswegs nur "Schön-Wetter-Berichte": Seine Themen waren auch Jugendkrawalle, Streiks, Arbeitslosigkeit oder der Bürgerkrieg in Nordirland.

Im Januar 1982 wurde Seelmann-Eggebert Programmdirektor des Dritten Fernsehprogramms der damaligen NDR-Nordkette und blieb das bis 1989. In diesen Jahren entstand in Zusammenarbeit mit István Bury die elfteilige Serie "Königshäuser" mit Porträts europäischer Monarchen. Die Folge "Royalty – ein Jahr im englischen Königshaus" wurde 1985 mit der "Goldenen Kamera" ausgezeichnet.

Später musste er eine der größten Pannen in der deutschen Fernsehgeschichte mitverantworten: Als am Silvesterabend 1986 versehentlich Helmut Kohls Neujahrsansprache vom Vorjahr übertragen wurde. Für Seelmann-Eggebert ein Albtraum.

Endgültig wurde er ab dem silbernen Thronjubiläum von Elizabeth II. immer mehr zum Adelsexperten der ARD. Als "Königsfritze", wie er sich selber bezeichnete, schilderte er in jedem Jahr live das jeweilige Geschehen um "Trooping the Colour" zu Ehren der Königin. Wie ► hier im Jahr 2017.

Natürlich begleitete er auch die Beerdigung von Diana, Fürstin von Wales, oder die Hochzeit ihres Sohnes Prinz William mit Kate.

Die "Last Night oft he Proms" kommentierte er 34mal, von 1982 bis 2015 live aus der Royal Albert Hall. Denn Seelmann-Eggebert war musikbegeistert, spielte selbst Geige und seine Frau Bratsche. Immer wieder moderierte er Konzerte etwa beim Schleswig-Holstein Musik-Festival, dort besonders gern in Ehmkendorf. Und gelegentlich dirigierte er sogar.

Für seine Arbeit als Hörfunk- und Fernsehjournalist wurde Seelmann-Eggebert mehrfach ausgezeichnet und geehrt: 1985 mit dem "Goldenen Gong" und der "Goldenen Kamera"; 1992 mit dem "Bambi" und 2011 mit dem "Deutschen Fernsehpreis". 1992 erhielt er den Orden "Commander of the British Empire" und 2002 nach seinem Verdienstkreuz am Bande zusätzlich das "Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland".

Als 2007/2008 ein Finanz- und Spendenskandal um UNICEF-Deutschland von der Frankfurter Rundschau und der FAZ aufgedeckt wurde, trat Rolf Seelmann-Eggebert, der sich bis dahin zwölf Jahre lang als ehrenamtliches Vorstandsmitglied für UNICEF-Deutschland engagiert hatte, zusammen mit allen anderen Vorstandsmitgliedern zurück.

Rolf Seelmann-Eggebert starb am 22. August 2025 im Alter von 88 Jahren in Hamburg.

NDR-Intendant Joachim Knuth über den Verstorbenen: "Rolf Seelmann-Eggebert hat unser Programm entscheidend geprägt – als Adelsexperte, aber auch in vielen anderen Bereichen. Über sechs Jahrzehnte hinweg machte er für den NDR Reportagen und Dokumentationen, war Moderator und Kommentator. Ob er aus Krisengebieten berichtete, die ungleiche Verteilung des globalen Reichtums thematisierte oder royale Großereignisse begleitete – immer überzeugte er die Zuschauerinnen und Zuschauer durch seine profunde Sachkenntnis und seinen taktvollen Umgang mit Themen und Menschen. Rolf Seelmann-Eggebert war ein vorbildlicher Journalist. Der NDR hat ihm viel zu verdanken.“

 

(hhb)

 

Quellen

Christiane Kühn: Seelmann-Eggebert / elbvororte.de am 5.7.2000

Promi-Geburtstag vom 5. Februar 2017 – Rolf Seelmann-Eggebert / stern 11.2.2017

Eva-Maria Lemke: Rolf Seelmann-Eggebert: Ehemaliger ARD-Adelsexperte ist tot / NDR am 22.8.2025

Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert ist gestorben / eine TV-Doku des NDR am 22.8.2025

 

Bücher + Schriften

Rolf Seelmann-Eggebert: Das Kap der Stürme: Südafrikas Weg in die Krise / Klett-Cotta

Rolf Seelmann-Eggebert: Deutsche Fürstenhäuser / Econ-Verlag 1998

Rolf Seelmann-Eggebert: In Hütten und Palästen - Ein Reporterleben / Kösel-Verlag München, 2019