Friedrich Stampfer

Friedrich Stampfer, ein deutscher Publizist und Politiker, kommunizierte und erklärte in der Weimarer Republik die Politik der Sozialdemokraten. Zusammen mit Rudolf Breitscheid bemühte er sich vielfach – aber leider vergebens, im Kampf gegen Hitler ein besseres Verhältnis zwischen den beiden Linksparteien SPD und KPD herzustellen.

Friedrich Stampfer wurde am 8. September 1874 als Sohn eines jüdischen Rechtsanwalts in Brünn geboren, das damals zum österreichisch-ungarischen Kaiserreich gehörte. Politisches Vorbild war sein liberal-demokratisch gesinnter Vater – Stampfer engagierte sich schon als Gymnasiast bei den Sozialdemokraten und schrieb gelegentlich für ihr Brünner Parteiorgan Volksfreund.

Nach seinem Studium der Volkswirtschaft in Wien und Leipzig wurde er ab 1900 Redakteur bei der Leipziger Volkszeitung, die damals von Franz Mehring geleitet wurde und der SPD nahestand. 1902 zog er nach Berlin und arbeitete dort als freier Schriftsteller und ständiger Mitarbeiter des Vorwärts. Vom Jahr darauf an war er bis 1915 Herausgeber der täglich erscheinenden Privatkonferenz, eine Art Artikeldienst für die sozialdemokratische Presse – gewissermaßen eine Art Nachrichtenagentur der Partei. Von 1915 bis 1916 war Stampfer Kriegsteilnehmer in der österreichischen Armee, erkrankte dort schwer und wurde daraufhin vom Kriegsdienst befreit. So konnte er ab November 1916 die Chefredaktion des Vorwärts übernehmen. Diese Funktion behielt er, bis das Blatt durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 verboten wurde.

 

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Parteitag der SPD in Nürnberg: v.l. die Teilnehmer Paul Löbe, Friedrich Stampfer (ehemaliger Chefredakteur des Vorwärts) und Louise Schroeder

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1919 war Stampfer deutscher Staatsbürger geworden und im Jahr darauf Reichstagsabgeordneter. Für die SPD wurde er so zu einem wichtigen Journalisten und Meinungsbildner. Als Chefredakteur des Vorwärts durfte er an den Vorstandssitzungen teilnehmen, wurde zwischen 1922 und 1928 Mitglied der Programmkommission und gehörte ab 1925 zum SPD-Parteivorstand.

Ab 1928 verhandelte er gemeinsam mit Rudolf Breitscheid mehrmals mit der KPD über ein Zusammengehen im Rahmen einer Einheitsfront. Allerdings ohne Erfolg. Die KPD stufte die SPD damals als einen noch größeren Gegner als die NSDAP ein. In ihren Augen war die SPD eine sozialfaschistische Partei.

So kam es zur NS-Machtübernahme und wenig später zu den Verboten beider Parteien. Noch am 1. Februar 1933 hieß es im Vorwärts über die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler: „Glauben Sie im Ernst, dass dieser Mann, ein brüllender Gorilla, regieren kann? Das kann nicht länger als drei Wochen dauern."

Was für eine Fehleinschätzung, ganz ähnlich naiv war die Meinung in der Zentrum-Partei. Stampfer floh nach Saarbrücken, ins damals noch von den Franzosen besetzte Saargebiet. Wo nun, so die sofort einsetzende Nazi-Propaganda, „KPD und SPD als Vaterlandsfeinde das deutsche Volk an Frankreich verraten“. Obwohl die Sozialdemokraten, anders als die KPD, damals noch immer die Rückgliederung des Saarlandes forderten. Von Saarbrücken emigrierte Stampfer mit Frau und Tochter nach Prag und gründete dort als Chefredakteur den Neuen Vorwärts, nun als Parteizeitung der SoPaDe, der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands im Exil. Ihre führenden Mitglieder waren neben ihm unter anderen Otto Wels, Hans Vogel, und Erich Ollenhauer. Als am 23. November 1935 ein erneutes Sondierungsgespräch zwischen Hans Vogel und Friedrich Stampfer mit Walter Ulbricht und Franz Dahlem gescheitert war, wurde nun auch Stampfer zum entschiedenen Gegner der KPD und schrieb dazu im Neuen Vorwärts: „Kommunismus und Faschismus sind feindliche Brüder. Ihrer beider Mutter ist die Demokratie – die liegt in Deutschland erschlagen.“

Durch Druck der Nazis auf die tschechoslowakische Regierung musste der Neue Vorwärts 1938 nach Paris verlegt werden, wo er bis 1940 weiter wöchentlich erschien. Vor dem Einmarsch der deutschen Truppen war Stampfer schon in die USA übergesiedelt. Dort wurde er Redakteur bei der Neuen Volkszeitung und engagierte sich bei der „German Labour Delegation“, die die Exil SPD/SoPaDe finanziell unterstützte.

Im August 1948 kehrte Stampfer nach Deutschland zurück und war bis 1955 Dozent an der wieder eröffneten gewerkschaftsnahen „Akademie der Arbeit“ in Frankfurt am Main. Ab 1950 gab er erneut einen eigenen Pressedienst heraus, den Stampfer-Dienst.

Friedrich Stampfer starb am 1. Dezember 1957 im Alter von 83 Jahren in Kronberg/Taunus und wurde dort beigesetzt.

(hhb)

 

Quellen:

Gerhard E. Gründler: Friedrich Stampfer / Neue Deutsche Biographie

Friedrich Stampfer / Bundesarchiv

Münzenberg-Forum

Bernhard H. Bayerlein: Das geheime Winogradow-Treffen im Februar 1933 / INDES Zeitschrift für Politik und Gesellschaft

 

Bücher:

Kurt Koszyk: Publizistik und politisches Engagement /1999

Friedrich Stampfer: Der Kampf um Deutschland / Metropol 2022

Detlef Lehnert: Friedrich Stampfer 1874 – 1957 / Metropol 2022