Erich Welter war ein deutscher Publizist. Als Wirtschaftsredakteur arbeitete er zehn Jahre lang für die Frankfurter Zeitung (FZ) und wechselte kurz vor der Machtergreifung als Chefredakteur zur Vossischen Zeitung nach Berlin. Als diese Ende März 1934 vom NS-Regime eingestellt wurde, kehrte Welter zur FZ zurück und leitete deren Wirtschaftsteil bis zur Schließung auch dieses Blattes im Herbst 1943. Als stellvertretender Hauptschriftleiter der FZ hat er in diesen schwierigen Jahren engagiert dabei geholfen, die damals immerhin noch einigermaßen unabhängige Zeitung vorsichtig durch die ständig lauernden Gefahren und Zumutungen zu navigieren. Soweit dies in einer Diktatur überhaupt möglich war. Ende 1949 gehörte er zu den Gründern der FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Erich Welter wurde am 30. Juni 1900 in Straßburg geboren. Von 1918 bis 1922 studierte er Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin und promovierte krankheitsbedingt dort erst 1925 zum Dr. rer. pol. Doch bereits seit 1921 arbeitete er für die Handelsredaktion der FZ, zunächst von Berlin aus und ab 1926 dann in der Frankfurter Redaktion. Nach seiner Habilitation im Jahr 1931 war er außerdem bis 1948 Privatdozent an der Frankfurter Universität.
1933 bot ihm der Ullstein-Verlag die Chefredaktion der Vossischen Zeitung an, die er aber nur wenige Monate leiten durfte. Denn bereits am 31. März 1934 musste er sich wegen der von den Nazis verfügten Einstellung dieser ältesten Berliner Zeitung von seinen Lesern verabschieden.
Copyright: Wolfgang Haut, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Also kehrte er zurück zur Frankfurter Zeitung und übernahm dort die Leitung der Wirtschaftsredaktion. 1936 wurde er zusätzlich stellvertretender Hauptschriftleiter, vor allem aus politischen Gründen, weil er als anerkannter Wirtschaftsjournalist über gute Kontakte auch zu wichtigen NS-Funktionären wie Rolf Rienhardt oder Hjalmar Schacht verfügte. Diese Kontakte konnte er zusammen mit dem Verlagsleiter Wendelin Hecht nutzen, wann immer das nötig wurde. So konnte er Türen bei verschiedenen Reichsbehörden öffnen und zu vermitteln helfen. Speziell bei Personalfragen, wenn Goebbels mal wieder Parteigenossen als Aufseher in Redaktion oder Verlag einzuschleusen versuchte.
Als am 23. März 1943 ein auch dem FZ-Feuilleton aufgezwungener Wunsch nach einer Lobeshymne für den einstigen Hitler-Intimus Dietrich Eckart im Ergebnis bei Hitler Missfallen auslöste, verfügte der die sofortige Einstellung des Blattes. Herbert Küsel hatte lediglich eine eher süffisante Lebensbeschreibung des NS-Barden verfasst. Welter als verantwortlicher Hauptschriftleiter und der Autor Küsel wurden von der Gestapo verhaftet und für einige Zeit eingebuchtet. Welter setzte danach alle Hebel in Bewegung, den Einstellungsbeschluss rückgängig machen zu lassen. Doch er konnte ihn nur mit Hilfe seiner Kontakte noch etwas hinauszögern. Ende September 1943 war dann endgültig Schluss.
Bis 1944 blieb Welter dann noch Hauptschriftleiter der im Verlag erscheinenden Die Wirtschaftskurve.
Nach Kriegsende gründete er in Stuttgart zusammen mit dem Verleger Curt E. Schwab zunächst die Wirtschaftszeitung. Aus der musste er sich aber bald als Gesellschafter wieder zurückziehen, weil er von den Amerikanern als belastet eingestuft wurde.
1948 wurde Welter Ordinarius für Volkswirtschaftslehre an der Universität Mainz und Berater für die dort erscheinende Allgemeine Zeitung. Noch immer wollte er - wie schon in Stuttgart mit Schwab geplant, der seine Wirtschaftszeitung inzwischen zur Deutsche Zeitung und Wirtschaftszeitung umbenannt hatte – ein vergleichbares Blatt zur alten Frankfurter Zeitung auf den Markt bringen. Denn er fühlte sich noch immer mitschuldig am damaligen Verbot der FZ, weil er Küsels Artikel ohne Korrekturen hatte ins Blatt heben lassen. In Mainz half er dabei, die Allgemeine Zeitung als überregionales Blatt zu entwickeln, als Basis für eine später neue FZ. Dazu gehörte natürlich der Umzug aus dem eher behäbigen Mainz in die frühere Medienmetropole Frankfurt.
Und dort erschien dann am 1. November 1949 die Erstausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Stil, Umbruch und Schriftbild hatte man an die alte FZ angepasst, sie aber nicht kopiert. Um genügend Auflage zu machen, empfahl Welter, sich inhaltlich und journalistisch auf ein gutbürgerliches Niveau einzustellen: unabhängiger Qualitätsjournalismus, aber nicht abgehoben oder zu akademisch.
So wurde die FAZ zu einem führenden Leitmedium für Deutschland. Erich Welter gehörte bis 1980 zu den Herausgebern und war bis zu seinem Tod Vorsitzender der Gesellschafterversammlung.
An der Uni Mainz lehrte er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1962. Dort hatte er auch ein Forschungsinstitut für Wirtschaftspolitik gegründet.
Erich Welter starb am 10. Juni 1982 in Frankfurt am Main, nur wenige Tage vor seinem 82zigsten Geburtstag.
(hhb)
Quellen:
"FRANKFURTER ZEITUNG Die Mayflower" aus Der Spiegel 9/1959 vom 24.02.1959
Dissertation von Christina Schäfer "Erich Welter, der Mann hinter F.A.Z."