Siegfried Sigi Sommer wurde am 23. August 1914 als Sohn eines Möbelrestaurators in das typische Kleinbürgermilieu Münchens hinein geboren. Nach Abschluss seiner Volksschulzeit lernte er Elektrotechniker und unternahm gleichzeitig erste Schreibversuche. Als erste Erzählung wurde ‚Der Bart’ 1937 von der Zeitschrift Die Jugend gedruckt. Danach war er bis Kriegsbeginn u.a. freier Mitarbeiter des Münchner Abendblattes.
Während des Zweiten Weltkriegs war er Soldat in Frankreich und an der Ostfront. Nach dem Krieg arbeitete er mehrere Jahre für die Süddeutsche Zeitung und lieferte ihr viele Jahre lang seine ‚Lokalspitzen des Blasius Blinzl’ - über Münchner Ereignisse, über die Gesellschaft und aus dem Sportgeschehen. Ab 1948 schrieb er außerdem für die von Werner Friedmann neu gegründete AZ Abendzeitung und startete dort erstmals im Dezember seine berühmte Lokalkolumne ‚Blasius der Spaziergänger’, die von Kollegen „als Volkstheater auf ein paar Quadratzentimetern Papier“ gelobt wurde. Darin beschrieb er in seiner typischen Grantler-Manier seine Heimatstadt München gleichermaßen liebevoll wie bissig. Stets mit spitzer Feder - illustriert wurden diese Spaziergänge vom Karikaturisten Ernst Hürlimann.
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1954 veröffentlichte er sein erstes von insgesamt 40 Büchern, den Roman Und keiner weint mir nach. Bertolt Brecht lobte ihn damals als den besten Roman der Nachkriegszeit. Der war zuvor in allerdings ziemlich gekürzter Form als Fortsetzungsroman in der SZ erschienen und hatte dabei nicht nur die Aufmerksamkeit des Schund- und Schmutzreferats der Münchner Staatsanwaltschaft erregt, sondern auch Empörung bei Kardinal Wendel ausgelöst. Sommers so schonungslose wie penible Schilderung der Mietshaus-Atmosphäre im Haus Nr. 46 der Münchner Mondstraße hatte heftige Diskussionen ausgelöst. Aber auch dafür gesorgt, dass viele Münchner jeden Tag interessiert nach dem Blatt griffen. Dennoch musste die SZ-Redaktion die Hauptfiguren plötzlich und unvermittelt sterben lassen und so den weiteren Abdruck beenden. Erst der Desch-Verlag veröffentlichte den Roman danach ungekürzt.
1960 war Sigi Sommer in die Affäre um Werner Friedmann verwickelt, dem er seine Wohnung „bei Bedarf“ für dessen Seitensprünge überlassen hatte. Deswegen wurde er wegen Kuppelei zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.
Zwischen 1945 und 1987 soll er knapp sechstausend seiner Geschichten und Kolumnen abgeliefert haben, oft voller Spötteleien über Münchner Großkopferte und mit Nörgeleien über liebgewordene Münchner Rituale. Die Shopping-Meile Sendlinger Straße bezeichnete er als „Wurmfortsatz des Marienplatzes“ – wahrscheinlich steht deshalb dort sein in Bronze gegossenes Konterfei, als Denkmal für diesen außergewöhnlichen Journalisten und Schriftsteller.
Siegfried Sommer starb am 25. Januar 1996. Wo? Natürlich in München.
(hhb)