Georg Stefan Troller

Der austro-amerikanische Schriftsteller, Fernsehjournalist, Drehbuchautor und Dokumentarfilmer Stefan Troller wurde wegen seiner Interview-Technik zum Vorbild für viele Journalisten, Moderatoren und Talkmaster. Wie kaum einem anderen gelang es ihm immer wieder, seine Gesprächspartner zum Reden zu bringen und ihnen dabei auch persönliche Geheimnisse zu entlocken.

Georg Stefan Troller wurde am 10. Dezember 1921 in Wien als Sohn eines jüdischen Pelzhändlers geboren. In Wien besuchte er das Gymnasium und absolvierte anschließend eine Lehre als Buchbinder. Als Österreich im März 1938 an das Deutsche Reich angeschlossen wurde, floh der 16-jährige Troller in die Tschechoslowakei und von dort weiter nach Frankreich.

Bei Kriegsausbruch 1939 wurde Stefan Troller wie viele seiner Leidensgenossen als feindlicher Ausländer interniert. Aber nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich gelang ihm die Flucht aus dem Lager. 1941 erhielt er in Marseille ein Visum für die USA und begann dort, zunächst als Buchbinder zu arbeiten. Bis er dann 1943 von der US-Armee eingezogen wurde.

Ende April 1945 war er bei der Befreiung des KZ Dachau anwesend und half als Fotograf bei der Dokumentation der entsetzlichen Zustände. Nachdem am 1. Mai 1945 auch München von der US-Armee eingenommen worden war, wurde er auf Grund seiner Deutschkenntnisse bei der Vernehmung von Kriegsgefangenen eingesetzt. Als Reporter des Armeesenders Radio München begann dann seine journalistische Laufbahn.

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In der ZDF-Sendung Vor 30 Jahren, 2011

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Damals wollte er aber nach Wien zurückkehren und begann dort für den US-Sender Rot-Weiß-Rot zu arbeiten. Damals initiierte er seine erste Frage-Sendereihe „XY weiß alles“; aber so richtig heimisch wurde er in Österreich nicht mehr. Also kehrte er in die USA zurück und studierte zunächst Anglistik in Kalifornien und anschließend Theaterwissenschaften an der Columbia University in New York. Mit einem Fulbright-Stipendium für die Sorbonne kehrte er 1949 nach Paris zurück, wo er eigentlich Vergleichende Literaturwissenschaft studieren wollte.

Doch ein Angebot des Senders RIAS Berlin ermunterte ihn, in Paris nun wieder als Hörfunkreporter tätig zu werden. Erste Erfahrungen mit dem Fernsehen sammelte er dort als Reporter für den SWR Süd-West-Funk. Ab 1952 arbeitete er als Frankreich-Korrespondent gleich für zahlreiche Medien in Rundfunk, Fernsehen oder Presse – aus den USA, Kanada, Österreich und der Bundesrepublik. In Deutschland wurde er damals als WDR-Fernsehreporter bekannt, mit seiner Sendung „Pariser Journal“, die von 1962 bis 1971 in 50 Folgen lief und 1967 mit einem Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet wurde.

Danach wechselte er als Sonderkorrespondent zum ZDF und startete dort die Sendereihe „Personenbeschreibung“, in der er 22 Jahre lang in 70 Folgen prominente Künstler ebenso wie normale Zeitgenossen vorstellte. Seine Gesprächspartner waren neben anderen Konrad Adenauer, Woody Allen, Josephine Baker, Jean-Paul Belmondo, Ingrid Bergmann, Marlene Dietrich, Edith Piaf, Pablo Picasso oder Orson Welles. Gerade in dieser Serie wirkten seine Interviews vorbildlich, waren geradezu stilbildend. Bei seinen Personenbefragungen ging er immer sehr einfühlsam vor, was er mit einer angeblichen Menschenscheu erklärte, die Flucht und Verfolgung bei ihm ausgelöst haben sollte. Sensationslust bezeichnete er als „Menschenfresserei, die vom warmen Blut ihrer Opfer lebt.“

Neben dieser journalistischen Arbeit für Funk und Fernsehen schrieb er Bücher und Drehbücher – Drehbücher etwa für „Der junge Freud“ (1976), für die Holocaust-Trilogie „An uns glaubt Gott nicht mehr“ (1981/82) oder für „Welcome in Vienna“ (1985), das 1986 eine Nominierung als bester ausländischer Film bekam. Der Film „Wohin und zurück – Santa Fe“, der von Axel Corti nach seinem Drehbuch realisiert wurde und im selben Jahr mit dem Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet wurde.

Noch zu erwähnen sind Trollers zahlreiche Dokumentationen wie „Mord aus Liebe“ (1993) über den Fall Bubi Scholz oder „Amok“ (2001) über den Amoklauf des amerikanischen Studenten Wayne Lo, zwei Beispiele unter vielen anderen, die sowohl von der Kritik wie von den Zuschauern sehr gelobt wurden. Insgesamt dürfte er hunderte Filme gedreht und etwa zwei Dutzend Bücher geschrieben haben.

Neben den Grimme-Preisen erhielt er 1966 die Goldene Kamera der Hör Zu und gleich mehrfach den Goldenen Gong, 1990 den Bambi und so weiter und so fort. Und natürlich Verdienstorden von Deutschland und Österreich.

Am 27. September 2025 starb Stefan Troller im Alter von 103 Jahren in Paris.

(hhb)

 

Quellen

Georg Stefan Troller / Filmportal.de

Stefan Troller: Mein Kriegsende – Erinnerungen an 1945 / WDR am 6.5.2005

Uwe Ebbinghaus: Wie erfährt man die Wahrheit, Herr Troller? / FAZ vom 9.12.2011

phoenix persönlich: Georg Stefan Troller zu Gast bei Michael Krons

Ich darf nicht verzeihen – Stefan Troller wurde am 10.12.2021 hundert / taz

Selbstheilung über andere – Troller wird 101 / taz

 

Bücher

Stefan Troller: Dichter und Bohemiens – Literarische Streifzüge durch Paris /  Artemis & Winkler 2003

Stefan Troller: Paris geheim / Artemis & Winkler 2008

Stefan Troller: Selbstbeschreibung – ergänzte Neuauflage / Artemis & Winkler 2009

Stefan Troller: Meine ersten 100 Jahre – Neue Geschichten und Berichte / Edition Memoria 2021