Friedrich Stephany

Friedrich Stephany war 20 Jahre lang Chefredakteur bei einem Vorläufer der späteren Vossischen Zeitung. Bekannt wurde er zudem als Briefpartner von Theodor Fontane. Als Journalist half er, das zu seiner Zeit berüchtigte „Zeitungsdeutsch“ zu verbessern.

Friedrich Stephany wurde am 14. März 1830 in Finkenwalde geboren, einem Vorort von Stettin in der damaligen Provinz Pommern des preußischen Königsreiches. Er besuchte das Domgymnasium in Stettin und später das Köllnische Gymnasium in Berlin, wo er danach Philologie und Philosophie studierte.

1864 wurde er Redakteur bei der Zeitung Die Reform und trat in den Verein Berliner Presse ein, in welchem sich Journalisten unterschiedlichster Gesinnung gemeinsam gegen den Druck aus der Bismarckschen Regierung wehrten. Als Die Reform drei Jahre später ihr Erscheinen einstellen musste, wechselte er zur von Johann Jacoby herausgegebenen Zeitung Die Zukunft, die im deutsch-dänischen Krieg für eine Befreiung Schleswig-Holsteins von der dänischen Fremdherrschaft eintrat, aber dann auch gegen die Annexion dieser beiden befreiten Herzogtümer durch Preußen.

 

article picture

Copyright: Unbekannt, weder im Buch noch anderweitig zu ermitteln - Gustav Dahms: Das Litterarische Berlin. Berlin: Taendler, 1895, S. 25, PD-alt-100, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=6110454

1870 ging er dann zur Königlich privilegirten Belinischen Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen – die sich ab 1904 dann Vossische Zeitung nannte – und arbeitete von 1880 bis 1900 als ihr Chefredakteur.

Dort vertrat er, selbst Mitglied der Freisinnigen Partei, Positionen des liberalen städtischen Bürgertums. In diesen Jahren war er eng mit Theodor Fontane verbunden, der ab 1870 als Theaterkritiker für die Königlich privilegirte arbeitete. Beide wechselten immer wieder Briefe über das aktuelle Theatergeschehen.

 

article picture

Nach dem Ausscheiden als Chefredakteur arbeitete Stephany aber weiter und redigierte die Sonntagsbeilage der nun Vossischen Zeitung.

Nach Stephanys Tod am 30. Januar 1912 im Alter von 82 Jahren beschrieb das Berliner Tageblatt tags darauf in einem Nachruf seiner Morgenausgabe die journalistische Arbeitsweise des geschätzten Kollegen mit diesen Worten:

„Stephany sorgte vor allem für eine ängstliche Reinhaltung der deutschen Sprache. Wustmann war sein Prophet, und mit Unerbittlichkeit merzte er jedes ‚derselbe‘ aus, das sich etwa in ein Manuskript verirrt hatte, kam er jedem Fremdwort auf die Sprünge, das sich in die Vossische Zeitung hineinschleichen wollte. Bei ihm gab es keine Telegramme, es gab nur ‚Drahtberichte‘. […] Dieses Drängen auf ein gutes Deutsch, auf das Vermeiden von Fremdwörtern, schiefen Ausdrücken und sonstigen Sprachschnitzern war bei Stephany nicht ohne Pedanterie; aber man muß ihm trotzdem zum Ruhme nachsagen, daß er an einer Verbesserung des ehemals berüchtigten ‚Zeitungsdeutsch‘ eifrig mitgewirkt hat.“

(hhb)

 

Quellen

Walther G. Oschilewski: Zeitungen in Berlin /Haude & Spener, Berlin 1975

Theodor Fontane und die Vossische Zeitung: Briefe an Hermann Kletke, Friedrich Stephany und Carl Robert Lessing / De Gruyter Verlag

Theodor Fontane: Briefe an die Freunde / Olms Verlag Hildesheim, 1995

Theodor Fontane über den sich wandelnden Geschmack des Theaterpublikums (1878-1889) / DGDB Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern