Der Journalist und Schriftsteller Georg Ludwig Weerth war einer der bedeutendsten politischen Satiriker während der Revolutionszeit von 1848/49. Friedrich Engels sah in ihm sogar den ersten und bedeutendsten Dichter des deutschen Proletariats.
Georg Ludwig Weerth wurde am 17. Februar 1822 als Sohn einer Pfarrersfamilie in Detmold geboren, im damaligen Fürstentum Lippe. Als sein Vater nach mehreren Schlaganfällen seinen Beruf ab 1836 nicht mehr ausüben konnte, musste Sohn Georg das Gymnasium in Detmold mit Sekunda-Reife verlassen und bis 1840 eine kaufmännische Ausbildung absolvieren.
In dieser Zeit lernte er den Redakteur der Barmer Zeitung Hermann Püttmann kennen, der ihn als Mentor an die Literatur heranführte und ihn für die offenkundigen sozialen Probleme sensibilisierte. Ab 1839 gehörte er zum „Literaten-Kränzchen“ von Ferdinand Freiligrath.
Von 1840 bis 1846 arbeitete Weerth zunächst als Buchhalter in Köln, dann als Privatsekretär eines Unternehmers in Bonn und schließlich als Kontorist einer Textilfirma im mittelenglischen Bradford. Dort kam er in Kontakt mit Friedrich Engels, mit ► Karl Marx und anderen Vertretern des Frühsozialismus. Ab 1843 schrieb er Gedichte, Erzählungen, Reiseberichte und Reportagen, die überwiegend in Zeitungen erschienen, etwa in der Kölnischen Zeitung, wo Püttmann inzwischen Leiter des Feuilletons war.
Georg Weerth, 1851. Nach einer Daguerreotypie von Carl Ferdinand Stelzner
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In den Jahren 1847 und 1848 lieferte er dann regelmäßig als Korrespondent Berichte über das politische und soziale Leben der Briten für die Deutsche Zeitung in Heidelberg und die Kölnische Zeitung. Bei Ausbruch der Februar-Revolution war er in Paris und London, eilte dann aber zurück nach Köln und wurde dort Leiter des Feuilletons der Neuen Rheinischen Zeitung – einem Organ der Demokratiebewegung, von Karl Marx, Friedrich Engels und ihm gegründet.
Dort veröffentlichte er seine Satire über „Leben und Thaten des berühmten Ritters Schnapphahnski“. Dieser Ritter Schnapphahnski hatte bereits einen kurzen Auftritt in Heinrich Heines „Atta Troll“ – von Weerth also eine Verneigung vor Heine in seinem satirischen Schlüsselroman gegen den Adel, mit Schnapphahnski als Titelfigur für den schlesischen Fürsten Felix Lichnowsky. Der laut Weerth eher eine traurige Gestalt war und kein strahlender Held, wie sich Lichnowsky gern selbst darstellte. Besagter Fürst war während der Unruhen am 19. September 1848 in Frankfurt/Main von Aufständischen ermordet worden.
Die Adels-Satire ► Schnapphahnski erschien vom 8. August 1848 bis zum 21. Januar 1849 als Serie in der Neuen Rheinischen Zeitung. Sie bescherte Weerth anschließend wegen Verunglimpfung des Andenkens an den preußischen Paulskirchen-Abgeordneten Fürst Lichnowsky und wegen angeblich mittelbarer Täterschaft an seinem Mord eine dreimonatige Haft. Die er ab Februar 1850 im Kölner Klingelpütz antrat.
Enttäuscht von der 48er Revolution und der beginnenden Restauration emigrierte Weerth nach England und beschloss, wieder mehr kaufmännisch tätig zu werden und darüber zu berichten – wie schon zuvor mit seinen „Humoristischen Skizzen aus dem deutschen Handelsleben“. So berichtete er nun von seinen Geschäftsreisen nach Nord-, Mittel- und Südamerika. 1855 war er nochmals mehrere Monate in Europa und traf sich wieder mit Marx und Engels. Danach reiste er zurück nach Havanna, wo er am 30. Juli 1856 im Alter von nur 34 Jahren an Gelbfieber starb. Dort erinnert eine Gedenktafel bis heute an ihn.
(hhb)
Quellen
Georg Weerth – Biographie / Zeno.org
Georg Weerth: Projekt Gutenberg
200. Geburtstag von Georg Weerth / MIK Museum Industriekultur Wuppertal
Georg Weerth (1822 – 1856) / Grabbe Gesellschaft e.V., Detmold
17. Februar 1822 – Der Schriftsteller Georg Weerth wird geboren / WDR am 9.2.2022
R. Brückmann: Medienereignisse im 18. und 19. Jahrhundert – ab Seite 115 / R. Oldenbourg Verlag München, 2009
Marie Weerth: Georg Weerth – Ein Lebensbild / Aisthesis Verlag
Bücher + Schriften
Georg Weerth: Das Hungerlied (1845)
Georg Weerth: Die Armen in der Senne (1845)
Georg Weerth: Proletarier in England (1845/46)
Georg Weerth: Rede auf dem Freihandelskongreß in Brüssel (1847)
Georg Weerth: Humoristische Skizzen aus dem deutschen Handelsleben(1847/48)
Georg Weerth: Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten (1848)
Georg Weerth: Leben und Thaten des berühmten Ritters Schnapphahnski (1848/49)
Georg Weerth: Proklamation an die Frauen (1849)