Josef Stern

Josef Stern war als Journalist wie Politiker ein engagierter Streiter für Demokratie, nicht nur im Widerstand gegen die „kleindeutsch-reaktionäre Einigung von oben“, die nach der Revolutionszeit von 1848/49 eingesetzt hatte. Als Journalist schrieb er zunächst für radikal-demokratische Blätter wie Die Zukunft, wurde dann leitender Redakteur bei der Neue Badische Landeszeitung und schließlich als Leitartikler ein Primus inter Pares bei der Frankfurter Zeitung. Wegen seiner Überzeugung saß Stern mehrmals in Gefängnissen.

Josef Stern wurde am 11. März 1839 als Sohn einer jüdischen Familie in Soest geboren, schloss sich aber zeitlebens keiner Glaubensgruppe an. Ab 1848 besuchte er das städtische Soester Archigymnasium, machte dort 1857 sein Abitur und studierte zunächst in Bonn und danach an der katholischen Hochschule in Münster klassische Philologie und Geschichte. Da man damals Juden nicht an staatlichen Schulen einstellte, arbeitete Stern zunächst als Hauslehrer auf einem Gut in Bromberg/Westpreußen. Dort begann er 1867, Artikel für die pro-demokratische Rheinische Zeitung zu schreiben und gründete bald darauf seine eigene Neue Bromberger Zeitung.

Darüber hinaus arbeitete Stern für Die Zukunft in Berlin, bevor die 1870 eingestellt werden musste. Ende Dezember 1868 war er schon als Chefredakteur zur Neuen Badischen Landeszeitung gewechselt.

Ab 1872 begann Josef Stern auch für die Frankfurter Zeitung zu arbeiten, zunächst als Berlin-Korrespondent, dann ab 1873 dann als leitender Redakteur. Nachdem der Verleger und Herausgeber ► Leopold Sonnemann in jenem Jahr die Chefredaktion abgeschafft hatte und durch ein kollegiales Herausgeber-Gremium ersetzte, wurde Josef Stern kurz darauf als Leitartikler zum Primus inter Pares unter den leitenden Redakteuren und damit gewissermaßen Nachfolger von Carl Volckhausen, dem letzten Chefredakteur der Frankfurter Zeitung. Stern vertrat konsequent eine damals nicht oft übliche innere Redaktionsfreiheit: „Die Redaktion der ‚Frankfurter Zeitung‘ steht zu dem Eigentümer der letzteren in keinem solchen Verhältnis, wie heute sehr viele Blätter zur Regierung und ihren Patronen. Wir existieren nicht von den Inspirationen des Herrn Sonnemann, und wir haben uns nicht verpflichtet, seine politischen Reden und Handlungen mit Lob zu begießen; wir vertreten mit dem, was wir schreiben, im Gefühle der vollsten Unabhängigkeit die eigenen politischen Überzeugungen.“

 

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Copyright: Ausschnitt aus der Soester Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Heimatpflege Soest von 1973; mit freundlicher Genehmigung des Soester Stadtarchivs

Stern beschäftigte sich überwiegend mit innenpolitischen Themen: So unterstützte er den Widerstand gegen die von Bismarck durchgesetzte kleindeutsche Lösung, mit einem preußischen Kaiser an der Spitze und ohne Habsburg. Im Kulturkampf, der nach der Reichsgründung 1871 eskalierte, stand Josef Stern auf der Seite des Katholizismus und verfasste engagierte Artikel gegen die Sozialistengesetze. Später, als Abgeordneter von 1882 bis 1885 im Preußischen Abgeordnetenhaus, setzte Josef Stern sich für die Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts ein und forderte für Preußen ein geheimes Wahlrecht.

Mit solchen Forderungen und seinen politischen Überzeugungen verstieß er auch gegen das Pressgesetz und wurde deswegen mehrfach zu mehrmonatigen Haft- oder zu Geldstrafen verurteilt. Insgesamt saß Stern gut 13 Monate als sogenannter „Sitzredakteur“ im Gefängnis, wo er dann seine Kerkerstudien zu Papier brachte.

Seit 1893 war er stellvertretender Geschäftsführer, ab 1901 dann Hauptgeschäftsführer der Frankfurter Societätsdruckerei, in deren Verlag die Frankfurter Zeitung erschien.

Josef Stern erlitt am 16. Dezember 1902 bei seinem Besuch seiner Lieblingsoper Aida im Frankfurter Opernhaus einen Schlaganfall, an welchem er verstarb. Er wurde in Heidelberg begraben.

Seine Heimatstadt Soest ehrte ihn posthum mit einem Josef-Stern-Weg.

(hhb)

Soester Zeitschrift 85/1973

Quellen

Birgit Weyel: Josef Stern / Frankfurter Personenlexikon

Alfred E. Laurence: Dr. Josef Stern (1839-1902) - Ein vergessener Soester ‚Berufsverbrecher‘ / Soester Zeitschrift Heft 85 – Westfälische Verlagsbuchhandlung Mocker & Jahn 1973

Bücher:

Josef Stern: Hinter den Gittern / 1882 in Mannheim