Karl Silex

Karl Silex wurde am 6. Juli 1896 als Sohn eines protestantischen Pastors in Stettin geboren. In Stettin besuchte er das „Marienstiftsgymnasium“, wo er 1914 sein Abitur ablegte. Danach trat er als Seekadett in die kaiserliche Marine ein, wurde 1916 Leutnant zur See und nahm bei Kriegsende als Oberleutnant seinen Abschied. Er studierte in Kiel und Berlin Nationalökonomie und wurde 1921 in Berlin promoviert.

Im gleichen Jahr begann er seine journalistische Laufbahn im Handelsteil des Hamburger Fremdenblatts. Im Jahr darauf wechselte er ins politische Ressort der DAZ Deutschen Allgemeinen Zeitung in Berlin, zur Kaiserzeit Bismarcks Hauspostille. Dort arbeitete er bis Ende der 20er Jahre als Korrespondent in London. Silex war mit einer Engländerin verheiratet und veröffentlichte 1930 ein Buch über das Leben der Briten: „John Bull zu Hause. Der Engländer im täglichen Leben“.

 

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Wegen kritischer Berichte über Adolf Hitler vor dessen Machtergreifung drohte der DAZ 1933 nun ein Verbot. Die Herausgeberfamilie Stinnes – Hugo Stinnes hatte während der Inflationszeit die DAZ gekauft und zum rechtskonservativen Sprachrohr der Ruhrindustrie gemacht – bat daraufhin Karl Silex, die Chefredaktion des Blattes zu übernehmen. Silex versuchte, ähnlich wie die Redaktion der Frankfurter Zeitung, einen bürgerlichen und von NS-Propaganda möglichst freien Kurs im Blatt zu fahren.

In seinen Memoiren „Mit Kommentar“ heißt es bei ihm dazu: „Die neue Pressegesetzgebung hatte unter Abschaffung des sogenannten Sitzredakteurs den Chefredakteur, den ‚Hauptschriftleiter‘, allein für den gesamten Inhalt der Zeitung verantwortlich gemacht. Es soll auch in demokratisch-unbeschwerten Zeiten Chefredakteure geben, die nicht schlafen können, wenn sie nicht alle Bürstenabzüge gelesen haben, bevor die Zeitung in Druck geht. Mein Rezept ist das nie gewesen. Wo hätte ich die Zeit hernehmen sollen, um die wirklichen und wesentlichen Aufgaben eines Chefredakteurs zu erfüllen? In demokratisch-unbeschwerten Zeiten kann ein falscher Zungenschlag zwar peinlich sein, aber doch niemals gefährlich. Das war jetzt anders. Eine Vorzensur gab es nicht, es gab die Sprachregelungen in der Reichspressekonferenz und die nachträglichen Rügen. Das mit dieser Methode verbundene Risiko war in das Ermessen des Chefredakteurs gestellt. Es musste ein kalkulierbares Risiko sein, dessen Folgen der Chefredakteur in Kauf zu nehmen entschlossen war.“

Als es dadurch vermehrt zu Konflikten mit dem Propagandaministerium kam, schied Silex 1943 freiwillig aus der DAZ-Redaktion aus und ging zur Marine zurück. Dort hatte man ihn ohnehin bereits im September 1939 reaktiviert und nebenher als Sachbearbeiter beim Oberkommando beschäftigt. Jetzt ernannte man ihn zum Korvettenkapitän und übergab ihm die Führung eines Minensuchschiffs. Zuletzt war er Seebefehlshaber der Kleinkampfverbände in Norwegen, wo er kurz vor der Kapitulation im Jahr 1945 die Schiffe und Boote seines Verbandes versenken ließ.

Nach dem Krieg ging Silex nach Stuttgart und engagierte sich dort beim Aufbau einer Nachkriegsdemokratie in der amerikanischen Zone.  Dort startete er dann 1949 seinen eigenen Verlag, in dem er bis 1957 die Deutschen Kommentare sowie die Bücherkommentare herausgab.

Im Januar 1955 wurde Karl Silex Chefredakteur der Berliner Morgenzeitung Der Tagesspiegel. „Als letzter deutscher Chefredakteur der alten Schule“ – so Journalisten-Kollegen – prägte er den Stil dieser konservativ-liberalen Zeitung und trat bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1963 für eine Politik ein, die eine Wiedervereinigung möglich machen sollte.

Von 1969 bis 1976 war er dann Jury-Mitglied für den von der „Stiftung Freiheit der Presse“ zu vergebenden „Wächterpreis der Tagespresse“. Mit welchem couragierte Reporter und Redaktionen ausgezeichnet werden, die den Kampf für eine saubere Verwaltung aufgenommen und Übergriffe von Bürokratie und anderen Machtgruppen schonungslos aufgedeckt haben.

Karl Silex war ein Journalist, der stets klare Kante zeigte. Auf sein Haus in der Händelallee im Berliner Hansaviertel wurde am 13. November 1965 ein Brandanschlag verübt, wie zuvor schon auf die Wohnungen anderer engagierter Berliner Bürger. Silex hatte im Sonntag zuvor in einem Leitartikel für den Tagesspiegel eine Denkschrift der Evangelischen Kirche zur Oder-Neiße-Frage begrüßt, wahrscheinlich der Grund für dieses Attentat von rechtsradikalen Wirrköpfen.

Am 18. Mai 1982 starb Karl Silex in Köln.

(hhb)

 

Haug von Kuenheim: Karl Silex - Bürger im Balanceakt; in Südd. Zeitung vom 11. Mai 2010

 

Bücher:

Karl Silex: Mit Kommentar – Lebensbericht eines Journalisten; S. Fischer, 1968