Philipp Jakob Siebenpfeiffer

Der Jurist und Publizist Dr. Philipp Jacob Siebenpfeiffer machte mit seinen kritischen Schriften auf die politischen Missstände im Deutschen Bund aufmerksam. Durch dieses publizistische Engagement wurde er zu einem der bekanntesten liberal-demokratischen Streiter in der Zeit des Vormärz. Denn nach der französischen Revolution und den Freiheitskriegen gegen Napoleon waren die Habsburger und andere deutsche Fürsten wieder zu ihrem reaktionären Kurs zurückgekehrt. Siebenpfeiffer unterstützte daraufhin mit seinen Publikationen die liberale Opposition, wandte sich gegen die wieder eingeführte Zensur und kämpfte engagiert für Presse- und Redefreiheit in Deutschland.

Philipp Jakob Siebenpfeiffer wurde am 12. November 1789 in Lahr geboren, das damals zur Grafschaft Nassau-Saarbrücken gehörte. Im Alter von zehn Jahren verlor er beide Eltern und wurde daher von einer Tante aufgezogen. Nach Ende der Schulzeit wurde er mit 14 Jahren „Oberamtsschreiberincipient“ in seiner Heimatstadt Lahr. Vier Jahre später versetzte man ihn zur Finanzverwaltung in Freiburg, wo er im Jahr darauf mit Hilfe eines Stipendiums ein Jurastudium an der dortigen Universität beginnen konnte. Die liberalen Weltanschauungen seiner Professoren prägten seine Überzeugungen nachhaltig. 1813 schloss er sein Jurastudium mit Staatsprüfung und Promotion ab.

Schon 1806 hatte er sich einem Bund gegen die Tyrannenherrschaft Napoleons angeschlossen; darum konnte er im Februar 1814 in einem Brief an seinen früheren Professor Rotteck jubeln: „Euer Hochwohlgebohrn / theile ich in der Anlage ganz zitternd vor Freude die offizielle Nachricht mit von dem großen von den Alliierten erfochtenen Siege“ und schloss darin: „Freuen sie sich mit mir, wie alle guten Deutschen – Fluch den Napoleonen!“ Aber die alten Eliten kehrten in der nun beginnenden Restaurationszeit wieder Schritt für Schritt zurück. Was Siebenfeiffer bei seiner Verwaltungstätigkeit zu spüren bekam und so kommentierte: „Krank der Adel, es bäumt sich der Esel, worauf er geritten“ und „krank auch mancher Regent aus Furcht vor dem Fieber der Freiheit.“

 

article picture

Hambacher Tuch, fotografiert im Archiv des Liberalismus in Gummersbach: Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1789-1845)

Copyright: Olaf Kosinsky - Archiv des Liberalismus 

Doch nach der Juli-Revolution 1830 in Frankreich wehte ein neuer Wind der Freiheit über die Grenzen auch in die deutschen Lande. Darum beschloss Siebenpfeiffer, die Missstände im Deutschen Bund journalistisch anzuprangern und gründete im selben Jahr seine Zeitschrift Rheinbayern. In der Erstausgabe versteckte er seine wahren Absichten hinter der scheinbar loyalen Titelzeile „Nur keine Revolution in Deutschland“. Worauf er aber sofort nach Kaisheim in Schwaben versetzt wurde, wo er als Zuchthausdirektor arbeiten sollte. Die Stelle trat er aber nicht an, sondern zog nach Zweibrücken um und startete dort zusätzlich die Zeitung Der Bote aus Westen. Beide Medien machte er zu Sprachrohren einer erstarkenden liberalen Opposition. Er verbündete sich mit dem Münchner Journalisten Johann Georg August Wirth, der seine oppositionelle Deutsche Tribüne auf seinen Rat hin in der Westpfalz herausgab, dort unbehelligt von der Zensur der bayerischen Regierung.

Doch Siebenpfeiffer zog weiter, nun nach Oggersheim und gab seine beiden Publikationen von dort unter neuen Namen heraus: der Westbote als Zeitung, Deutschland an Stelle von Rheinpfalz. Dazu immer wieder Flugschriften, in denen er im Falle von Zensurmaßnahmen gegen ihn weiter die „Preßfreiheit“ forderte.

1832 wirkte er an der Gründung des Deutschen Vaterlandsvereins zur Unterstützung der freien Presse mit, dem bald 5.000 Menschen aus ganz Deutschland angehörten. Dort entstand auch Siebenpfeiffers Idee für ein großes Nationalfest, das dann Ende Mai 1832 an der Schlossruine zu Hambach als sechstägige machtvolle Demonstration für Demokratie und Preßfreiheit mit rund 30.000 Teilnehmern realisiert wurde und bis heute als das „Hambacher Fest“ in unserer Erinnerung bleibt.

Dazu hatte Siebenpfeiffer am 18. April mit seinem Artikel „Der Deutschen Mai“ aufgerufen. Es sollte ein Fest der Hoffnung werden, „nicht gelte es dem Errungenen, sondern dem zu Erringenden, nicht dem ruhmvollen Sieg, sondern dem mannhaften Kampf für die Abschüttelung innerer und äußerer Gewalt, für Erstrebung gesetzlicher Freiheit und deutscher Nationalwürde“.

Siebenpfeiffer gehörte in Hambach zu den wichtigsten Rednern. Dort verbreitete er im Stil der Bergpredigt erneut seine weitblickenden Forderungen: „Es wird kommen der Tag, wo, abschüttelnd das Joch des Gewissens, der Priester Trug und den eigenen Irrwahn, der Deutsche zu seinem Schöpfer die unverfälschte Sprache des Kindes zum Vater redet – wo der Bürger nicht in höriger Unterthänigkeit den Launen des Herrschers und seiner knechtischen Diener, sondern dem Gesetze gehorcht – und wo das deutsche Weib nicht mehr die dienstpflichtige Magd des herrschenden Mannes, sondern die freie Gefährtin des freien Bürgers unseren Söhnen und Töchtern schon als stammelnden Säuglingen die Freiheit einflößt.“

Er schloss seine Eröffnungsrede mit den Worten: „Es lebe das freie, das einige Deutschland! Hoch leben die Polen, der Deutschen Verbündete! Hoch leben die Franken, der Deutschen Brüder … Hoch lebe jedes Volk, das seine Ketten bricht und mit uns den Bund der Freiheit schwört! Vaterland – Volkshoheit – Völkerbund hoch!“

Aber die Obrigkeit ließ sich nicht beeindrucken, sondern verhaftete in den folgenden Wochen die Redner von Hambach, wo immer sie ihrer habhaft werden konnte. Auch Siebenpfeiffer wurde am 18. Juni 1932 in Haardt festgenommen. Doch die Angeklagten wurden später von einem Geschworenengericht freigesprochen. Worauf Siebenpfeiffer erneut, nun wegen Beamtenbeleidigung vor Gericht gestellt und zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde. Mit Hilfe von Freunden konnte er im November 1833 aus dem Gefängnis fliehen und in die Schweiz entkommen. Dort bekam er nicht nur Asyl, sondern auch eine Anstellung an der Universität Bern. 1834 wurde er Schweizer Bürger und unterstützte mit seinen Ideen eine Reform der Erziehungs- und Unterrichtsanstalten. Ab 1840 arbeitete er als Sekretär der Direktion im Justizdepartement der Schweizer Republik.

Siebenpfeiffer starb am 14. Mai 1845 im Alter von nur 55 Jahren in Bümpliz bei Bern und wurde dort auch beigesetzt.

Angesichts seiner standhaften Forderungen nach uneingeschränkter Pressefreiheit und gegen jede Art von Zensur, wird seit 1987 alle zwei bis drei Jahre ein „Philipp-Jakob-Siebenpfeiffer-Preis“ für engagierte Journalisten vergeben. Preisträger waren unter anderen Franz Alt, Marie-Luise Scherer, Ralph Giordiano, ► Carola Stern, Herbert Prantl und Günter Wallraff.

 

(hhb)

 

Quellen:

Bernhard Becker: Siebenpfeiffer, Philipp Jacob / Deutsche Biographie

Hambach-Gesellschaft: Das Hambacher Fest 1832

Orte der Demokratie-Geschichte: Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1789-1845)

Haus des Erinnerns für Demokratie und Akzeptanz: Philipp Jakob Siebenpfeiffer

Literaturland Saar: Philipp Jakob Siebenpfeiffer

Rede von Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1832)