Horst Stern wurde am 24. Oktober 1922 in Stettin geboren und wuchs bei seiner Mutter auf. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, seine Eltern ließen sich früh scheiden. Nach der Grundschule besuchte er zunächst das humanistische Gymnasium in Gollnow. Als seine Mutter dann wieder heiratete, zog die Familie nach Berlin, wo er in eine Oberrealschule ging und dort wegen guter Leistungen zunächst ein Stipendium erhielt. Deutsch und Geschichte wurden zu seinen Lieblingsfächern, andere vernachlässigte er zusehends. Als deshalb sein Stipendium gestrichen wurde, musste er aus finanziellen Gründen die Schule mit Mittlerer Reife verlassen und begann eine Banklehre.
Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er zunächst zum Arbeitsdienst eingezogen und kam danach zu den Fallschirmjägern. In Afrika geriet er in amerikanische Gefangenschaft und wurde per Schiff in die USA überführt, ins Lager Breckinridge in den Rocky Mountains. Dort arbeitete er wegen seiner recht guten Englisch-Kenntnisse als Dolmetscher und durfte parallel dazu ein Fernstudium über angelsächsisches Recht und englischsprachige Literatur an der Universität Chicago beginnen. Vor allem war es sein Ziel, seine Englisch-Kenntnisse weiter zu vervollkommnen.
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Nach seiner Entlassung im Jahr 1948 landete er nach einigen Umwegen schließlich in Süddeutschland, wieder als Dolmetscher für die Militärregierung am Militärgericht in Ludwigsburg. Dort bekam er Kontakt zu Journalisten, half ihnen das angelsächsische Recht zu verstehen und wurde 1950 selbst Gerichtsreporter für die Stuttgarter Nachrichten. Dort kam Stern, der sich schon immer für die Tierwelt interessiert hatte, auch mit der Zeitschrift Kosmos in Kontakt. 1955 verließ er die Stuttgarter Nachrichten, weil die Veröffentlichung einer von ihm recherchierten Geschichte am Widerspruch seines Chefredakteurs scheiterte.
Die nächste Station war die eines Redaktionsberaters beim Delius Klasing-Verlag, wo er mehrere Zeitschriften wie Die Yacht bis zum Jahr 1989 betreute. Für den Kosmos-Verlag Frankh schrieb er damals eine Reitlehre, die zum Bestseller wurde und viele Jugendliche zum Reitsport animierte. Dadurch wurde der Südfunk Stuttgart auf ihn aufmerksam, für den er in den 60er Jahren mehr als 50 Schulfunksendungen über Tiere verfasste. Daraus wurden später die nach ihm benannten „Sterns Stunden“, für die er zwischen 1969 und 1979 26 Fernsehfolgen produzierte, und zwar anders als beim Frankfurter Zoodirektor Bernhard Grzimek ausschließlich über die heimische Tierwelt. Über Raubkatzen, Störche, Hirsche, Spinnen oder Gemsen.
Stern löste so schon mehr ökologisches Bewusstsein und Nachdenken aus. Denn er prangerte auch Jagdfrevel an, Fehler bei der Tierhaltung oder Tierversuche und Tierquälereien etwa in der Nutztierhaltung. Wodurch er immer wieder Skandale aufdeckte, etwa mit seinem Zweiteiler über „Tiere in der Pharmaforschung“. 1979 beendete er seine „Sterns Stunden“ und gründete 1980 für den Ringier-Verlag die Zeitschrift natur, mit dem Untertitel Horst Sterns Umweltmagazin. Deren Herausgeber und Chefredakteur blieb er bis 1984. Und immer wieder verfasste er Beiträge und Kolumnen für Publikationen wie DIE ZEIT, Die Woche oder den Spiegel.
Von 1972 bis 1979 wurde Horst Stern Naturschutzbeauftragter für den Landkreis Lindau am Bodensee, wo er damals wohnte. Er hatte zuvor auf die Verschmutzungen in der „Wasserburger Bucht“ hingewiesen. 1975 gehörte er zu den Gründern des „BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ und rief mit 400 Gleichgesinnten 1982 die „Deutsche Umweltstiftung“ ins Leben.
1997 holte ihn SpiegelTV nochmals zurück ins Fernsehen. Damals setzte er sich engagiert für den Erhalt des „Naturparks Bayerischer Wald“ als naturbelassener Urwald ein.
Horst Stern hat Maßstäbe für einen seriös recherchierten Naturjournalismus gesetzt, oder, wie das Magazin Stern zu seinem 80. Geburtstag schrieb: „Er habe den Menschen den Charakter ihrer Gesellschaft vorführen wollen.“ Dazu bemerkte Stern in seinem Zeitzeugen-Interview mit Thomas Hocke: „Ich hab eigentlich immer nur in den Köpfen und Herzen der Ohnmächtigen etwas bewirkt, in den Köpfen der Mächtigen so gut wie gar nichts.“ Dem darf, nein dem muss widersprochen werden.
Im Januar 2019 starb Horst Stern im Alter von 96 Jahren in Passau.
(hhb)
Elke Bodderas: „Horst Stern war der erste und beste Ökologe“ in WamS vom 27.1.2019
Thomas Hocke im Gespräch mit Horst Stern: „Natur in die Köpfe“ im Zeitzeugen-Portal auf YouTube