Oskar Stark war Jurist und Journalist. In der kritischen Zeit des Nationalsozialismus leitete er zeitweise die Redaktionskonferenz der Frankfurter Zeitung und balancierte dabei auf dem schmalen Grat zwischen der Aufrechterhaltung des liberalen publizistischen Profils dieses Blattes und einer unvermeidlichen Anpassung an die Direktiven des Nazi-Systems – wie in den „Baden-Württembergischen Biographien“ immerhin anerkennend angemerkt wird. Neben einem zum Schein ernannten Hauptschriftleiter blieb Stark als Nachfolger von Erich Welter und Benno Reifenberg lediglich als primus inter pares Leiter der Redaktionskonferenz und lotete in dieser Funktion alle Möglichkeiten für eine einigermaßen freie Berichterstattung bis an ihre Grenzen aus. Bis dann auch die Frankfurter Zeitung 1943 endgültig verboten wurde. Nach dem Krieg wurde Stark Chefredakteur und Mitverleger der Badischen Zeitung.
Oskar Stark wurde am 27. Januar 1890 in Aschaffenburg geboren. Dort besuchte er zunächst das Humanistische Gymnasium bis zur Quinta und nach dem Umzug seiner Familie nach München dort das Maximiliansgymnasium. Sein Abitur bestand er als einer der Jahrgangsbesten und wurde darum während seines Studiums Stipendiat. An der Ludwig-Maximilians-Universität studierte er bis 1911 Rechtswissenschaft und war mit 21 Jahren bereits Referendar.
Dennoch wollte er lieber journalistisch arbeiten und ging darum zu den Münchner Neuesten Nachrichten, der damals führenden Zeitung in Süddeutschland. Wegen eines Augenleidens musste er keinen Militärdienst leisten und konnte daher über den Verlauf des Ersten Weltkriegs als politischer Redakteur und Zeitzeuge berichten und die Kriegskatastrophen detailliert beschreiben.
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Als die Münchner Neuesten Nachrichten dann 1920 nach rechts schwenkten, kündigte Stark und wechselte in die Berliner Redaktion der Frankfurter Zeitung. Dort beschrieb er ausführlich die demokratischen Schritte in der Weimarer Republik und deren Bedrohungen von innen und außen, von rechts wie links.
Im Herbst 1931 machte ihn Theodor Wolff beim Berliner Tageblatt zu seinem Stellvertreter. Unmittelbar nach der Machtergreifung musste Wolff schon wegen seiner jüdischen Abstammung das Tageblatt verlassen, und auch Stark wurde „wegen staatsfeindlicher Gesinnung“ fristlos entlassen. Ab 1934 gehörte Stark zur sogenannten „Robinson-Strassmann-Gruppe“, deren Namensgeber zum linken Flügel der DDP Deutsche Demokratische Partei gehörten. Sie entwickelte sich vorsichtig zu einer Widerstandsgruppe mit Verbindungen zum Goerdeler Kreis, zur Bekennenden Kirche und auch zum Kreisauer Kreis. Ansonsten schlug sich Stark mit Arbeiten für eine Zigarettenfabrik durch.
1935 holte ihn die Frankfurter Zeitung zurück in ihre Redaktion, die im Ausland nach wie vor als wichtige Stimme aus Deutschland angesehen wurde und allein aus diesem Grunde weiter erscheinen durfte. Ab 1939 wurde Stark als Nachfolger von Welter und Reifenberg Vorsitzender der Redaktionskonferenz und blieb dies bis zum endgültigen Verbot der FZ ab September 1943. Danach wurde er in die Redaktion der Berliner Börsen-Zeitung abkommandiert.
Diese Zeit bei der Frankfurter Zeitung beurteilte er nach Kriegsende mit bitterer Selbstkritik, weil er damit geholfen habe, gegenüber dem Ausland „die Rolle eines Wolfes im Schafspelz zu spielen“. Darum hätten er und viele Kollegen das Verbot der FZ schließlich sogar als Befreiung von der erzwungenen journalistischen Selbstverleugnung empfunden.
Nach dem Krieg sammelten sich viele ehemalige Redaktionsmitglieder der FZ in Baden und Württemberg. In Stuttgart gründete Benno Reifenberg 1946 Die Gegenwart und andere um Dr. Wendelin Hecht, dem letzten Geschäftsführer der FZ, die Badische Zeitung als Leitmedium für die französische Besatzungszone. Ihr Lizenzträger wurden neben Dr. Wendelin Hecht der frühere Verleger der Freiburger Tagespost Rombach sowie der Herder-Verlag. Die redaktionelle Planung lag weitgehend in den Händen ehemaliger FZ-Redakteure um Oskar Stark: u.a. Maxim Fackler, Nikolaus Benckiser, Ida-Maria Baehrle, Margret Boveri, Paul Sethe oder Hans Rösel – bis auf wenige Ausnahmen in den Augen der Südwestdeutschen alles „landfremde Elemente“.
Stark wurde zum politischen Kopf bei der Badischen Zeitung und führte die Redaktionskonferenz bis 1965, so wie es Benno Reifenberg anlässlich Starks 80. Geburtstag beschrieb, im Geist der Frankfurter Zeitung: „Politisch freiheitlich, in sozialpolitischer Hinsicht jederzeit gerecht und reformwillig, immer zur Unterstützung der sozial Schwachen geneigt.“
Fünf Jahre nach seinem Ausscheiden aus der Badischen Zeitung starb Oskar Stark am 12. Dezember 1970 80-jährig in Freiburg.
Beitrag zum 75. Gründungsjubiläum der Badischen Zeitung
Artikel aus der Badischen Zeitung zu Oskar Stark aus 2016