Fritz Wirth

Fritz Wirth begann bei der WELT als Sportjournalist, wechselte aber bald ins politische Ressort mit dem Ziel, seinen Lesern die große Politik zu erklären. So wurde er ihr politischer Korrespondent in Großbritannien und in den USA. Ein Journalistenleben ausschließlich für die WELT-Gruppe.

Fritz Wirth wurde am 1. September 1929 in Essen geboren. Nach seiner Schulzeit studierte er in Köln und Münster Germanistik, Zeitungswissenschaft, Philosophie und Psychologie. Nach Abschluss des Studiums wurde er in Münster Mitarbeiter am Institut für Publizistik und analysierte dort die soziale Lage der deutschen Journalisten.

1956 berichtete er für die DIE WELT von den Olympischen Spielen in Melbourne. Was zu dem Angebot führte, Redaktionsmitglied beim Blatt zu werden. 1958 nahm er das Angebot an und entwickelte den Sportteil der WELT zu einer feuilletonistischen Kunst: Er rückte die Sportler stärker in den Mittelpunkt – als Sieger oder Verlierer – beschrieb ihre Höhenflüge und Niederlagen und wie sie damit umgingen. Das alles auch für die Welt am Sonntag.

Ganz ähnlich informierte er dann als Politikredakteur über die politischen Ereignisse zunächst im Lande. Ab 1967 arbeitete er dann als politischer Korrespondent für DIE WELT – 17 Jahre lang bis 1984 berichtete er aus London und anschließend für weitere 10 Jahre bis 1994 aus Washington D.C.

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Copyright: Unternehmensarchiv der Axel Springer SE

Immer wieder war er auf der Suche nach der „Story behind the Story“, wollte herausfinden, was die Menschen jeweils angetrieben hatte, in der Downing Street 10, im Weißen Haus oder bei den Gipfel-Treffen. Er sah sich als Chronist und keinesfalls als Voyeurist, berichtete immer sachlich und ohne Häme. Fairness war sein oberstes Gebot. Für seine Serie „England’s Glory“ bekam er 1976 den „Theodor-Wolff-Preis“.

Stets blieb er den Spitzenpolitikern auf den Fersen, folgte ihnen zu wichtigen Treffen. Er war in Prag bei Vaclav Havel, bei Francois Mitterand in Paris oder traf sich mit Helmut Kohl in Oggersheim beim Lunch mit Kohls heiß geliebten Saumagen. Aber er berichtete auch über Geheimdienstchefs, über Manager, Philosophen und Wissenschaftler. Der Soziologe Northcote Parkinson überließ ihm nach einem Interview sein „Zweites Parkinsonsches Gesetz“ zur Erstveröffentlichung in der WELT.

1994 kehrt er im Alter von 65 Jahren nach Deutschland zurück, schrieb aber weiter für WELT und Welt am Sonntag. Und schaute dabei wie gewohnt hinter die Kulissen, es ging ihm um Qualitätsjournalismus und dessen Glaubwürdigkeit. So, als er 1998 über die Folgen eines falschen Fernsehbeitrags von CNN im Golfkrieg berichtete: ►CNN wahrt sein Gesicht“.

Und er blieb Mentor in der „Axel-Springer-Schule“, wo Nachwuchsjournalisten von seinen Erfahrungen profitieren konnten. Von 1991 bis 2006 war er zudem Juror und wurde schließlich Ehrenmitglied in der Jury des „Axel-Springer-Preis für jungen Journalismus“.

Fritz Wirth starb am 19. Mai 2018 im Alter von 88 Jahren in Hamburg.

In ihrem Nachruf betonte DIE WELT vor allem einen Charakterzug ihres verstorbenen Journalisten: „Fairness war immer sein oberstes Gebot.“

(hhb)

 

Quellen

Kress Report vom 3.2.1972

Voller Neugier sucht er die Nachricht hinter der Nachricht – Fritz Wirth wird 70 / DIE WELT vom 1.9.1999

Fairness war immer sein oberstes Gebot / DIE WELT vom 23.5.2018

 

Bücher + Schriften

Fritz Wirth: Zur sozialen Lage des deutschen Journalisten / in Publizistik 1. Jahrgang 1956, Seite 165-176